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| 17:28 Uhr

Bautzen/Hoyerswerda
Borkenkäferplage weitet sich aus

 Borkenkäfer sind durch Wärme und Trockenheit seit mehr als einem Jahr ein Riesenproblem für alle Waldbesitzer. Sie vermehren sich auch in diesem Jahr wieder rasant.
Borkenkäfer sind durch Wärme und Trockenheit seit mehr als einem Jahr ein Riesenproblem für alle Waldbesitzer. Sie vermehren sich auch in diesem Jahr wieder rasant. FOTO: dpa / Roland Weihrauch
Bautzen/Hoyerswerda. In den Wäldern des Landkreises Bautzen kämpfen die Bäume mit der Trockenheit – zum Vorteil der Schadinsekten. Von Sascha Klein

Die Trockenheit in den Wäldern verschärft die Situation des Borkenkäferbefalls. Wie das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft mitteilt, würden dem Borkenkäfer Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad zum Schwärmen reichen. Die Trockenheit verursache vor allem bei der Fichte als Wirtsbaumart von Buchdrucker und Kupferstecher deutlichen Wasserstress. Das bedeutet: Die Anfälligkeit für einen Befall steigt.

Nach Angaben der Bautzener Kreisverwaltung hat es im Juni 2019 im Landkreis einen Zugang an durch Buchdrucker befallenem Holz von 9000 Kubikmetern gegeben. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum gerade einmal knapp 100 Kubikmeter. Das zeige, so Pressesprecherin Sabine Rötschke, wie dramatisch die Situation weiterhin ist.

Seit Anfang Juli schlüpft  die neue Käfergeneration und bohrt sich in weitere Bäume ein. Es steht und liegt nach wie vor zu viel nicht aufgearbeitetes Holz im Wald, heißt es seitens der Kreisverwaltung. Waldbesitzer und Unternehmen tun ihr Bestes, seien aber kaum in der Lage, die Massenvermehrung in den Griff zu bekommen.

Die Förster haben so viel Arbeit mit dem Borkenkäfer wie in kaum einem Jahr bisher: „Für die Schadaufnahme sind die Revierleiter und zusätzliche Personen im Dauereinsatz. Sie markieren neu befallene Bäume und fordern die betreffenden Waldbesitzer auf, diese zu beseitigen“, so Sabine Rötschke weiter. Unabhängig davon sei die Schadaufnahme und Schadensbeseitigung vor allem Aufgabe der Waldbesitzer.

Dazu kommt, heißt es seitens des Umweltministerium, dass viele Bäume durch das ebenfalls heiße und wasserarme Jahr 2018 noch immer geschwächt sind. Eine nennenswerte Regeneration sei häufig nicht gegeben gewesen – trotz der Regenfälle im Frühjahr. Auf die Entwicklungsgeschwindigkeit der Bruten hätten die kälteren Tage nur einen geringen Einfluss. Die Schädlinge vermehren sich weiter.

Der Landkreis Bautzen hatte im April eine Allgemeinverfügung erlassen, die Waldbesitzer zwingt, ihre Flächen regelmäßig auf Borkenkäfer zu kontrollieren, einen Befall zu melden und befallenes Holz schnellstmöglich aus dem Wald zu bringen. Bei Nichteinhaltung droht der Landkreis mit Ersatzvornahmen. Das heißt: Der Landkreis handelt, die Besitzer müssen für die Einsätze zahlen. Jetzt teilt Landkreis-Sprecherin Sabine Rötschke mit: „Für statistische Auswertungen über Anzahl von Aufforderungen und Strafen ist gegenwärtig keine Zeit. Die Revierleiter sollen schließlich im Wald die Schäden aufnehmen.“

Das Problem der Schadensschätzung laut Landkreis: Die Schäden an den Nadelbäumen würden gegenwärtig nur über die Befallsmengen eingeschätzt. „Erst am Ende der Massenvermehrung wird klar werden, wo komplett neu aufgeforstet werden muss, sich Naturverjüngung einstellt usw. Eine detaillierte Schadensbenennung kann es aber auch dann nicht geben. Es sind viele weitere Verluste zu berücksichtigen, wie zum Beispiel erhöhte Aufarbeitungskosten, stark sinkende Holzpreise durch das Überangebot und durch den Verkauf von Schadholz, erhöhter Kontrollaufwand, später vielleicht höhere Aufforstungskosten usw.“, sagt Sabine Rötschke.

In den Kieferngebieten nähmen die Schäden laut Kreisverwaltung ebenfalls deutlich zu. Dort sind mit dem Blauen Kiefernprachtkäfer, dem Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer und dem Großen Waldgärtner andere Arten unterwegs. Das verschärfe die Holzmarktsituation zusätzlich.