| 02:40 Uhr

Kraft und Magie der Musik

Dass Lachen und Weinen in den Konzerten von "Quattrocelli" so nah beieinander liegen, ist einer feinfühligen Dramaturgie geschuldet.
Dass Lachen und Weinen in den Konzerten von "Quattrocelli" so nah beieinander liegen, ist einer feinfühligen Dramaturgie geschuldet. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Der sechste Konzertabend der 52. Musikfesttage Hoyerswerda mit dem Titel "The Quattrocelli Scenes" hat am Montag grenzenlos begeistert. Warum, das ist schwer zu beschreiben. Mandy Fürst / mft1

Tja, was soll man dazu sagen beziehungsweise schreiben. Denen, die dabei waren, muss man nun wahrlich nichts erzählen. Jenen aber, die nicht dabei waren, kann man in diesem Fall kaum klar machen, wie genau das alles war. Es ist dies einer der seltenen Fälle, an denen die Sprache an ihre Grenzen kommt. Was nicht heißen soll, dass sie nicht ein wunderbares Instrument der Beschreibung wäre. Nur für die Wiedergabe von Musik taugt Sprache wenig, weist sie doch - zumal in geschriebener Form, die ohne Gestik und Mienenspiel auskommen muss - naturgemäß Lücken auf. Und so muss beim schriftlichen Erklären von Musik ein Teil ihrer Dimensionen verloren gehen.

"Quatrocelli" sind an diesem Abend zu einem Gastspiel in der Lausitzhalle gekommen. Unter dem Namen reisen die Cellisten Lukas Dreyer, Matthias Trück, Tim Ströble und Hartwig Christ durch die nationalen und internationalen Lande. Ob sie sich abseits des Mainstream bewegen oder ob das Repertoire aus weltbekannter Filmmusik genau darauf balanciert, bleibt eine Frage des Blickwinkels.

Mit Johann Sebastian Bachs berühmtem "Air" zu eröffnen, ist so wenig Wagnis, wie es Erfolgsgarant sein kann. Auch nicht für so erfolgreiche Musiker wie diese Vier. Mit der Sicherheit stetiger Routine, jedoch ganz ohne der Gefahr einer zu großen Gelassenheit zu erliegen, fließt Bachs Suite quasi natürlich aus ihnen heraus. Vor einigen Jahren noch hatten die Virtuosen das Stück bei einer Aufführung in New York vom Notenblatt geholt. Heute lesen die Musiker ihren Part nicht aus dicken Partituren, sondern aus den Blicken und Bewegungen der Pultnachbarn.

Sicher ist es von Vorteil, dass sie die Bearbeitung der musikalischen Themen für ihr vierstimmiges Ensemble selbst leisten. So werden die Arrangements der erfolgreichen Titelmelodien von "Der Pate" und "Man with a Harmonica", des rituellen Prologes zum wöchentlichen "Tatort" oder auch die weniger bekannte, doch kaum weniger bewegende Sequenz aus dem 2002 von Pedro Almodóvar inszenierten Drama "Hable con Ella" zu einer Demonstration der Kraft von Musik. Mit den bildhaften Andeutungen auf der gebrochenen Leinwand und der unaufgeregt heiteren Dramaturgie bilden sie ein künstlerisches Ganzes. Mit diesem Quartett möchte und kann man für einen Moment James Bond, Ethan Hunt oder Captain Jack Sparrow sein. Die perfekte Beherrschung aller Facetten ihres Instrumentes macht den Männern, die in ihren schlichten schwarzen Outfits an Zauberer erinnern, die magische Entrückung ihres Publikums möglich. Zu beschreiben ist diese Magie nicht.

Zu danken ist der langjährigen Programmchefin der Musikfesttage Hoyerswerda. Ohne Carmen Hoffmann wären "Quattrocelli" nicht in Hoyerswerda zu Gast gewesen. Sie kann das sympathische Quartett eines Tages zurückholen. Das Publikum hat sein Einverständnis mit stehenden Ovationen beteuert.