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| 19:23 Uhr

Schwarzkollm
Krabats große Liebe kommt in die Mühle

Andreas Hegewald hat in seiner Schwarzkollmer Töpferei eine ganz besondere Keramikfigur modelliert: die Kantorka. Sie war die Liebe des Krabat und soll ihr künftiges Zuhause in der Krabatmühle finden.
Andreas Hegewald hat in seiner Schwarzkollmer Töpferei eine ganz besondere Keramikfigur modelliert: die Kantorka. Sie war die Liebe des Krabat und soll ihr künftiges Zuhause in der Krabatmühle finden. FOTO: Anja Hummel / LR
Schwarzkollm. In der Schwarzkollmer Töpferei Hegewald ist eine „sagenhafte“ Keramikfigur entstanden: die Kantorka. Sie wird in die Krabatmühle einziehen. Von Anja Hummel

Von Anja Hummel

Sie hat ein spitzes Näschen, einen verträumten Blick und ein kleines zartes Mündlein. In der rechten Hand hält sie ein Liederbuch, der linke Arm ist auf ihre Hüfte gestützt. Die kleine Dame in der sorbischen Tracht macht den Anschein, als würde sie sogleich mit all ihrem Herzblut ein Lied anstimmen wollen. Denn sie ist die „Kantorka“ – eine Vorsängerin für die Gesänge der Mädchen aus dem Dorf. Mit ihrer wunderschönen reinen Stimme hat sie einst den Krabat verzaubert. So beschreibt es die sorbische Sage.

Für Ulrike und Andreas Hegewald ist die Kantorka deshalb die „wahre Heldin“ der Geschichte. Nun hat das Ehepaar die Kantorka verewigt – und zwar in Ton. Während Andreas Hegewald die etwa 60 Zentimeter große Figur modellierte, veredelte Ehefrau Ulrike die Kantorka mit Farbe. „Wir wurden von der Krabatmühle gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, eine Figur zu gestalten“, verrät Andreas Hegewald, der sich  insbesondere mit den originellen Krabat-Raben einen Namen gemacht hat. Eine frauliche Figur wie die Kantorka habe er bisher noch nie modelliert. „Das war schon eine große Herausforderung“, gesteht der Künstler. Bereits 1988 haben er und seine Frau ihre Schwarzkollmer Töpferei eröffnet.

„Mit dem Kopf der Kantorka habe ich angefangen“, sagt der gebürtige Hoyerswerdaer. Danach wurden schließlich die Körperproportionen ausgerichtet. Der Töpfer wollte nicht nur, dass Augen und Mund an der richtigen Stelle sind. Auch die sorbische Passionstracht sollte so detailgetreu wie möglich sein. Eine Trachtenexpertin aus Schwarzkollm half ihm dabei. „Die Figur authentisch darzustellen, war mir ein Herzensbedürfnis“, erzählt der Familienvater. Für ihn und seine Frau steckt hinter der Kantorka viel mehr als nur eine Vorsängerin. „Alle sprechen immer vom Krabat, dem Müller und der Schwarzen Magie“, sagt Andreas Hegewald. „Aber mit der Kantorka möchten wir zeigen, dass die Sage vom Gegenteil bestimmt wird.“ Erst vor Kurzem hat er sich erneut den Film angeschaut. Für ihn ist klar: „Die Liebe siegt immer. Das ist die wunderbare Botschaft der Geschichte.“ Schließlich habe Krabat nur dank der Kantorka den Mut und Willen erlangt, gegen den Müller anzukämpfen.

Nun soll die „sagenhafte“ Kantorka aus dem Hause Hegewald auch an den Ort des Geschehens. „Wir werden sie als Leihgabe an die Krabatmühle überreichen“, verkündet Andreas Hegewald. Bewundert werden kann die Frau aus Ton künftig im dortigen Jurij-Brezan-Haus. „Damit“, sagt Ulrike Hegewald, „findet etwas Kreatives, aber gleichermaßen Traditionelles den Weg in die Krabatmühle.“ Ehemann Andreas fügt verschmitzt hinzu:  „Jetzt fehlt natürlich noch der Krabat.“ Der Töpfer ist auf den Geschmack gekommen. Zwar wird er seinen Krabat-Raben selbstverständlich weiterhin die Treue halten. Doch mit der ersten Hegewald’schen Tonfigur dieser Art ist er durchaus auch zufrieden. Längst ist die Kantorka für das Töpferpaar nicht nur moderne Keramikkunst. „Für uns hat sie auch eine Seele“, so Hegewald. Und wo wäre die wohl besser aufgehoben, als an jenem Ort, an dem einst ihre Liebe siegte.