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| 16:52 Uhr

Krabat-Festpiele in Schwarzkollm
Krabat: Wenn Macht zum Schicksal wird

 Zauberhaftes Ambiente! Als der junge Krabat auf die Spreewälderinnen trifft, ist der Mühlenhof in magentafarbenes Licht getaucht.
Zauberhaftes Ambiente! Als der junge Krabat auf die Spreewälderinnen trifft, ist der Mühlenhof in magentafarbenes Licht getaucht. FOTO: LR / Rita Seyfert
Wie verhext! Karten nach zehn Minuten ausverkauft. Die Krabat-Festspiele 2019 gehen in Runde acht. Erstmals kommen 12 000 Zuschauer. Von Rita Seyfert

Tauben, Gänse, Zwergponys, sechs Profischauspieler und knapp 70 Nebendarsteller spielen mit. Sie alle feierten am 4. Juli die restlos ausverkaufte Premiere von „Krabat – die Elemente der Macht“ - und damit den zweiten Teil vom neuen Geschichten-Zyklus bis 2023. Einige Passagen gab es sogar auf Sorbisch.

Der Dresdner Autor und Regisseur Michael Kuhn (41) holte auch 20 Kinder unter 14 Jahre auf die Freilichtbühne. Sie singen und tanzen nicht nur, sondern halfen den Profis auch während der sechswöchigen Proben beim Einstudieren der sorbischen Texte.

 Hinter der neuen Inszenierung "Krabat und die Elemente der Macht" steckt der Autor und Regisseur Michael Kuhn (40).
Hinter der neuen Inszenierung "Krabat und die Elemente der Macht" steckt der Autor und Regisseur Michael Kuhn (40). FOTO: LR / Rita Seyfert

Berufsschauspielerin Suzanne Kockat (43, „GZSZ“): „Ich habe nur so sorbische Schlagwörter wie ‚K strowosci’ - also auf deutsch ‚Prost’“, erzählt sie. Das sei nicht so kompliziert wie beispielsweise die längeren, sorbischen Zaubersprüche.

Als Bozina Winzer verkörpert Suzanne Kockat nicht nur die rothaarige Prachtwirtin der Lausitzer Dorfschenke „Zum Schwarzen Raben“. Ihre Rolle ist zugleich eine Hommage an die ehemalige Schwarzkollmer Ortsvorsteherin Gertrud Winzer. Mit viel Durchsetzungsvermögen und visionärem Mut stellte sie in ihrer Amtszeit die Weichen für den Aufbau der Krabat-Mühle und half beim Etablieren der Festspiele.

 Schauspielerin Suzanne Kockat (43, GZSZ), schminkt sich hinter den Kulissen für ihre Rolle der Prachtwirtin Bozina Winzer.
Schauspielerin Suzanne Kockat (43, GZSZ), schminkt sich hinter den Kulissen für ihre Rolle der Prachtwirtin Bozina Winzer. FOTO: LR / Rita Seyfert

Erfolgreich, wie die spektakuläre achte Auflage eindrucksvoll zeigt. Auf dem Mühlenhof in Schwarzkollm wird wahr, wonach sich Krabat wohl immer sehnte. Ob „Abermauken-Gesichter“ oder „Plinsen-Visagen“, Schwarzkollmer oder Weißkollmer, Schattenwölfe oder Lichtgestalten, Profis oder Laien, am Ende schafft die Gemeinschaft etwas zusammen – und zwar Hand in Hand.

Vor allem dieses Miteinander ist es, das sich auch aufs Publikum überträgt und die Arbeit für Regisseur Michael Kuhn und den künstlerischen Leiter Alexander Siebecke so interessant macht. „Wir sind wie eine Familie“, sagen sie. Damit alles glatt läuft, helfen hinter der malerischen Kulisse der Schwarzen Mühle 200 Einheimische mit - beispielsweise beim Umkleiden.

Schauspiel-Profi Suzanne Kockat ist eine derjenigen, die laut Regie-Anleitung eine Doppelrolle spielt. Neben der Wirtin verkörpert sie Hobica, die Taubenfrau, die sich später als Luft-Element und Krabats Mutter entpuppt. Im weißen, märchenhaft-fließenden Gewand mit ewig langer Schleppe wirkt sie nicht nur so, als wäre sie die Himmelsleiter herab geschwebt. Auch ihr Kostüm dürfte beim An- und Ausziehen überirdisch sein, noch dazu, wenn es schnell gehen muss.

 Nochmal alle Haarteile richten: Schauspieler Joachim Kaps (66) á la Johann von Schadowitz setzt sich in der Maske seine Perücke mit den langen, weißen Haaren auf.
Nochmal alle Haarteile richten: Schauspieler Joachim Kaps (66) á la Johann von Schadowitz setzt sich in der Maske seine Perücke mit den langen, weißen Haaren auf. FOTO: LR / Rita Seyfert

„Einige Darsteller haben zum Umziehen nur drei Minuten Zeit“, erzählt Alexander Siebecke. Teils müssen vier Leute beim Umziehen helfen, so der künstlerische Leiter. Erstaunlicherweise sind die sorbischen Trachten mit ihren mehrschichtigen Röcken und Schürzen weniger das Problem, sondern eher die Hauben. „Kein Haar darf heraus schauen“, erklärt er. Außerdem haben die Kappen einen zweiten, kleinen Nachteil. „Sie bedecken die Ohren.“ Das sei „komisch“ für die Schauspieler, die sich dadurch beim Reden kaum selber sprechen hören.

Knifflig wird es, wenn Darsteller beim Szenenwechsel neben dem Kostüm auch den Ort ändern müssen, also beispielsweise als Schattenwolf an der Mühle aus dem Bild gehen und kurz darauf als Gänsemagd an der Scheune wieder auf die Bühne treten. Eine Herausforderung, denn der Weg hinter den Kulissen führt mitunter einmal ums ganze Areal. Manche Darsteller brachten deswegen extra ihr Fahrrad mit ans Set.

Doch von all dem Gewimmel dürfte das Publikum kaum etwas mitbekommen. Gebannt folgen die 750 Besucher der sonoren Stimme von Joachim Kaps (66, „Brummkreisel“) in der Rolle des alten Krabat, Oberst Johann von Schadowitz. Im Dialog mit August dem Starken (Steffen Urban) beamt er die Zuschauer in die Vergangenheit und erzählt die Geschichte seines jungen Egos, gespielt von Anton Fuchs.

 Die Herren der Technik: Hinter den Kulissen der Krabat-Festspiele steuern Andy (v.l.), Adrian und Benno die knapp 20 Mikrofone und 70 Scheinwerfer.
Die Herren der Technik: Hinter den Kulissen der Krabat-Festspiele steuern Andy (v.l.), Adrian und Benno die knapp 20 Mikrofone und 70 Scheinwerfer. FOTO: LR / Rita Seyfert

Und während sich der junge Krabat auf den Weg zu den vier Elementen begibt und am Ende die Liebe und der Geist über den Körper siegen, verfolgen die drei Herren der Technik akribisch das Regie-Buch. Um beispielsweise Tonsequenzen krächzender Raben einzuspielen oder Videos sorbischer Zaubersymbole auf die Mühle zu projizieren, drückt Techniker Adrian während der Vorstellung etwa 300 mal auf „Play“. Andy koordiniert die 70 Scheinwerfer, und Benno kümmert sich um knapp 20 Mikrofone.

Nur die Pyrotechniker konnten relaxen. Wegen der höchsten Waldbrandstufe fiel das Feuerwerk aus. Für Spezialeffekte war dennoch gesorgt. Mit der Dämmerung zogen Nebelschwaden aus dem Moor auf und sorgten zusätzlich für Gänsehaut-Effekte.

Tipp, unbedingt den 13. Januar 2020 vormerken. Dann beginnt der Ticket-Verkauf für die neunte Saison. Und diesmal schnell sein, damit die Karten nicht wieder auf mysteriöse Weise wie von Zauberhand plötzlich ausverkauft sind.