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Krabat als Mythos und Marke

Freuen sich über die neue Ausstellung über Krabat: Tobias Zschieschick vom Krabat-Mühlen e.V. Schwarzkollm, Dr. Susanne Hose vom Sorbischen Institut, Hans-Jürgen Schröter als Schadowitz-Biograf und Christina Bogusz, Direktorin des Sorbischen Museums Bautzen (v.l.n.r.).
Freuen sich über die neue Ausstellung über Krabat: Tobias Zschieschick vom Krabat-Mühlen e.V. Schwarzkollm, Dr. Susanne Hose vom Sorbischen Institut, Hans-Jürgen Schröter als Schadowitz-Biograf und Christina Bogusz, Direktorin des Sorbischen Museums Bautzen (v.l.n.r.). FOTO: R. Hoffmann/rhf1
Bautzen/Hoyerswerda. Über die Lausitzer Sagengestalt wird morgen eine Ausstellung im Sorbischen Museum Bautzen eröffnet. Sie entstand auch mit viel Unterstützung von Wittichenauern und Schwarzkollmern. Reinhard Hoffmann

) Kaum eine sorbische Sagengestalt hat jemals so viel von sich reden gemacht wie Krabat, der sorbische Zauberer. Er wird in unzähligen Legenden und Überlieferungen, Büchern, Filmen und Tanzstücken dargestellt. Nun behandelt eine große Ausstellung im Sorbischen Museum Bautzen den Krabat auf drei Ebenen - als Mensch, als Mythos und als Marke in den Lausitzer Tourismusregionen.

Für die menschliche, also die historische Seite des einst real existierenden "Krabat" Johann von Schadowitz alias Janko Sajatovic (1627-1704) hat der Wittichenauer Genealoge Hans-Jürgen Schröter sein ganzes Wissen beigesteuert. Seit zehn Jahren forscht und recherchiert er dazu in Archiven in Slowenien und in Dresden. Ihm gelang es, Krabat zu entmystifizieren. Schröter fand in Zumberak (Sichelberg) in der Grenzregion zwischen Kroatien und Slowenien Belege und Spuren von Janko Sajatovic. Dieser diente einst als Gardeoffizier in der Leibgarde von vier sächsischen Kurfürsten. Er war damals eine schillernde Figur, von Türken und Franzosen gefürchtet und von den Damen des sächsichen Hofes bewundert. Und er wurde vor 300 Jahren zugleich Hoffnungsträger für einfache sorbische Bauern der Gutsherrschaft Groß Särchen, die ihm von August dem Starken als Dank übertragen worden war. Als gereiften Herrn mit weißem Haar und weißem Bart stellen wir uns ihn in dieser Zeit vor.

Die Museologen haben zu allen Lebenssituationen Bild- und Textmaterial zusammengetragen, darunter viele seltene Originale namhafter Museen Europas. Gezeigt wird unter anderem auch ein Bittbrief des Gutsherren an seinen sächsischen Kurfürsten, in dem Johann von Schadowitz die Zustände in der Region beklagt und um Änderungen vorstellig wird.

Prägend für die Ausstellung ist zudem ein lebensgroßes Reiterstandbild des jungen Sajatovic. Es entstand nach dem Vorbild eines Porträts vom jungen Gardisten, das der Schleifer Maler Jörg Tausch geschaffen hat. Darüber hinaus werden Schätze aus der Dresdner Rüstkammer, historische Schriftdokumente, Trachten kroatischer und sorbischer Menschen des 17. und des 21. Jahrhunderts präsentiert. Darunter ist selbst das als "Zauberbuch" bekannte 7. Buch Mose.

Die Ausstellung versucht Krabat als realen Menschen darzustellen und zu betrachten. Einen Krabat, der sich hinter dem Mythos verbirgt und der zu zahlreichen Legenden führte.

Sein Erbe lebt fort. Zum Beispiel in Schwarzkollm. Dort wurde 2001 unter dem Namen "Auf den Spuren des Krabat" der Verein zur regionalen Entwicklung der zweisprachigen Lausitz gegründet. Ein Jahr später fand in Nebelschütz das erste Krabat-Fest der Region statt. Heute reichen diese Impulse bis nach Slowenien und Kroatien. Seit vier Jahren entwickeln sich zwischen der Oberlausitz und der Region Zumberak Kontakte. Inzwischen wird dort aller zwei Jahre ebenfalls ein Krabat-Fest ausgerichtet.

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntagnachmittag werden ebenfalls Gäste aus Slowenien erwartet. Unter ihnen natürlich auch Monika Bracika aus Metlika, eine Nachfahrin von Janko Sajatovic.

Ebenfalls schon 2002 wurde die Idee von Krabat als Marke geboren. Auch davon erzählt die Bautzener Ausstellung. Neben Lausitzer Produkten von Krabats Milchwelt und Bier aus Wittichenau wird in Kroatien jetzt auch Wein mit seinem Namen gekeltert. Krabat entwickelt sich in seiner alten Heimat zu einer Identifikationsfigur, wie sie es in der Lausitz schon ist. Deshalb widmet sich die Ausstellung im Sorbischen Museum mit vielen Exponaten auch den ersten Schritten einer gemeinsamen Vermarktung beider Krabat-Regionen.

Zum Thema:
17. September bis 15.April 2018 im Sorbischen Museum Bautzen auf der Ortenburg.Eröffnung am Sonntag um 15 Uhr. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.