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Kosmetik für Graf Brühl

Frank Henschel (l.) vom Kirchbauverein begutachtet die Brühlsche Gruft. Foto: Jan Selmons
Frank Henschel (l.) vom Kirchbauverein begutachtet die Brühlsche Gruft. Foto: Jan Selmons FOTO: Jan Selmons
Forst. Brühlsche Terrassen? Kennt jeder. Die Brühlsche Gruft? Die ist in Forst (Spree-Neiße) – das weiß nur außerhalb der Rosenstadt so gut wie keiner. Doch das soll sich ändern. Der Kirchbauverein will im kommenden Jahr Geld in die Brühlgruft stecken und für die Aufwertung der Gruft sammeln. Auch die Stadtverwaltung prüft Möglichkeiten, neue Fördertöpfe aufzumachen, um künftig mit Brühl touristisch zu punkten. Von Jan Selmons

Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) schaut etwas grimmig, wenn er von seinen Erfahrungen bei der Werbung für die Deutsche Rosenschau im Westen Deutschlands berichtet. “Da gibt es noch recht seltsame Vorstellungen von der Lausitz und von Forst„, sagt er - wenn dort überhaupt schon jemand von der Stadt an der Neiße gehört habe. Brühl kennt allerdings jeder.

Da im Jahr 2013 Brühls 250. Todestag gemeinsam mit dem 100. Geburtstag des Ostdeutschen Rosengartens gefeiert wird, kann Forst von der historischen Bedeutung des sächsischen Staatsmannes profitieren. Der Schwerpunkt Brühl ist auch in der gerade gegründeten Steuerungsgruppe des Europäischen Parkverbundes Lausitz für 2013 neben dem Rosengartengeburtstag festgeschrieben. Allerdings ist die Brühlgruft für Geschichtsinterressierte derzeit wenig ansehnlich, wenn sie überhaupt unversehrt über die wackelige Treppe in die enge Gruft gelangen. Das soll sich ändern. Frank Henschel vom Kirchbauverein: “Noch in diesem Jahr wird eine Treppe gebaut.„ Zudem will der Verein 2011 eine Spendenaktion für die Herrichtung der Gruft starten. Fest steht: Mit dem Treppenbau soll auch die Größe des Zugangs erweitert werden. “Dazu legen wir als Verein noch etwas auf die gerade bewilligten etwa 700 Euro Fördergeld von der Stadt drauf„, sagt Henschel. Ziel sei die Aufarbeitung der Brühl-Gruft und des Sarges. Das wäre angemessen. Denn Heinrich von Brühl gilt als eine schillernde Figur in der Geschichte. Der Forster Stadtarchivar und Historiker Jan Klußmann beschreibt ihn als “einen der bedeutendsten Kursächsischen Staatsmänner seiner Zeit„. Auch im gesamten Raum des damaligen Deutschlands sei der im Jahr 1700 in Thüringen geborene Mann eine “sehr markante Figur„ gewesen. Zudem galt er laut Klußmann als eine Art “ziviler Gegenpart von Friedrich II. (dem Großen) in Preußen„. Deshalb dürfte auch Sachsen an der Herrichtung der Ruhestätte auf Brandenburger Gebiet interressiert sein. So hofft die Stadt über den Parkverbund - dem schließlich Sachsen angehört - auch auf Finanzhilfe aus Dresden.

Zum Thema:

Im Jahr 1763 stand Kursachsen laut Stadtarchivar Jan Klußmann vor dem finanziellen Ruin: “Man warf Brühl vor, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Wenige Tage vor seinem Tod war Brühl aller Ämter enthoben worden. Vielleicht ist dies und die Tatsache, dass seine Außenpolitik für Sachsen im Siebenjährigen Krieg Folgen gehabt hatte, ein Grund dafür, dass Brühl in der Gruft ,seiner' Stadt Forst liegt.„ 1746 hatte Brühl nach der Herrschaft Pförten auch Forst erworben.