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Kollege Polizeihund ermittelt in der Schule

Sie sind eingespielte Teams und Partner im Polizeidienst: Hundeführer und ihre vierbeinigen Kollegen aus der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Görlitz.
Sie sind eingespielte Teams und Partner im Polizeidienst: Hundeführer und ihre vierbeinigen Kollegen aus der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Görlitz. FOTO: würz
Hoyerswerda/Laubusch. Die Diensthunde-Staffel der Polizeidirektion nutzt für das Training auch öffentliche Einrichtungen. So wie in Laubusch. Catrin Würz

Lord ist angespannt. Aufgeregt schnüffelt er mit seiner Nase über die Grünflächen vor dem Schulhaus, umrundet immer wieder die Koniferen, die Pflanzgefäße und Biotonnen. Denn Lord hat einen Auftrag: Der fünf Jahre alte Riesenschnauzer soll gefährlichen Sprengstoff in der Grundschule Laubusch lokalisieren. Ein Szenario, wie es leider heute nicht undenkbar ist: Bombendrohung in der Schule! Lord findet schließlich, was sein Frauchen, Polizeihauptkommissarin Lassak, von ihm will - und legt sich vor dem Lüftungsschacht ab. Es ist das antrainierte Zeichen, wenn sich dahinter Munition, Waffen oder Sprengstoff befinden. Denn Riesenschnauzer Lord ist Sprengstoffspürhund in der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Görlitz. Und heute ist Training, denn nur die regelmäßige Praxisübung hält Lord auf seinem hohen Leistungsstand.

Insgesamt 15 Hundeführer mit jeweils einem vierbeinigen Kollegen gehören der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Görlitz an. Sechs dieser Hund-Mensch-Teams sind am Standort Hoyerswerda stationiert. Wie überall bei der sächsischen Polizei sind die Beamten auf vier Pfoten dual ausgebildet und dual einsetzbar. "Das heißt, sie werden zuerst als Schutzhunde für den Polizeidienst ausgebildet - und anschließend in einem Spezialgebiet als Fährtenhund, Drogenspürhund oder eben als Sprengstoffexperte", sagt Polizeihauptkommissarin Lassak, während sie Lord für die erstklassige Sucharbeit mit seinem Spielzeug belohnt.

Dass die Hundestaffel während der Winterferien in Absprache mit der Schulleitung in der Grundschule Laubusch trainieren darf, darüber freut sich die Leiterin der Diensthundestaffel. "Wir haben einige Partner, die uns für ein paar Stunden ihre Räume zur Verfügung stellen", sagt sie. In Feuerwehrgerätehäusern, in Kfz-Werkstätten, in Entsorgungsbetrieben und beim Grünflächenamt in Hoyerswerda haben die Polizeihunde schon ihre Nasen trainiert. "Wir müssen den Hunden viel anbieten, sie müssen viel kennen - damit sie das beim Einsatz auch schon kennen", so Lassak.

Jetzt ist Astor, ein neun Jahre alter Belgischer Schäferhund, an der Reihe. Der vierbeinige Ermittler ist Rauschgiftexperte und Partner von Polizeihauptmeister Beck. Im zweiten Obergeschoss schnüffelt sich der Polizeihund durch zwei Klassenräume und den mit Kinderpantoffeln bestückten Flur. Jetzt heißt es, sich nicht von den vielen anderen Gerüchen ablenken zu lassen, sondern konzentriert den Auftrag zu erfüllen. Fläschchen mit Proben von Haschisch, Amphetaminen und Ecstasy sind unter Bänken, in Schränken und sogar in Kinderschuhen versteckt. Kein Problem für Astor, dem vor zwei Jahren mit seinem Hundeführer ein ganz großer Coup gelang: Auf einem Autobahn-Rastplatz bei Bautzen enttarnte der Belgische Schäferhund das Versteck von 100 Kilogramm Marihuana in einem niederländischen Lkw. Ein großartiger Erfolg.

Wie alle Diensthunde leben Astor, Lord und die anderen bei ihren Herrchen und Frauchen zu Hause. Sie sind dort Teil der Familie. Das lässt enge Bindungen zwischen Tier und Mensch entstehen. Im Dienst müssen solche Dinge aber außen vor gelassen werden. Denn im Einsatz müssen die Hunde im Zweifel auch mal Dinge tun, die ein privater Hundehalter nicht wollen würde - zum Beispiel, dass sein geliebtes Tier einen Täter mit Waffe verfolgt oder bei einer Sprengstoffsuche verletzt werden könnte.

Als eine "unschätzbare Hilfe für viele polizeiliche Lagen" bezeichnet Polizeihauptkommissarin Kathrin Gutte-Kaltschmidt, Leiterin des Streifendienstes im Polizeirevier Hoyerswerda, die Diensthunde. "Ob bei der Suche nach vermissten Personen oder wenn bei kritischen Einsatzlagen mit Konfliktpotenzial sprichwörtlich die Luft knistert - ein vierbeiniger Kollege und sein Leinenführer sind oftmals der entscheidende Faktor, um zur Klärung einer Situation beizutragen", sagt sie.

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Zum Thema:
Die Diensthundestaffel der Polizeidirektion Görlitz kommt nahezu täglich in den Landkreisen Bautzen und Görlitz zum Einsatz. Im Jahr 2016 waren die Teams bei insgesamt 250 Einsätzen involviert. 20 davon betrafen direkt den Revierbereich Hoyerswerda. Spektrum der Einsätze: Suche nach Vermissten, Absicherung bei Demonstrationen und Auseinandersetzungen, Aufspüren von Rauschgift und Sprengstoff.