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Bergbausanierung
Grubenbahn-Brücke ist Geschichte

Die alte Kohlebahnbrücke bei Schwarzkollm fällt. Mit dem Abriss verschwindet eines der letzten Relikte der legendären Lausitzer Grubenschmalspurbahn von der Bildfläche.
Die alte Kohlebahnbrücke bei Schwarzkollm fällt. Mit dem Abriss verschwindet eines der letzten Relikte der legendären Lausitzer Grubenschmalspurbahn von der Bildfläche. FOTO: Steffen Rasche / Rasche Steffen
Schwarzkollm. Letztes Relikt des Lausitzer Schmalspurnetzes des Bergbaus verschwindet bei Schwarzkollm. Von Kathleen Weser

Die Kohlebahnbrücke bei Schwarzkollm und damit das letzte Bauwerk des Lausitzer Schmalspurnetzes zwischen den Kohlegruben und Veredlungsanlagen ist Geschichte. Mit schwerer Technik und der Seilsäge wird den Betonträgern und -platten der Garaus gemacht. Und Volker Prebitzer aus Hoyerswerda hält die letzten Stunden fest. „Ich bin viele Jahre für die Sicherungstechnik der Schmalspur-Stellwerke zuständig gewesen“, erklärt der Mann, der beruflich nach wie vor logistisch weiter in der Spur ist. Im zentralen Stellwerk Schwarze Pumpe. Seine Kamera ist am Wochenende auf die Experten gerichtet, die das alte Brückentragwerk über dem Gleisweg der Deutschen Bahn nach Hoyerswerda akkurat zerlegen.

Mit gnadenloser Präzision arbeitet sich die Seilsäge fast unscheinbar durch den mächtigen Beton. Damit das Arbeitsgerät nicht heiß läuft, wird die Schnittstelle mit Wasser gekühlt. Das plätschert sanft auf den stillgelegten großen Schienenweg. Gelegentlich justiert ein Arbeiter die Säge nach. Gut anderthalb Stunden lang frisst sich das rotierende Seil durch den harten Beton des dritten Querträgers. Der hängt sicher am Haken eines 500-Tonnen-Kranes. Denn die Gleise der Deutschen Bahn sind für ein enges Zeitfenster außer Betrieb genommen worden und dürfen durch den Abriss der Grubenbahn-Brücke, die den großen Gleisweg überspannt, keineswegs leiden. Etwa 60 Tonnen Gewicht hält der Kran. Zwei Meter hoch und einen Meter breit ist der von der Bodenplatte der Brücke schon getrennte Träger. In zwölf Meter lange Teile wird das Tragwerk in luftiger Höhe zerlegt und sicher auf den Boden bugsiert. Hier wird der Beton zertrümmert und entsorgt.

Jürgen Nagel, der Projektleiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) zeigt sich zufrieden.Die Arbeiten laufen nach Plan. Das ist wichtig. Etwa ein Jahr lang ist dieser Abriss über den Gleisen der Deutschen Bahn  vorbereitet worden. In einem aufwendigen Genehmigungsverfahren. Die Brücken-Hälfte über dem Schienenweg muss am Wochenende komplett zurückgebaut sein. Die andere wird danach mit dem Bohrhammer abgebrochen.

Der Grubenbahn-Zweig, dessen letzte Zeitzeugnisse der Industriegeschichte jetzt aus der Landschaft verschwinden, war zwischen den Kohlegruben Werminghoff, der Grube Clara III und der Brikettfabrik Zeißholz errichtet und dann bis Laubusch erweitert worden. Sechzig Jahre lang war die Strecke in Betrieb.

Zwei Beladepunkte für Kohle am Tagebau Meuro, dem heutigen Großräschener See, und dem Kohleumschlagplatz bei Hörlitz sind noch bis in die 90er-Jahre betrieben worden. Doch das Ende der Lausitzer Grubenbahn ist mit dem Abfahren der letzten Brikettfabriken und Kraftwerke im Senftenberger Revier längst besiegelt gewesen. Auf der schmalspurigen Kohlebahn war am 26. Dezember 1999 der letzte Kohlezug unterwegs. Die Idee, Teilstrecken der Kohlebahn touristisch im Seenland nachzunutzen, ist an den hohen Kosten und strengen Auflagen für den Betrieb gescheitert.