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| 01:03 Uhr

Knatsch um Spielplatz

Hoyerswerda.. „Hunde haben in unserem Wohngebiet leider mehr Rechte als unsere Kinder“ , sagen Ursula Scholz und Detlef Behrndt verärgert. Das Paar steht fassungslos vor dem Grünstreifen in der Hufelandstraße, auf dem bis Montag noch der Spielplatz stand. „Wir glaubten, unseren Augen nicht zu trauen, als der Sandkasten und die Geräte, die noch gut in Schuss waren, in einer Hau-Ruck-Aktion abgerissen wurden,“ erzählen sie. Von Kathleen Weser

Den geballten Unmut von betagteren Mitbürgern im Wohnviertel Hufelandstraße hätten die Jüngsten beim Toben auf dem Spielplatz regelmäßig zu hören bekommen. Das bestätigt auch Familie Schurig. Sogar „Backpfeifen“ seien den Mädchen und Jungen schon angedroht worden, weil sich einige Bewohner durch den Kinderlärm belästigt fühlten. „Zuerst hat eine Mieterin einfach die Schaukel vom Klettergerüst entfernt. Als wir privat eine neue für unsere Kinder kauften, gab's schon Theater“ , berichtet eine weitere erzürnte Mutter. Die Sprösslinge der Genossenschaftsmieter sollten auf dem nahe gelegenen Fußballplatz spielen, hatten ältere Mitbewohner verlangt. „Da kann aber kein Kind spielen. Dort liegen die Haufen der Hunde von den wenigen Meckerern. Über die Sauerei regen sie sich nicht auf. Nur über die Kinder, die sich hier fernab von der Straße im Freien tummeln konnten, ohne dass wir Eltern sie pausenlos im Auge haben mussten“ , erzählt Ursula Scholz.
Dass Konflikte der Generationen in den Vierteln mit Mehrgeschoss-Wohnbauten in der Neustadt von Hoyerswerda auch zum gemeinschaftlichen Zusammenleben gehören, ist den Eltern durchaus klar. Versuche, den Streit zu entschärfen, habe es genug gegeben, behauptet Ursula Scholz. „Auch die Rentner, die jetzt nur noch ihre Ruhe haben wollen, waren doch mal Kind. Doch hier in der Hufelandstraße haben die meisten das wohl leider vergessen“ , sagt die Mutter von zugegeben sehr lebhaftem Nachwuchs.

Mieter wollen gefragt werden
Die Lebensräume Hoyerswerda e.G. (Wohnungsgenossenschaft) hat dem Drängen der Beschwerdeführer nun offensichtlich nachgegeben, vermuten die verärgerten Eltern. „Wir sind auch Genossenschaftsmitglieder. Und da erwarten wir einfach, dass wir vor solch einem gravierenden Eingriff in unser Wohnumfeld gefragt und informiert werden“ , erklärt Ursula Scholz.
Den Sandkasten und das Klettergerüst haben die Bauleute verschwinden lassen. Ein Wäscheplatz soll entstehen. „Davon gibt es hier aber wirklich genug. Und leider ist zu beobachten, dass die Mitbewohner, denen der Spielplatz offensichtlich ein Dorn im Auge war, den Trockenplatz gar nicht nutzen, weil sie ihre Wäsche auf dem Balkon aufhängen,“ wird ergänzt.

Kleinkinder-Platz wird erneuert
Auf dem Gelände wird ein Trockenplatz für die Bewohner des Hauses Hufelandstraße 14 bis 22 errichtet, bestätigt die Sprecherin der Lebensräume-Genossenschaft, Gudrun Ladusch. Denn der bisher von den Mietern genutzte Platz stand auf einem Grundstück der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda und wurde deshalb zurückgebaut. „Der bisherige Spielplatz hätte neu in Stand gesetzt werden müssen. Das Geld wird nun dafür eingesetzt, den Platz für Kleinkinder vor den Eingängen der Hufelandstraße 13 und 15 zu erneuern“ , sagt sie. Schon in der kommenden Woche sollen der alte Sandkasten ersetzt, zwei Bänke und ein Federwippgerät aufgestellt werden.
Damit würde der Vermieter die Wünsche der Bewohner beider Blöcke erfüllen, meint Gudrun Ladusch. Für die älteren Kinder gäbe es im Wohnkomplex V genügend Möglichkeiten zum Spielen und Toben.