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Knappenrode soll auch nach der Kohle eine Zukunft haben

Knappenrode.. Was sind schon 90 Jahre im Leben eines Ortes? Nicht viel, so scheint es, wenn man sich die Fülle der 600-, 750- oder gar 1000-jährigen Jubiläen in der näheren und weiteren Umgebung vor Augen hält. Doch auch in 90 Jahren kann Geschichte geschrieben werden, außergewöhnliche und höchst spannende Geschichte, so wie es am Beispiel Knappenrode deutlich wird. Von Uwe Menschner

„Noch vor 100 Jahren befand sich an dieser Stelle nichts als Heidewald“ , stellte der Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig in seiner Festrede zu den Jubiläumsfeierlichkeiten fest. Das Gesicht der Landschaft sollte sich binnen kürzester Zeit radikal wandeln, nachdem im Jahre 1910 erstmals erfolgreich nach Braunkohle gegraben wurde.
Quasi über Nacht entstanden ausgedehnte Abbaufelder sowie eine riesige Werksanlage, in der das zu Tage geförderte schwarze Gold zu Briketts veredelt wurde. Am 2. Januar 1913 erfolgte die Grundsteinlegung für die „Kolonie Werminghoff“ . Durch die unmittelbare räumliche Nähe zwischen Arbeit und Privatleben entstand eine beispiellose Gemeinschaft, die in einem außerordentlich reichen Vereinsleben ihren Ausdruck fand.
Fünf politische Systemwandel überstand diese Gemeinschaft, bis die Brikettfabrik im Jahre 1993 geschlossen wurde. Dem 1949 von Werminghoff in Knappenrode umbenannten Ort wurde die Grundlage entzogen, auf der sich seine Entstehung und Entwicklung über acht Jahrzehnte vollzogen hatte. So ist Knappenrode dann auch wesentlich stärker als die meisten Orte von den Erscheinungen der fortschreitenden „Deindustrialisierung“ in der Lausitz betroffen. Ausgeprägter als in den ursprünglichen Heidedörfern ist der Leerstand in den Häusern, viele Knappenroder kehrten ihrem Dorf in den vergangenen Jahren den Rücken.
Und dennoch bietet der vermeintliche Fluch der Kohle auch eine Chance. Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig sieht die Zukunft von Knappenrode ebenso wie die Vergangenheit im engen Zusammenhang mit dem Bergbau, wenngleich unter anderen Vorzeichen. „Ich denke dabei an die ehemalige Brikettfabrik, die sich bereits zu einem Anziehungspunkt weit über die Grenzen unserer Region hinaus entwickelt hat und die wir als Industriemuseum noch attraktiver gestalten wollen.“ Auch der Knappensee, der von den Knappenrodern liebevoll als „kleine Ostsee“ bezeichnet wird und seine Herkunft ebenfalls dem Bergbau verdankt, spielt dabei eine bedeutende Rolle. Der Tourismus werde zwar nie in der Lage sein, annähernd so viele Arbeitsplätze zu schaffen wie der Bergbau, sagte Brähmig. Doch biete er dem Ort Knappenrode aber eine Chance, auch in der Zeit „nach der Kohle“ fortzubestehen.