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Kleingärtner senden SOS

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Hoyerswerda. Der immer weiter wachsende Leerstand in den Gartensparten in und um Hoyerswerda geht zu Lasten der noch verbliebenen Hobbygärtner. Die fordern nun, dass die Stadt eingreifen soll. Catrin Würz

Die Kleingärtner aus Hoyerswerda und Umgebung senden erneut SOS. Vor dem Stadtrat meldete sich am Dienstag Werner Kirmer vom Verband der Kleingärtner Hoyerswerda und Umland zu Wort. Der Verband vertritt immerhin 55 Sparten mit weit mehr als 3000 Gärten. Kirmer, der selbst seit gut 20 Jahren Vorsitzender der Kleingartensparte "An der Baumschule" nahe der Spremberger Chaussee ist, skizzierte vor dem Stadtrat die alarmierende Situation für insgesamt etwa 4000 Kleingärtner in und um Hoyerswerda.

Durch den Rückgang an Arbeitsplätzen in der Region und infolge der demografischen Entwicklung in Hoyerswerda werden immer mehr Kleingärten von ihren Pächtern verlassen. "Und das zum Teil, ohne die vertraglichen Regelungen einzuhalten", erläutert der 66-Jährige. Wer den Spaten beiseite legen will, müsste eigentlich einen Nachfolger als Pächter finden oder die Parzelle beräumen - so steht es in den Satzungen der Vereine. Beides ist für hochbetagte Gartenfreunde oft nicht möglich. Und so bleibt manches Stück Gartenland zunächst sich selbst überlassen. Die Grauzone bei den verlassenen Gärten dürfte deshalb enorm groß sein, vermutete der Verbandsvorsitzende Reinhard Klekar schon vor ein paar Wochen in einem RUNDSCHAU-Beitrag.

Das Leerstands-Dilemma hat indes eine knallharte finanzielle Seite für die verbliebenen Gartenfreunde. "Immer weniger Pächter müssen für immer mehr Pachtfläche aufkommen", erläutert Werner Kirmer das Problem. Das heißt: Der Pachtzins für die Sparte muss bezahlt werden - von immer weniger werdenden Spartenmitgliedern. "Die Vereinsvorstände, die ja ehrenamtlich die Vereine führen, werden durch diese Situation immer mehr belastet", so Kirmer.

Zwar gibt es inzwischen mit der Stadt Hoyerswerda eine Vereinbarung darüber, dass für leerstehende Gärten auf städtischen Flächen der Pachtzins nicht erhoben wird. Doch das entlastet nicht jene Gartenvereine, die bei privaten Eigentümern oder insbesondere bei der Kirche die Flächen gepachtet haben. Bei gut 60 Prozent aller Gärten ist das der Fall. "Und diese privaten Eigentümer hegen oft noch den Traum von einer Pachtzinserhöhung", erklärt Werner Kirmer.

Damit die Vereine überhaupt etwas Luft bekommen, fordern die Kleingärtner nun, dass zumindest eine Halbierung des Pachtzinses für leerstehende Flächen durchgesetzt wird. Im Verband sei man der Auffassung: "Es wäre eine Aufgabe der Parteien, bei den Verpächtern die notwendige Überzeugungsarbeit dafür zu leisten. Denn wenn die Kleingärtner aufgeben, fallen alle öffentlichen Lasten auf die Verpächter zurück." Der Verband wünscht sich also nun, dass die Stadt Gespräche und Informationen an die Verpächter zur aktuellen Situation weitergibt, die im besten Fall in der Pachtzinssenkung münden.

Kritisch sehen die Hobbygärtner aber auch, dass die Kleingärten im neuen Städtebaulichen Entwicklungskonzept (Seko) vollständig ausgeblendet sind. Hier müsse die Stadt ihre Verantwortung neu überdenken. Oberbürgermeister Stefan Skora räumte am Dienstag gegenüber den Petitions-Verfassern zumindest ein, dass die Kleingärten in der Stadt in der städtebaulichen Leitplanung durchaus eine Rolle spielen. Bereits seit 2008 liegt ein Konzept mit dem Titel "Neue Freiräume" vor. Darin geht es darum, ehemalige Schrebergartenflächen als freies Gartengrünland zu deklarieren für verschiedene Nutzungen. Skora: "Das wollen wir im Blick behalten."

Zum Thema:
Seit der Wende haben die Garten sparten rund 2,5 Millionen Euro Pachtzins an die Stadt Hoyerswerda gezahlt. Ähnliches gilt auch bei den privaten Verpächtern - diese Zahlen nannte Werner Kirmer vom Verband der Kleingärtner Hoyerswerda und Umgebung in seiner Petition.Die Spartenvorstände stehen heute oft vor einem enormen Aufwand, um die "wilde Aufgabe von Gärten" leisten zu können. Deshalb hoffen sie auf Unterstützung von der Stadt mit Technik, um den Rückbau verlassener Lauben zu organisieren.