| 02:40 Uhr

Klassentreffen der Pumpe-Fußballer

Gruppenfoto mit fast allen Anwesenden: Viele alte Pumpe-Fußballer sahen sich zum Treffen in Nardt erstmals seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten wieder.
Gruppenfoto mit fast allen Anwesenden: Viele alte Pumpe-Fußballer sahen sich zum Treffen in Nardt erstmals seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten wieder. FOTO: Werner Müller/wml1
Nardt. Vor 50 Jahren schaffte Aktivist Schwarze Pumpe den Wiederaufstieg in die DDR-Liga. 70 der ehemaligen Kicker des Vereins haben sich nun wiedergesehen. Da wurde natürlich über so manche Anekdote gelacht. Werner Müller / wml1

Es ist eine Atmosphäre wie bei einem Klassentreffen gewesen: Nach Jahren, oft sogar nach Jahrzehnten haben sich mehr als 70 ehemalige Fußballer am Wochenende erstmals wiedergesehen. Sie alle spielten in den 60er-Jahren für Aktivist Schwarze Pumpe, teils nur in den Nachwuchsmannschaften. Einige gehörten aber auch der erfolgreichen Mannschaft an, die vor 50 Jahren den Wiederaufstieg in die DDR-Liga schaffte. "Ein Grund für uns, zum großen Jubiläumstreffen zu laden", erklärte Jürgen Socher vom Traditionsverein, der die Veranstaltung gemeinsam mit Pumpe-Buch-Autor Ronny Klein und Moderator Michael Ritter organisiert hatte.

Und was war das für ein Wiedersehen! Betagte Männer fielen sich lachend in die Arme, andere wieder mussten erstmal fragen, wen sie eigentlich vor sich haben. Rudolf Pohlink (78), der 1967 den Kasten der Aufstiegself sauber hielt, war verblüfft: "Ich habe nicht erwartet, so viele alte Kameraden wiederzusehen." Altstürmer Siegfried Schmidt (75), in der Saison 69/70 bester Pumpe-Torjäger, ergänzt: "Alle habe ich nicht wiedererkannt, aber mich unheimlich über die Einladung gefreut."

Die weiteste Anreise aus Nordhausen hatte Bernd Eisenschmidt (70), Ende der 60er-Jahre getreu seinem Namen ein eisenharter Verteidiger. "Ich will mir unbedingt das Jahnstadion und meine alte Wohngegend im WK 7 anschauen." Sein Kumpel Bernd Tiffert (70, Onkel von Aue-Profi Christian Tiffert), mittlerweile in Berlin lebend: "Es war eine wirklich gute Zeit in Hoyerswerda und ein unheimlich hoher Konkurrenzkampf. Wir hatten quasi zwei gleich gute Mannschaften, konnten so Verletzungen kompensieren."

Geklärt wurde an diesem Tag auch, warum der erfolgreiche Torjäger Eberhard Schlauß (74, 44 Tore in 111 Spielen) Ende 1969 aus Hoyerswerda verschwand. "Ich kam mit dem Trainer einfach nicht zurecht, riskierte vielleicht zu oft eine große Lippe." Und Offensivkraft Manfred Lindner (69) erinnerte daran, dass seinen Pumpe-Junioren 1966 der Bezirksmeistertitel vom Verband geklaut worden war: "Man hat uns Punkte aberkannt, damit Energie den Titel holt." Kurios die Anekdote, dass Busfahrer Klaus Heim (80) bei einem Punktspiel 1967 in Schwerin beinahe die Töppen hätte schnüren müssen. "Ein Spieler hatte verschlafen, es waren nur zehn Mann. Aber wenn ich mich verletzt hätte, wäre die Truppe mit dem Bus nicht mehr nach Hause gekommen."

Schade, dass einige Ehemalige wegen Gesundheitsproblemen absagen mussten. Darunter auch Ex-Aktivist Michael Strempel (73, hatte eine Hüft-OP), Pumpes einziger Nationalspieler. Umso schöner, dass sich Kämpen aus der Anfangs ära nach 60 (!) Jahren erstmals wiedersahen. Torwart Dieter Zurawsky (80) etwa, der aus Pirna angereist war und extra später zur Einschulungsfeier seines Enkelkindes fuhr. Oder Joachim Walter (82), der noch immer in Hoyerswerdas Altstadt lebt und angeregt mit Heinz Wuschech (84) plauderte, der 1957 half, den ersten Aufstieg in die Bezirksliga zu erringen: "Ich wusste anfangs erst gar nicht, mit wem ich mich da unterhalte", sagte "Bubi" Walter lachend. "Dann war die Freude aber umso größer. Heinz lebt ja seit vielen Jahren in Berlin. Und ich hatte so viele Fragen."

Fakt ist: Es soll nicht das letzte Treffen dieser Art gewesen sein. Ronny Klein: "Die Planungen für eine Fortsetzung sind schon angelaufen."