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| 11:27 Uhr

Kippensanierung beginnt noch einmal von vorn

Nach dem unerwarteten Grundbruch von Lippen wurden östlich von Lohsa und von dem Dreiweiberner See rund 2200 Hektar Land für das Betreten durch die Allgemeinheit gesperrt. Die schraffierte Fläche auf der Karte aus dem Jahr 2011 zeigt das zu Weihnachten 2010 gerutschte Gebiet.
Nach dem unerwarteten Grundbruch von Lippen wurden östlich von Lohsa und von dem Dreiweiberner See rund 2200 Hektar Land für das Betreten durch die Allgemeinheit gesperrt. Die schraffierte Fläche auf der Karte aus dem Jahr 2011 zeigt das zu Weihnachten 2010 gerutschte Gebiet. FOTO: Nach dem unerwarteten Grundbruch von Lippen wurden östlich von Lohsa und von dem Dreiweiberner See rund 2200 Hektar Land für das Betreten durch die Allgemeinheit gesperrt. Die schraffierte Fläche auf
Lohsa. Der Grundbruch vom 26. Dezember 2010 auf der Innenkippe Lohsa wurde nicht von äußeren Einflüssen ausgelöst. Dies haben die Untersuchungen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungs GmbH (LMBV) ergeben. Uwe Menschner / ume1

Der Leiter Geotechnik des Unternehmens, Eckhard Scholz, stellte auf der jüngsten Sitzung des Lohsaer Gemeinderates die Ergebnisse vor und welche Schlüsse daraus zu ziehen seien. Die RUNDSCHAU dokumentiert die wichtigsten Aussagen.

Wie kommt die LMBV zu dieser Einschätzung?
"Wir haben alle infrage kommenden äußeren ,Initiale', also Auslöser, betrachtet und konnten diese als Ursache für den Grundbruch ausschließen", so Eckhard Scholz. Dazu zählten Erschütterungen durch Sanierungsmaßnahmen ebenso wie die Belastung durch Forstfahrzeuge oder sogenannte Holzpolter (aufgestapelte Baumstämme). Selbst ein Erdbeben wurde in Betracht gezogen. Begünstigend wirkten hingegen die starken Niederschläge, die dem Ereignis vorangingen, "wobei wir dies noch nicht quantifizieren (also in Zahlen ausdrücken) können."

Was passierte überhaupt am 26. Dezember 2010?
Auf dem Kippengelände des ehemaligen Tagebaus Lohsa zwischen Lohsa und Litschen sackte der Boden auf einer Fläche von 26 Hektar ab. Einzelne Bereiche senkten sich um bis zu 5,50 Meter, andere wurden um bis zu zwei Meter angehoben oder um bis zu drei Meter horizontal verschoben. In der Folge wurden großflächige Sperrungen angeordnet, von denen unter anderem der Radweg von Lippen nach Lohsa, der Lohsaer Rodelberg und die Fischteiche betroffen sind. Trotz dieser gravierenden Auswirkungen spricht Eckhard Scholz von einem "vergleichsweise kleinen Ereignis". Zum Vergleich: am 12. Oktober 2010 in Spreetal waren 160 Hektar betroffen.

Welche Konsequenzen ziehen die Untersuchungsergebnisse nach sich?
"Mit einem solchen Ereignis - einer ,sackenden Bodensäule' im Inneren der Kippe - müssen wir jederzeit und überall rechnen", erklärt der leitende Geotechniker der LMBV. Mit den üblichen Erkundungsmethoden sei eine Früherkennung gefährdeter Bereiche nicht möglich. "Um eine Gefahrenfreiheit zu gewährleisten, müssen wir noch einmal neu sanieren." Die ursprünglich geltende Prämisse, möglichst abwechslungsreiche Landschaften zu gestalten, sei passé: "Jegliches Geländerelief hat sich als kontraproduktiv erwiesen. Es werden eher flache, eintönige Landschaften entstehen." Bereits errichtete Rodelberge, wie in Lohsa, müssen möglicherweise abgetragen werden. Die erneute Sanierung werde viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen, betont Eckhard Scholz.

Auf welche Methoden setzt die LMBV bei der Sanierung?
Erfolg versprechend verliefen Versuche in Seese-West, die Kippen durch kontrollierte Sprengungen zu verdichten und dadurch zu stabilisieren. Diese Versuche sollen jetzt ausgeweitet werden. "Wir werden aber nicht überall sprengen können", schränkt Eckhard Scholz ein. Kurzfristige Entlastung bringen kurze Drainagerohre aus Plaste, die ab dem zweiten Halbjahr an der Bundesstraße 97 bei Spreetal sowie zwischen Koblenz und Knappenrode zum Einsatz kommen sollen. Dennoch müsse der Bereich an der B 97 noch einmal einer Rütteldruckverdichtung unterzogen werden.

Wann ist mit einer Aufhebung der Sperrungen zu rechnen?
Das ist unterschiedlich. Die LMBV betrachtet einen Zeithorizont bis 2017, weil bis dahin das gegenwärtige Verwaltungsabkommen zur Finanzierung der Bergbausanierung läuft. Bis dahin sollen etwa 10 000 der gesperrten 17 000 Hektar freigegeben werden. Rings um Lohsa ist die Situation vor allem an den Fischteichen prekär, deren südlicher Bereich als akut rutschungsgefährdet gilt. "Es wird auch Bereiche geben, auf denen wir dauerhaft mit Nutzungseinschränkungen leben müssen", prognostiziert Eckhard Scholz.

Wie reagieren die Gemeinderäte und der Bürgermeister?
Wenig überrascht. Dass die Bergbausanierung komplizierter ist und länger dauert als ursprünglich angenommen, wurde bereits im vergangenen Jahr zur festen Erkenntnis. "Uns stehen Dinge bevor, von denen man vor fünf Jahren noch nichts geahnt hat", meinte Bürgermeister Udo Witschas (CDU) dann auch nur. Die Fragen der Abgeordneten bezogen sich vor allem auf die benachbarten Gewässer, also den Scheibe- und den Dreiweiberner See, die jedoch aufgrund ihrer Bodenstruktur als sicher gelten können.