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| 19:30 Uhr

Von der Hüpfburg bis zum Bullriding
„Unser Produkt ist der Spaß“

 Tina und Stefan Böhm mit „Produkttesterin“ Mütze vor ihrem neuen Lager im Gewerbegebiet Nardt. Von Teddybär über Rikscha bis zum Wasserboot kommt hier alles unter.
Tina und Stefan Böhm mit „Produkttesterin“ Mütze vor ihrem neuen Lager im Gewerbegebiet Nardt. Von Teddybär über Rikscha bis zum Wasserboot kommt hier alles unter. FOTO: LR / Anja Hummel
Das Kinderland Böhm ist längst kein Business mehr nur für Hüpfburgen. Am neuen Standort in Nardt sind Events geplant. Von Anja Hummel

Mütze ist ihr bester Produkttester. Da sind sich Stefan und Tina Böhm einig. Weiß, wuschelig, ehrlich. Die kleine Malteser-Hundedame schlawinert umher, schaut hier, schaut dort nach dem Rechten. Sie ist wieder mitten in der Testphase, interessiert sich nur für eins: das neue 6000 Quadratmeter große Firmengelände.

Das Kinderland Böhm steckt mitten in der Umzugsphase. Nach acht Jahren im Gewerbegebiet Bergen geht es nun nach Nardt – direkt an die B 96. Hier sind ab sofort allerhand „Spaßbringer“ untergebracht. Von Hüpfburg über Riesenrutsche bis zur Bastelstraße und dem Kickertisch. Statt 2000 Quadratmetern stehen dem Chef-Ehepaar jetzt 6000 zur Verfügung.

Die Vermietfirma für Kinder- und Erwachsenenattraktionen gibt es seit fast 30 Jahren. Früher sei es ein reines Geschäft für Kinderattraktionen gewesen. „Vor zehn Jahren haben wir dann zur Eventagentur expandiert“, sagt Stefan Böhm. Bullriding, Kicker, Tischspiele, Maßkrugschießen – „da drehen die alle vollkommen ab“, erzählt Tina Böhm. „Jeder hat halt ein Kind in sich.“ Auch Sachsens Ex-Ministerpräsident Stanislav Tillich hat seinen 50. Geburtstag mit Torwand, Hau den Lukas und Maßkrugschieben gefeiert, verrät das Unternehmerehepaar. Firmenpartys im Abendbereich sind echte Reißer. Was sie außerdem noch im Repertoire haben: Luftballonshop und jede Menge Deko-Artikel – von der Kuh bis zur indischen Riksha.

Aktuell gehören 40 Minijobber und drei Festangestellte zum Kinderland-Team. Wie sie damals, 1990, angefangen haben? Stefan Böhm lacht auf. „Ja, erzähl das mal“, schaut seine Frau ihn mit großen Augen an. Der Firmengründer legt los: „Das hat alles mit einem Trabi und einer Hüpfburg angefangen“, blickt der 54-Jährige zurück. Es war am Bergmannstag, als im Frühjahr 1990 eine Hüpfburg in Hoyerswerda stand. „Naja, ich dachte, das ist vielleicht ein guter Zuverdienst“, sagt Böhm, der damals als Barkeeper in der Lausitz arbeitete.

Also besorgte er sich eine Hüpfburg und fuhr damit umher. Damit landete er nicht nur einen rein wirtschaftlichen Glückstreffer. Tina Böhm erinnert sich: „Ich war Bezirksleiterin in einem Modeunternehmen. Stefan war mit seiner Hüpfburg auf einem Event. So haben wir uns kennengelernt“, sagt Tina Böhm mit funkelnden Augen.

Der verrückteste Auftrag: „Unser Bulle ist auf jeden Fall in irgendeinem amerikanischen Film zu sehen“, erzählt Tina Böhm. In den Babelsberger Filmstudios hatte das elektronische Tier inmitten einer Saloon-Kulisse seinen großen Auftritt. Und: Ihr Kinderkarussell hat schon für Schlagerstars wie Maximilian Arland und Mary Rose hergehalten. Doch das Kinderland Böhm ist nicht nur Vermieter. Mit den Kindertobetagen haben sie ein Indoor-Event geschaffen, das bis zu 800 Kinder in den Hüpf- und Rutsch­rausch verschlägt.

Was ihren Erfolg ausmacht? „Wir waren damals einfach jung und hatten Power“, sagt Stefan Böhm. Was sie aber konstant bei Laune hält: „Unsere Kunden sind Kinder, sie sind unsere Jury und die treibt uns voran.“ Tina Böhm nickt. „Um uns herum ist es immer farbenfroh. Unser Produkt ist der Spaß. Unsere Kunden gehen immer zufrieden nach Hause“, erklärt der Chef sein Business. Am beliebtesten sind wie vermutet alle aufblasbaren Spielgeräte, die zum Toben da sind. Die 900 Kilo schwere und neun Meter hohe Rutsche ist der Gigant unter den Gummischlössern. „Wir wollen beim Thema Bewegung und Spaß bleiben. So schaffen wir es, die Kinder vom Handy wegzubringen“, sagt Tina Böhm.

Mit dem neuen Objekt entstehen auch neue Ideen. Nach kurzem Zögern verrät Tina Böhm die neue Idee: „An schönen Sommertagen wird es bei uns Outdoor-Kindertobetage geben.“ Spontan, je nach Wetter, solle dann geöffnet werden. Wer am Nardter Gewerbegebiet vorbeifährt, wird eindeutig erkennen, ob Kindertobezeit ist oder nicht, verspricht Tina Böhm. Eine halbe Million Euro investieren die beiden Hoyerswerdaer in Umzug und Anbau. Mütze wedelt und hechelt. Auch der kleine weiße wuschelige Produkttester freut sich – noch mehr Platz zum Herumschnüffeln.

 Tina und Stefan Böhm mit „Produkttesterin“ Mütze vor ihrem neuen Lager im Gewerbegebiet Nardt. Von Teddybär über Rikscha bis zum Wasserboot kommt hier alles unter.
Tina und Stefan Böhm mit „Produkttesterin“ Mütze vor ihrem neuen Lager im Gewerbegebiet Nardt. Von Teddybär über Rikscha bis zum Wasserboot kommt hier alles unter. FOTO: LR / Anja Hummel