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Hoyerswerda
Hoyerswerdas Kitas unter die Lupe

Hoyerswerda. Die Stadtverwaltung arbeitet gerade an der umfangreichen Analyse. Das Ziel: Die Kita-Landschaft in Hoyerswerda und seinen Ortsteilen soll zukunftsfähig gemacht werden. Von Sascha Klein

Die Stadtverwaltung Hoyerswerda arbeitet zurzeit an einer aktuellen Kita-Analyse. Dieses Werk soll aufzeigen, wie viele Kitaplätze kurz- und mittelfristig, aber auch langfristig im Stadtgebiet gebraucht werden. Ebenso soll analysiert werden, welcher Investitionsbedarf auf die Stadtverwaltung in den kommenden zehn bis 15 Jahren zukommt. Noch sind die Unterlagen einer kleinen Personengruppe vorbehalten: der Verwaltung, den Stadträten aus dem Schul-, Kultur- und Sozialausschuss sowie Kita-Trägern und dem Stadtelternrat.

Dieses Dokument, das die Firma Bauhoys von Planer Thomas Gröbe erarbeitet hat, hat Sprengkraft. Denn es wird aufzeigen, wo zu wenig Kita-Plätze vorhanden sind, aber auch, ob es irgendwo zu viele gibt. Eine Zahl schwebt zurzeit im Raum: 200. Laut der derzeitigen Fassung der Kita-Analyse gibt es in der Stadt zurzeit 200 Kita-Plätze, die unbesetzt sind. Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling (SPD) bestätigt diese Zahl, sagt aber auch: „Es stimmt, es gibt diese Überkapazität. Das ist nichts Dramatisches, aber auch nichts Schönes.“ In der Stadt und den Ortsteilen gibt es momentan 19 Kindertagesstätten.

Was sich die Verwaltung von der Kita-Analyse verspricht: Sie hat durch das Zusammentragen aller Fakten auch eine Übersicht, in welchem baulichen Zustand sich das jeweilige Gebäude befindet. Daran lässt sich ablesen, wie viel die Kommune in den kommenden Jahren in den Erhalt oder die Sanierung investieren muss. „Bedarf gibt es in jeder Einrichtung“, sagt Thomas Delling. Das Problem: Für die Stadt ist das auf einmal unfinanzierbar. Auch der Landkreis als größter Fördermittelgeber bei Kitas habe ein Vielfaches an Wünschen als an Geld tatsächlich vorhanden ist. „Wenn die Analyse besprochen ist, werden wir eine Prioritätenliste aufstellen“, sagt Thomas Delling. Dann müsse sich zeigen, an welche Kindergärten zuerst Hand angelegt werden muss.

Einer, der die vorliegende Kita-Analyse genau studiert hat, ist Torsten Ruban-Zeh, Geschäftsführer der Awo Lausitz. Die Arbeiterwohlfahrt ist in Hoyerswerda Träger von vier Kitas. Ruban-Zeh hat die geforderte Stellungnahme am gestrigen Freitag abgegeben. Sein Resümee: „Die Analyse ist wichtig und eine absolute Fleißarbeit“, sagt er. Worüber sich Ruban-Zeh unter anderem gewundert hat: „In der Analyse wird zum Beispiel unserem ,Kinderhaus am Elsterbogen’ ein guter baulicher Zustand attestiert. Wir beantragen aber schon seit acht Jahren vergeblich eine Förderung für unsere Elektrik. Die stammt aus DDR-Zeiten und muss dringend gemacht werden.“ Deshalb ist die Kita für den Awo-Geschäftsführer nicht in einem baulich guten Zustand.

Was Ruban-Zeh noch kritisiert: „Die Analyse wurde auf Grundlage des alten Stadtentwicklungskonzepts erstellt. Es wird in Alt- und Neustadt unterschieden. Dabei haben wir entschieden, das eigentlich nicht mehr tun zu wollen, sondern die gesamte Stadt zu betrachten.“ Zudem sei für ihn fraglich, ob alle Daten zu allen Kitas jetzt tatsächlich auf dem neuesten Stand sind. Einige Untersuchungsergebnisse seien schon etliche Monate alt.

Eine Botschaft, die Bürgermeister Delling sendet: Es besteht kein Grund zur Unruhe: „Heute und morgen werden wir bestimmt keine Kita schließen.“ Doch für die Zukunft müsse schon daran gedacht werden, Kitas zusammenzulegen. Im November soll das Papier weiter beraten werden. Ziel der Verwaltung ist, es im ersten Quartal 2018 zu verabschieden, sagt Delling.