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| 01:30 Uhr

Kinder-Uni behandelt die Rote Liste

Ein Fischotter ist zwar kein Haustier, aber auch vom Aussterben bedroht. Lydia und Charlotte haben sich auf der Kinder- und Jugendfarm in die aktuelle Rote Liste der bedrohten Nutztiere vertieft.
Ein Fischotter ist zwar kein Haustier, aber auch vom Aussterben bedroht. Lydia und Charlotte haben sich auf der Kinder- und Jugendfarm in die aktuelle Rote Liste der bedrohten Nutztiere vertieft. FOTO: Hannemann
Hoyerswerda. Auf der Kinder- und Jugendfarm Am Burgplatz 5 in Hoyerswerda wurde am Sonnabend die vorletzte Lesung des Semesters 2010/ 2011 der Kinder-Uni Lausitz gehalten. Für das Referat „Haustiere auf der Roten Liste“ hatte Dr. Adelheid Wittek den Diplom-Biologen Simon Scholze gewinnen können. Von Bernd Hannemann

Auf seine Frage, warum denn ein Tier auf dieser Roten Liste steht, kamen von den 15 jungen Studenten auch gleich die richtigen Antworten: Sie haben keinen großen Lebensraum mehr, treten an zu wenigen Orten auf oder es gibt nur noch wenige Exemplare. In Deutschland kümmere sich die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) um die Aktualisierung der Liste, meinte Simon Scholze, und leider würde diese immer länger werden. Pro Woche stirbt weltweit eine Nutztierrasse aus. Auch auf seine Frage, warum das so sei, kam gleich die richtige Antwort: Es hängt, wie so oft, von den Kosten ab, ob etwas überlebt. Bedauerlich ist, dass bereits Kinder diese gesellschaftliche Entwicklung in ihren Erfahrungsschatz aufgenommen haben. Die Mechanisierung in der Landwirtschaft führt dazu, dass Rassen umgezüchtet werden, um noch mehr Milch und noch mehr Fleisch zu produzieren. Die Artenvielfalt bleibt dabei auf der Strecke.

Der sich an die Einführung anschließende Rundgang führte die jungen Studenten hautnah zu den acht vom Aussterben bedrohten Rassen, die auf der Kinder- und Jugendfarm vertreten sind und die ihr zu dem von der GEH vergebenen Titel "Archehof" verhalfen. Für die Stadtkinder war es ein Erlebnis, die kuschligen Gössel der Diepholzer Gänse ins Freie lassen zu dürfen. Diese leben mit einem kleinen Sulmtaler Junghahn zusammen, damit dieser nicht so einsam ist. Die Besuchergruppe versetzte die Cröllwitzer Puten in Aufregung, so dass Simon Scholze die deutlich immer länger werdende Hautfalte am Schnabel des Puters demonstrieren konnte. Erregung herrschte auch bei den Gänsen, denen die Eindringlinge nicht ganz geheuer waren. Argwöhnisch aus sicherer Entfernung beäugt von den Skudden, der kleinsten Schafrasse Europas, konnten die Kinder noch ein Vorwerkhuhn beim Eierlegen beobachten, was recht selten gelingt. Und letztendlich ließ sich auch das Sattelschwein Quiecki überreden, aus seiner Ruheecke an den Zaun zu kommen und Streicheleinheiten zu empfangen. Anfang August wird sich bei Quiecki Nachwuchs einstellen. Diese Rasse war übrigens erst nach dem Zweiten Weltkrieg gezüchtet worden.

Die Unterrichtsstunde ging bei derart vielen Details, die auf der Farm zu erleben sind, viel zu schnell vorbei. Mit einem Blumenstrauß aus den Händen von Dr. Wittek und einem kräftigen Applaus ging sie zu Ende. Die nächste und letzte Vorlesung in diesem Semester wird sich mit nachwachsenden Rohstoffen beschäftigen. "Energie ohne Ende" heißt das Thema am 18. Juni im NATZ (L.-Herrmann-Straße 78 a/ 10 Uhr), wo auch die Zertifikate für die kontinuierliche Teilnahme an der Kinder-Uni ausgeteilt werden.

Kinder-Uni Lausitz
Jugendclubhaus Ossi,
02977 Hoyerswerda
Liselotte-Herrmann-Straße 1
jh-ossi@gmx.de,
Telefon 03571 979232

www.kinderuni-lausitz.de

Drei Fragen an: Adelheid Wittek (*)

Frau Dr. Wittek, haben Sie schon mal von Kindern Rückmeldungen bekommen, dass sie das an der Uni Erlernte im Schulunterricht anwenden konnten?

Auf jeden Fall! Die Kinder machen mehr mit, und wenn ein Lehrer in ein Stoffgebiet einführen will, bekommt er nicht selten Unterstützung von unseren Studenten. Sie halten manchmal auch vor ihren Mitschülern Referate zu Themen, die wir an der Uni behandelt hatten.

Das aktuelle Semester der Kinder-Uni Lausitz geht in vier Wochen zu Ende. Welches Resümee können Sie schon ziehen?

Wir hatten kontinuierlich 15 bis 20 Kinder bei jeder Vorlesung. Am 18. Juni werden zwölf von ihnen ein Zertifikat bekommen. Sie haben mehr als die Hälfte der Vorlesungen besucht. Auch die Qualität der Angebote war durchweg gut bis sehr gut, so dass man zufrieden sein könnte.

Könnte - nicht "kann"?

Die Finanzierung unserer Form der Begabtenförderung ist nach wie vor eine Gratwanderung. Man muss froh sein, Lektoren zu finden, die für "'nen Appel und 'n Ei" unterrichten, also für einen Blumenstrauß und Applaus. Da kann ich nicht oft genug Danke sagen. Das betrifft auch die Einrichtungen wie die Farm, NATZ, Ossi und die KulturFabrik.
Mit Adelheid Wittek sprach Bernd Hannemann


* = Adelheid Wittek engagiert sich mit der Kinder-Uni Lausitz in Trägerschaft der RAA für die Begabtenförderung