| 01:04 Uhr

Keine Träne für Schlussverkauf

Hoyerswerda.. „Reduziert“ , „Prozente“ , „Gnadenlos heruntergesetzt“ – die großen Werbeschilder überall im Lausitz-Center lassen keinen Zweifel aufkommen: Zum Sommerschlussverkauf haben die Händler auch in Hoyerswerda ihre Waren teils massiv reduziert. In einer ersten Bilanz zeigten sich die Geschäftsleute in der Zuse-Stadt gestern „zufrieden“ mit dem Auftakt des womöglich letzten Schlussverkaufs. Von Christiane Klein und Dennis Pfeiffer-Goldmann

Die Schattenseiten vorweg: „Mäßig bis saumäßig“ attestiert Gudrun Gbureck dem Auftakt des SSV 2003. Sie verkauft in ihrem Sanitätshaus in der Altstadt sowie im „Treff-8-Center“ in der Neustadt aber besonders viel Wäsche und Bademoden. Die waren beim verregneten SSV-Start anscheinend nicht gefragt. Dennoch will Gbureck nicht auf den Schlussverkauf verzichten, falls das Rabattgesetz fällt: „Wen lockt man denn noch hinterm Ofen hervor, wenn es das ganze Jahr über Rabatte gibt?“
„Bei uns lief der Schlussverkauf schwer an“ , fasst Jacqueline Matthäs von C&A den ersten Festtag der Schnäppchenjäger zusammen. Wegen des Regens hätte sich der Kundenstrom erst gegen Mittag stabilisiert. „Jetzt sind wir auf Vorjahresniveau und zufrieden“ , erklärt die Filialleiterin. Das Wasser von oben hatte aber auch seine guten Seiten, „denn so waren günstige Jacken besonders stark gefragt“ . Außerdem hätten die C&A-Kunden bei T-Shirts und kurzen Hosen zugegriffen.
Mehr Frequenz als üblich vermeldet Sophie Zschieschang bei „Mode leger“ in der Altstadt. „Das ist gut angelaufen.“ Trotzdem weint sie dem möglichen Aus für den Schlussverkauf keine Träne nach. „Dann können wir viel flexibler auf volle Lager, auf das Wetter oder die Wünsche der Kunden reagieren. Wenn das ohne gesetzliche Regelung geht, ist das doch perfekt.“ Ohnehin ist Sophie Zschieschang überzeugt: Echten Schlussverkauf bieten nur kleine Einzelhändler. „Für große Läden ist das ein Zusatzgeschäft, Ware wird extra dafür eingekauft.“ In kleinen Läden bekämen Kunden aber tatsächlich hochwertigere Ware im Schlussverkauf zu niedrigen Preisen.
„Es läuft besser als im Vorjahr“ , sagt Konrad Winnemöller und ist mit dem SSV-Auftakt zufrieden. Besonders hoch stünden Bettwäsche, Schlafanzüge und Unterwäsche bei Woolworth im Lausitz-Center im Kurs, erklärt der Geschäftsleiter. Und falls künftig der Schlussverkauf fehlt, setzt Winnemöller voll auf die gemeinsame Vermarktung von Rabatt-Aktionen.
Traurig über die Abschaffung des Schlussverkaufs ist man auch bei Karstadt nicht. „Für den Kunden wird es besser. Denn er hat mehr von ganzjährigen Rabatten“ , ist sich Restaurantleiter Egon Henning sicher. Dennoch sei man mit dem SSV-Auftakt in Hoyerswerda „sehr zufrieden und liege auf Vorjahresniveau“ .
Richtig rollen soll der Euro am nächsten Samstag, wenn das Lausitz-Center bis 18 Uhr geöffnet hat. Woolworth-Chef Winnemöller hofft, dass das Center dann bis zum Abend gefüllt ist. „Normalerweise ist es im Sommer ab Samstagmittag eher ruhig. Dann fahren alle in den Garten oder zum See.“ . Allerdings lohne sich die lange Samstagsöffnung in den Monaten, in denen es früher dunkel wird, so Winnemöller.
Ab Oktober werde das Lausitz-Center deshalb an jedem Samstag bis 18 Uhr geöffnet haben. Das berichtete Centersprecher Stefan Schneider auf Nachfrage der RUNDSCHAU. „Jetzt am Samstag wollen wir sehen, wie der Kunde das annimmt.“
Dass auch die Altstadt einmal zu längeren Samstagsöffnungszeiten finden könnte, ist für Geschäftsfrau Sophie Zschieschang „ebenso illusorisch wie die Forderung, dass morgens alle zeitgleich öffnen sollten“ . Für den Kunden lohne sich die Altstadt als Einkaufsziel nur, wenn die Geschäfte einheitlich öffneten, wenigstens täglich von 9 bis 18 Uhr. „Und für diese Attraktivität ist der Händler verantwortlich.“