Von Anja Guhlan

Ein Investor ist mit seinem Plan gescheitert, in Spreewitz eine Anlage zur Schnellkompostierung zu bauen. Der Gemeinderat Spreetal hat den Vorschlag deutlich abgelehnt. Das Unternehmen NWM hatte die Anlage auf dem früher von der Firma Lobbe genutzten Gelände an der Südstraße errichten lassen wollen.

Acht Gemeinderäte stimmten gegen die Pläne, zwei Räte enthielten sich. Ein Gemeinderat nahm aufgrund seiner Befangenheit nicht teil. Bereits im Gemeindeausschuss und im Ortschaftsrat Spreewitz stimmten die Gremien mit Nein.

Der Investor, das Unternehmen NWM GmbH, hatte vorgesehen, auf dem Gelände eine Anlage zur Schnellkompostierung zu errichten. Dabei sollten organische Materialien, unter anderem getrockneter und entwässerter kommunaler Klärschlamm, unter Verwendung von Kompostierbakterienkulturen zu organischem Dünger weiterverarbeitet werden. Geplant waren Pelletts.

Spreewitz hat Bedenken wegen Anlage zur Schnellkompostierung

Aus Spreewitz gebe es nicht nur Bedenken wegen möglicher Geruchsbelästigungen, sondern auch Zweifel an der Nachhaltigkeit der Investition. Gemeinderat Werner Reeb (Spreetaler Wählervereinigung) erklärt im Gemeinderat: „In dieser Hinsicht sind die Spreewitzer gebrannte Kinder. In der Vergangenheit gab es ähnliche Vorgänge in der Gemeinde, und die Bürger kämpften mit den Folgen. Wir können uns aus dieser Sicht nicht durchringen, dem Vorhaben zuzustimmen. Das Risiko einer Geruchsbelästigung ist einfach zu hoch.“

Unlängst waren auch Spreewitzer Bürger gemeinsam mit einem Vertreter der Firma NWM im tschechischen Kunovice sowie im slowakischen Trencin, um ähnliche Anlagen zu besichtigen. So berichten auch Sven und Reinhard Schulze aus Spreewitz mit eher wenig Begeisterung von der Besichtigung. Sie halten die Anlage für keine nachhaltige Zukunftstechnologie.

NWM geht von keiner Geruchsbelästigung für Spreewitz aus

In dem Bericht der Bürger heißt es aber auch: „Die Bestimmungen für solche Anlagen und für den Einsatz von Klärschlamm sind in Tschechien und der Slowakei viel einfacher und nicht mit den in Deutschland geltenden Regelungen vergleichbar.“

Auch der Vertreter des Unternehmens NWM, Hannes Wilhelm-Kell, äußerte sich im Gemeinderat: Er argumentierte, dass in Deutschland andere Bestimmungen herrschen als in Tschechien oder der Slowakei. „Der Klärschlamm würde auf keinen Fall offen gelagert werden. Es muss laut den Bestimmungen ein so genannter Inhouse-Betrieb stattfinden.

Auch erfordert ein Genehmigungsverfahren in Deutschland zum Beispiel auch eine Abluftreinigung“, erklärte er. Von der in etwa 700 Metern Entfernung der Anlage errichteten Wohnbebauung ist also von „keiner Geruchsbelästigung auszugehen“, äußerte sich Wilhelm-Kell.

Alternative Standorte für Spreewitzer Kompostieranlage

Doch das Votum war klar. Von Spreetals Bauamtsleiter Frank Fichtner bekam Wilhelm-Kell noch zwei alternative Standorte angeboten. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage in der Gemeindeverwaltung handelt es sich bei den möglichen Alternativstandorten entweder um eine Fläche direkt im Industriepark oder um eine eher verstecktere Fläche nahe des Truppenübungsplatzes, wo die nächste Wohnbebauung noch weiter entfernt wäre.

Hannes Wilhelm-Kell ist auf RUNDSCHAU-Nachfrage enttäuscht über das Votum: „Ich bin erstaunt über das Vorgehen. Wie kann man eine Abstimmung auf falschen Informationen vornehmen?“, betont er. Die Nachhaltigkeitsfrage könne er zwar auch nicht beantworten, weil niemand in die Zukunft blicken könne. „Aber das wirtschaftliche Risiko liegt doch bei unserem Unternehmen und nicht bei den Bürgern“, sagt er.

Zudem verstehe er nicht, wie es sich eine Gemeinde, die sich in der Haushaltskonsolidierung befindet, leisten kann, Investoren derart zu verprellen. „Wir hätten 12 bis 15 Arbeitsplätze geschaffen, eine Investition getätigt und uns mit Gewerbesteuern in die Gemeinde eingebracht“, erklärt Wilhelm-Kell.

Spreetal-Investor denkt über Rückzug aus der Lausitz nach

Die beiden alternativen Standorte sind für ihn bisher nicht akzeptabel. „Auf dem ehemaligen Lobbe-Gelände hätten wir einen Grundstock, unter anderem mit Halle und Lkw-Waage, auf den man hätte aufbauen können. An den beiden Alternativstandorten müssten wir ein bis 1,5 Millionen Euro mehr investieren, um alles erstmal zu errichten“, schätzt Wilhelm-Kell ein.

Der Investor möchte versuchen, in Gesprächen einen erneuten Beschluss anzuschieben. Sollte dies nicht funktionieren, wird sich das Unternehmen aus der Lausitz zurückziehen.

„Es wäre schade, weil ich selbst Lausitzer bin. Ich habe aber den Eindruck, dass es zumindest in Spreetal keine Willkommenskultur für Investoren gibt.“