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Kein Ende für "Tempo 30" in Sicht

Der Parkplatzbau am Nordufer des Spreetaler Sees geht voran.
Der Parkplatzbau am Nordufer des Spreetaler Sees geht voran. FOTO: jag
Hoyerswerda. Fünf Jahre nach der wegen möglicher Straßeneinbrüche eingeführten Tempo-30-Zone auf der Bundesstraße 97 bei Spreetal ist ein Ende dieser Vorschrift nicht in Sicht. Der Bergbausanierer LMBV will allerdings im nächsten Jahr die notwendigen Standsicherheitsnachweise für diesen sensiblen Bereich erarbeiten lassen. Catrin Würz und Jan Augustin

Als im Jahr 2011 an der schnellen und gut ausgebauten Verbindung zwischen Spremberg und Hoyerswerda plötzlich die Tempo-30-Schilder aufgestellt wurden, konnte das so mancher Autofahrer kaum fassen. Auf mehreren hundert Metern Länge wurde die rigorose Geschwindigkeitsbegrenzung auf freier Strecke und mit dem Hinweis auf mögliche Gefährdung durch Straßeneinbrüche angeordnet. Diese könnten möglich sein, weil in einem Abstand von nur 20 Metern zur Straße eine fünf Meter hohe und im Verhältnis 1:6 geneigte Böschung aus Kippenböden einen kritischen Punkt darstellt. So lautete damals die Begründung, die wohl auch noch heute gilt. Das aus Spreetaler Kippen locker aufgeschüttete Areal könnte nach langandauernden Regenfällen und bei einem temporären Wasseranstieg der Grundwasseroberfläche gegebenenfalls Sackungen auslösen und damit zu Abrisskanten im Bereich der Bundesstraße 97 führen. Befürchtet wurde damals ebenfalls, dass Initialeinträge - wie zum Beispiel durch Lastkraftwagen-Unfälle mit Ausbrechen auf das Kippengelände - Verflüssigungen im Kippenuntergrund auslösen könnten.

All diese Gefährdungsszenarien sind prinzipiell auch noch heute unverändert gegeben, bestätigt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft. Und damit eben auch die Notwendigkeit für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h an der Tieflage am Spreetaler See.

Jedoch seien seit 2011 von der LMBV umfangreiche Erkundungen und Bewertungen der Kippe vorgenommen worden, teilt Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. So wird der Straßenabschnitt seit 2012 durch Porenwasserdruckmessungen im Untergrund überwacht; mögliche Gefährdungen würden im Falle des Falles auf Leucht-Warnampeln für die Autofahrer angezeigt. 2013 wurden westlich der B 97 Geo-Dräns zum gezielten Abbau von Porenwasserüberdrücken eingebaut. Und für 2017 sei es nun geplant, die Standsicherheitsnachweise zu erarbeiten, die dann auch über die noch erforderlichen bergtechnischen Sicherungsleistungen Auskunft geben sollen.

Mit dem kräftigen Tritt auf die Bremse in der Tempo 30-Zone müssen die Autofahrer auf der B 97 also auch noch weiterhin leben. "Aufgrund der zu erwartenden langwierigen und komplexen Planungsleistungen - auch für parallel verlaufende Medien - sowie wegen der sich anschließenden bergtechnischen Sicherhungsarbeiten ist mittelfristig nicht mit einer Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung zu rechnen", bestätigt Kathy Sommer, Abteilungsleiterin Geotechnik Lausitz in der LMBV.

Fortschritte machen dagegen die Erschließungsarbeiten für das Nordostufer des Spreetaler Sees. Die im Mai begonnenen Bauarbeiten für die Zufahrtsstraßen und Parkplätze sowie die Trinkwasser- und Abwassererschließung für die geplanten Stützpunkte des örtlichen Wassersportvereins, des Deutschen Motoryachtverbandes und des Jetbootzentrums werden voraussichtlich Ende Oktober beendet sein, teilt LMBV-Abteilungsleiter Gerd Richter mit. Rund 750 000 Euro werden die verkehrstechnische und wassertechnische Erschließung kosten - zu 75 Prozent aus Landesmitteln aus dem Braunkohle-Verwaltungsabkommen und zu einem Viertel von der Gemeinde Spreetal finanziert.