ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:11 Uhr

Verbrechensserie
Kein Ende der Geldautomaten-Spreng-Serie in Sicht?

Zahlreiche Geldautomaten wurden in den vergangenen Monaten in der Lausitz gesprengt. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht.
Zahlreiche Geldautomaten wurden in den vergangenen Monaten in der Lausitz gesprengt. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht. FOTO: Montage / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus/Potsdam/Lohsa. Die Zahl der Bankomatensprengungen in der Lausitz geht leicht zurück, die Schäden bleiben aber enorm. Was kann die Gangster stoppen? Von Bodo Baumert

Für einen kurzen Moment schien es ruhiger zu werden um die Serie der gesprengten Geldautomaten in der Lausitz. Seit Oktober hat es keinen neuen Anschlag in der Lausitz gegeben. Ist der Ermittlungsdruck der hiesigen Polizei so hoch? Haben die Banken endlich mit der nötigen Technik nachgerüstet, die den Tätern das Leben schwer macht?  Haben womöglich Ermittlungserfolge andernorts den international agierenden Banden zugesetzt? Seit Freitag sind diese Überlegungen erst einmal wieder obsolet. Denn es gibt einen neuen Fall.

In Lohsa haben die Täter in der Nacht zum Freitag zugeschlagen. Gegen 2.15 Uhr hören Anwohner die Explosion. Kurz darauf trifft die Polizei vor Ort ein und findet das gewohnte Bild: Geldautomat gesprengt, Schaden am Gebäude erheblich. Die Täter fliehen, erst zu Fuß, dann per Pkw. Ob sie tatsächlich Geld erbeutet haben, ist noch unklar. Die Chance liegt erfahrungsgemäß bei 50:50.

In Brandenburg wurden in diesem Jahr bislang 24 Geldautomaten angegriffen, vier weniger als im Vorjahr. „In der Hälfte der Fälle erlangten die Täter Bargeld“, berichtet Mario Heinemann vom Polizeipräsidium in Potsdam. Dort ermittelt die Soko „Fläming“. Einen Erfolg hat sie 2017 vorzuweisen. Im März wurde eine Bande aus Potsdam und Berlin hochgenommen. Die fünf Mitglieder sollen mindestens 14 Geldautomaten allein in Brandenburg und Berlin gesprengt haben.

In Hessen ist der Polizei im Oktober ein ähnlicher Erfolg gelungen. Die Ermittlungsgruppe „Phaeton“ hat vier Verdächtige ermittelt, die an einem Angriff im Juni beteiligt gewesen sein sollen. Damals hatten die Täter auf der Flucht sogenannte Krähenfüße geworfen, um die verfolgenden Polizisten abzuhängen – ähnlich wie dies im Februar bei einer spektakulären Verfolgungsjagd in Falkenberg (Elbe-Elster) der Fall war.

Weitere Ermittlungserfolge gab es 2017 in Süd- und Westdeutschland. Hier waren es den bisherigen Erkenntnissen der Polizei zufolge internationale Banden, die es auf den Inhalt von Geldautomaten abgesehen hatten.

Auch in Polen wird die Luft für die Banden offenbar dünner. Anfang Dezember kam es in Breslau zu einem Schusswechsel, bei dem ein Polizist und ein mutmaßlicher Bankautomaten-Knacker ums Leben kamen. Als die Polizisten die Tür zu einem Geldautomaten-Container aufbrachen, eröffnete der Mann ohne Vorwarnung mit einer Maschinenpistole das Feuer. Der 42-Jährige sei wegen Autodiebstahls, Einbruchs und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mehrfach vorbestraft gewesen. Er habe den Geldautomaten vermutlich mit Sprengstoff aufbrechen wollen, berichteten polnische Medien.

Was hat das mit der Lausitz zu tun? Viel. Denn bei den Bankomatenbanden handelt es sich nach Überzeugung der Ermittler um internationale Banden. Neben Brandenburg zählen auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu den Hochburgen der Automatensprenger in Deutschland.

Mindestens eine Spur der Brandenburger Soko „Fläming“ führt nach Polen. „Wenn Sprengungen von Geldausgabeautomaten bekannt werden, etwa in Nachbarbundesländern oder in Polen, dann nehmen die brandenburgischen Ermittlungsbehörden Kontakt auf, um mehr über die Tat und mögliche Verbindungen zu bereits erfolgten Taten im Land Brandenburg, zu den handelnden Tätern oder die Tatmodalitäten zu erhalten“, erläutert Polizeisprecher Mario Heinemann. Es gebe einen engen Austausch mit den anderen Bundesländern, ebenso wie mit der polnischen Polizei.

So werden sich die Ermittler auch über den aktuellen Fall in Lohsa austauschen. Dort haben die Täter offenbar Teile der Zündleitung hinterlassen, mit der sie die Explosion von außerhalb des Sparkassengebäudes hervorgerufen hatten. Passen die Fundstücke zu Spuren aus Brandenburg? Gibt es Parallelen zu anderen Fällen in der Lausitz? Das werden die Ermittlungen zeigen. „Die Ermittlungen zu Tätern laufen derzeit weiter. Nähere Angaben kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht geben“, sagt Polizeisprecher Heinemann.

Mehr Polizeipräsenz und „eine hohe Aufklärungsquote durch die Soko Fläming“ hatte Ulrich Lepsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Spree-Neiße gefordert, nachdem im Herbst auch seine Bank zweimal Opfer der Bankomatensprenger wurde. Ob die Spuren aus Lohsa zu einem solchen Erfolg beitragen?