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Groß Särchen
Kein Anschluss seit sechs Wochen

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Helga Jank aus Groß Särchen hat seit dem 22. November Ärger mit der Telekom. Hilfe bekommt sie vom Unternehmen bisher keine. Zahlen soll sie trotzdem.
Kein Anschluss unter dieser Nummer: Helga Jank aus Groß Särchen hat seit dem 22. November Ärger mit der Telekom. Hilfe bekommt sie vom Unternehmen bisher keine. Zahlen soll sie trotzdem. FOTO: Sascha Klein / LR
Groß Särchen. Helga Jank aus Groß Särchen hat seit November Ärger mit ihrem Telefonanbieter. Plötzlich war die Leitung tot. Die 85-Jährige setzt alle ihr möglichen Hebel in Bewegung. Doch der Konzern tut bislang nichts. Von Sascha Klein

22. November: Helga Jank steht in der Wohnstube und greift nach dem Mobilteil ihres Festnetzanschlusses. Sie wundert sich: Normalerweise bekommt sie regelmäßig Anrufe. Doch jetzt: nichts. Dann mutmaßt sie: Offenbar muss ihr Telefon eine Störung haben. Zunächst kann sie noch Anrufe tätigen, aber keine mehr empfangen. Dabei hat das Gerät doch bislang immer problemlos funktioniert. Sie probiert noch einmal und noch einmal – doch immer wieder das gleiche Ergebnis. Sie kann nicht angerufen werden. Hat der Apparat vielleicht einen Defekt? Die Antwort lautet: Nein. Das Telefon an sich funktioniert. Die 85-Jährige aus Groß Särchen ärgert sich. Dabei ist gerade dieses Telefon einer ihrer wichtigsten Kontakte zur Außenwelt. Sie besitzt weder Mobiltelefon noch Internet. „Das ist nichts mehr für mich“, sagt sie. Neue Technik, viele Fallstricke: Darauf verzichtet sie. Ihr reicht ihr herkömmlicher Festnetz­anschluss völlig aus. Doch wenige Tage später kann sie plötzlich auch andere nicht mehr anrufen. Die Leitung ist tot.

Wenn Helga Jank heute versucht, ihre Tochter oder eine Bekannte anzurufen, ist es nach wie vor das gleiche Spiel. Es funktioniert nicht. Auch nach sechs Wochen muss sie weiterhin auf das Telefon verzichten. Zwischendurch hat die resolute und wortgewandte Dame schon das eine oder andere Mal versucht, den Fall selbst in die Hand zu nehmen. Allerdings ist sie bislang an der Telekom und den verschlungenen Pfaden gescheitert, die Kunden manchmal nehmen müssen, wenn sie eine einfache Störung melden wollen.

Zunächst ist Helga Jank noch guter Hoffnung, das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Doch schon die Kunden-Hotline, die sie anruft – als sie es noch kann – bringt das erste Problem. Sie muss rund eine halbe Stunde warten, bis sie überhaupt jemanden an die Strippe bekommt. Sie erklärt ihren Fall und hofft, dass die Störung in wenigen Tagen erledigt ist. Doch: falsch gedacht. Stattdessen flattert ihr wenige Tage später ein Brief der Telekom ins Haus – mit einer Auftragsbestätigung für einen neuen Tarif – für „Magenta Zuhause S“. „Dabei habe ich nie etwas von einem anderen Tarif gesagt“, erzählt Helga Jank. „Ich wollte lediglich, dass die Störung behoben wird.“ Die Bereitstellung sollte am 8. Dezember 2017 sein.

Helga Jank wendet sich an ihren Nachbarn, schreibt von dessen E-Mail-Account eine Nachricht an die Telekom und storniert den vermeintlichen Auftrag. Zwei Tage später kommt das Schreiben, dass der Auftrag storniert ist. Die Telekom bedauert in dem Brief Helga Janks Entscheidung. Und trotzdem kann die fitte 85-Jährige, die selbst noch Auto fährt, immer noch nicht telefonieren. Am 9. Dezember schreibt ihre Tochter eine Mail an die Telekom. Auch sie hakt nach, weshalb der Anschluss seit Anfang Dezember komplett tot ist. Keine Reaktion.

Die 85-Jährige will nun einen richtigen Telekom-Mitarbeiter vor sich haben. Ihr Ziel: der T-Punkt im ­Hoyerswerdaer Lausitz-Center. Doch dort folgt die nächste Enttäuschung: „Mir wurde gesagt, dass die Mitarbeiter dort nicht dafür zuständig sind“, sagt Helga Jank. Wieder ist die Groß Särchenerin keinen Schritt weitergekommen.

14. Dezember, zur Abwechslung eine gute Nachricht: Plötzlich klingelt ein Mann in Telekom-Kluft an Helga Janks Tür. „Er sagte mir, dass etwas am Verteilerkasten nahe Krabats Vorwerk kaputt ist“, erzählt die Rentnerin. Die schlechte Nachricht: „Er sagte mir auch, dass er im Moment das passende Teil dafür nicht dabei hat“, so Helga Jank. Seit diesem Spontanbesuch ist Funkstille – sowohl in Sachen Reparatur als auch immer noch in Sachen ­Telefonanschluss. Langsam wird die Groß Särchenerin ungehalten. Am 17. Dezember schreibt sie einen Brief an die Telekom nach Bonn. Grober Inhalt: Für sie grenzt die Arbeitsmoral in diesem Fall an Gleichgültigkeit. Reaktion bislang: keine.

Jetzt hat sich die RUNDSCHAU des Falles angenommen und hat am Mittwoch offiziell bei der Telekom-Pressestelle nachgefragt. Dort heißt es: Wenn die Anfrage bearbeitet ist, gibt es eine Rückmeldung. So wartet Helga Jank zunächst weiter darauf, dass die Störung ihres Telefonanschlusses behoben wird. Inzwischen denkt sie auch darüber nach, sich die Dezember-Grundgebühr in Höhe von knapp 20 Euro von der Telekom zurückzuholen.