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Katholiken tanken geistige Kraft

Impression vom Freiluft-Gottesdienst. Besonders dabei: Dutzende Druschkis und die Madonnen-Figuren. Druschka wird ein unverheiratetes sorbisches Mädchen in Festtracht mit Bluse, Rock, Schürze, Brustschleife, Schulter- und Kopftuch sowie Ketten aus alten Geldstücken und Perlen genannt.
Impression vom Freiluft-Gottesdienst. Besonders dabei: Dutzende Druschkis und die Madonnen-Figuren. Druschka wird ein unverheiratetes sorbisches Mädchen in Festtracht mit Bluse, Rock, Schürze, Brustschleife, Schulter- und Kopftuch sowie Ketten aus alten Geldstücken und Perlen genannt. FOTO: amz1
Rosenthal/Ralbitz. Pfingstmontag in Rosenthal: Tausende Menschen aus allen Teilen der katholischen sorbischen Lausitz strömen in das Dorf mit der berühmten Wallfahrtskirche. Insgesamt zehn Prozessionen haben sich bereits am frühen Morgen, zumeist zu Fuß, auf den Weg begeben. amz1

Eine der weitesten Strecken mit rund zwölf Kilometern liegt vor den Gläubigen aus Ostro, die über das Kloster St. Marienstern nach Rosenthal kommen. Relativ kurz dagegen ist der Weg für die katholischen Sorben aus Ralbitz, dem östlichen Rosenthaler Nachbarort. Lediglich zweieinhalb Kilometer misst die Distanz zwischen beiden Orten.

Um Punkt 7.45 Uhr setzt sich die Ralbitzer Prozession ab der Heimatkirche in Bewegung. Vornweg schreiten die beiden Fahnenträger. Es folgt das hölzerne Kreuz, das diesmal David Statnik, Vorsitzender des sorbischen Dachverbandes Domowina, tragen darf. "Eine besondere Ehre", sagt er. Es folgen der Pfarrer sowie die Druschkis, unverheiratete Mädchen in der Tracht der katholischen Sorben. Darüber hinaus nehmen rund 200 weitere Ralbitzer ihre Wallfahrt nach Rosenthal auf.

Zunächst führt der stets von Gebeten begleitete Weg durch wogende Gersten- und Maisfelder. Erfrischend wirkt die Durchquerung des Lasker Auwaldes am Klosterwasser. Teils uralte Bäume spenden reichlich Schatten an diesem Morgen, an dem sich die Sonne durch die warm-feuchte Luft kämpfen muss. Als die Wallfahrer das Dörfchen Laske erreichen, erklingen Lieder. Alles auf Sorbisch, Deutsch spricht, betet und singt niemand.

Kaum sind Dorf und Auwald verlassen, wird der Blick auf das Ziel der Wallfahrt frei. Imposant zeichnet sich über der weiten Feldflur die Rosenthaler Kirche ab, am Horizont grüßen die blauen Berge der Oberlausitz. Am Ortseingang von Rosenthal gibt es einen kurzen Stopp, dann geht es ebenfalls singend in den Ort hinein. Schon von Weitem sind die Glocken zu hören. Es ist Wallfahrt im Sorbenland!

Im Laufe des Jahres ziehen die Prozessionen mehrfach nach Rosenthal. So zu Mariä Heimsuchung (2.Juli) und Mariä Geburt (8.September). Dann gibt es während der vorösterlichen Fastenzeit die Familienwallfahrt. Bereits eine Woche nach Pfingsten, Trinitatis, begeben sich die Jugendlichen nach Rosenthal. Und in den Sommerferien sind die Kinder an der Reihe.

Am Sonnabend vor Muttertag findet die Alten- und Krankenwallfahrt statt. Ebenfalls als Wallfahrt gilt der Dankesgottesdienst der Osterreiter am Osterdienstag. Bei den beiden letzteren Gottesdiensten wird allerdings nicht vorrangig zu Fuß gegangen.

"Rosenthal ist für uns Sorben das geistige Zentrum. Hier tanken wir neue Kraft", erklärt der Ralbitzer Journalist Rafael Ledschbor die Bedeutung der Wallfahrten. Nicht zuletzt hätten bereits viele Gläubige von der dort angebeteten Mutter Gottes Hilfe erfahren und wollten ihr danken.

Die Rosenthaler Wallfahrt geht bereits auf das Jahr 1680 zurück. Seitdem finden mehrfach im Jahr diese besonderen Gottesdienste statt. Anno 1984 wurde westlich der Kirche die große Festwiese gestaltet - mit Bühne und eingerahmt von den sorbischen Nationalbäumen, den Linden. Spielt das Wetter mit, finden dort die Wallfahrer-Gottesdienste statt, ansonsten in der Kirche.

Zu Gast ist an diesem Pfingstmontag der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers. In seiner Predigt zollt der Geistliche den Sorben "ganz großen Respekt", dass sie es über die Jahrhunderte immer wieder geschafft haben, ihre Identität zu bewahren. Mehr noch: Es sei gut, dass sie ihre Identität aktiv leben, ebenso ihre Verbundenheit mit der Kirche. "Denn das Kostbarste im Leben ist der Glaube an Gott", so der Bischof.