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Katastrophen-Kreuzung rückt wieder in den Fokus

Der Tunnelblick ist gewollt: Der Sichtschutz soll die Autofahrer zur vorsichtigen Annäherung an die Kreuzung zwingen.
Der Tunnelblick ist gewollt: Der Sichtschutz soll die Autofahrer zur vorsichtigen Annäherung an die Kreuzung zwingen. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Kamenz/Deutschbaselitz. Ein Kamenzer hat eine Online-Petition initiiert. Die Behörden sehen jedoch keinen Handlungsbedarf an der Jesauer Kreuzung der Staatsstraße 94. ume1

Es war ruhig geworden um die jahrelang als Katastrophen-Kreuzung" beschriebene Einmündung der Staatsstraße 97 zwischen Deutschbaselitz und Jesau in die Kamenzer Ostumfahrung (S 94). Im Jahr 2005 für den Verkehr freigegeben, sah sich die untere Straßenverkehrsbehörde bereits ein Jahr später gezwungen, die Auffahrt aus Richtung Jesau auf die S 94 dicht zu machen. Der Grund: zu viele Unfälle in zu kurzer Zeit.

Aus der ursprünglich angedachten Sperrung für maximal ein Jahr wurden letztendlich geschlagene sieben Jahre. Erst im Juni 2013 gab die Behörde die Kreuzung wieder frei, nachdem eine ebenso einfache wie verblüffende Lösung umgesetzt worden war: der Bau von Holzwänden entlang der untergeordneten Straße bis zum unmittelbaren Kreuzungsbereich - eine Idee des damaligen, zwischenzeitlich verstorbenen Leiters des Straßenbauamtes Bautzen, Roland Schultze. "Wenn die Kraftfahrer keine freie Sicht auf die Hauptstraße haben, sind sie gezwungen, sich vorsichtig anzunähern", hatte Schultze damals argumentiert und die anderen Entscheidungsträger überzeugt.

Und er schien Recht zu behalten. Vier Jahre lang passierte an der Kreuzung gar nichts. Bis zum 26. Juli dieses Jahres: An jenem verhängnisvollen Tag stießen zwei Autos zusammen. Ein Fahrer hatte die Vorfahrt missachtet. Die Folge: drei schwer und ebenso viele leicht Verletzte sowie zwei völlig demolierte Autos. Die Trümmer waren noch kaum von der Straße gekehrt, als der Vorfall auch schon seinen Widerhall im Internet fand - in Form einer Online-Petition . Deren Initiator, der Kamenzer Maik Godehardt, begründet dies mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit auf der Kreuzung. Und bislang haben 122 Gleichgesinnte unterschrieben. In ihren Kommentaren verweisen die Unterzeichner wiederholt auf die hohe Geschwindigkeit, mit der die Nutzer auf der Hauptstraße den Kreuzungsbereich überfahren: "An die vorgeschriebenen 70 km/h halten sich vielleicht zehn Prozent", heißt es unter anderem. Andere weisen auf die besondere Gefahr für Radfahrer, darunter viele Schulkinder, hin, die täglich die Kreuzung überqueren müssen.

Doch es gibt auch Gegenargumente: "Ein Kreisverkehr ist an dieser Stelle rechtlich unzulässig und stellt durch die Staugefahr, die Geschwindigkeitsreduzierung und die notwendige Größe der Mittelinsel eine enorme Behinderung des fließenden Verkehrs auf der S 94 dar, ohne die Unfallgefahr wesentlich zu reduzieren."

Das Landesamt für Straße und Verkehr (Lasuv) sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf: "Seit der Neuöffnung ist die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt mehr", erklärt Sprecherin Isabel Siebert. Und Weiter: "Bezüglich der Ergreifung von Maßnahmen wird daher von keiner Seite Handlungsbedarf gesehen. Die Veränderungen an der Kreuzung zur Unfallvermeidung sind wirksam. Aber einzelne Unfälle sind niemals hundertprozentig zu verhindern, an keiner Kreuzung gleich welcher Ausgestaltung."