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Kapelle in Sprey wird verhüllt und begast

Interessierte Spreyer haben sich an der Kapelle zur "Bauberatung" versammelt.
Interessierte Spreyer haben sich an der Kapelle zur "Bauberatung" versammelt. FOTO: amz1
Sprey. Die Kapelle in Sprey ist ganz aus Holz. An diesem haben sich die Larven des Holzbocks gütlich getan. Der Schaden ist so groß, dass das Innere der Kirche nun begast wurde. amz1

Sie sind nur wenige Zentimeter lang und messen im Querschnitt lediglich ein paar Millimeter. Doch die Schäden, die die beige-farbenen Larven des Hausbocks anrichten können, bieten allen Grund zur Sorge. Beispielsweise in der ausschließlich aus Holz bestehenden Kapelle zu Sprey. "Ohne Behandlung bestünde in ein bis zwei Jahren Einsturzgefahr", bringt Marco Müller das Dilemma auf den Punkt. Damit dies nicht geschieht, ist seine Firma, die Groli Schädlingsbekämpfung GmbH, aus Dresden nach Sprey gekommen. Die Fachleute wollen dem gefährlichen Holzschädling im uralten Gebälk endgültig den Garaus machen.

In der letzten Oktoberwoche ist es soweit. Zum Auftakt am Montag stellte Müller die Arbeiten interessierten Einwohnern vor. Diese wunderten sich, dass ihre Kapelle bereits seit Wochen mehr oder weniger verhüllt war. "Das ist erforderlich, denn wir müssen die Hausböcke begasen", erklärte Marco Müller. Dazu komme eine spezielle chemische Substanz zum Einsatz. Diese sei geruchlos und unsichtbar, werde über einen Schlauch in das Innere der Kapelle transportiert und müsse 72 Stunden wirken. Anschließend sollten alle Hausböcke tot sein.

Dies beträfe auch weitere Lebewesen in der Kapelle. Aus diesem Grund hatte die Nieskyer Biologin Christiane Schmidt die dort heimischen Fledermäuse im Vorfeld vergrämt. Mehr als 20 Tiere in zwei Arten kämen dort vor. Vögel würden in der Kapelle nicht leben.

Zurück zu den Holzschädlingen. Seit rund zwei Jahren seien immer wieder Häufchen von Bohrmehl gefunden und entsorgt werden müssen. Das sei in jüngster Zeit immer häufiger vorgekommen. "Daher waren wir regelrecht erschrocken", sagt Architekt Andreas Trauzettel. Dringender Handlungsbedarf bestand also. Mehr noch: Sei die Kapelle einmal eingerüstet, könne auch gleich das Dach neu eingedeckt werden. Das bestehe, wie das gesamte Bauwerk, aus Holz. Die jetzigen Lärchenschindeln würden durch Exemplare aus stabilerer Eiche ersetzt, kündigt Trauzettel an. Die letzte Dacheindeckung hatte es 1997 gegeben.

Spätestens bis zum 13.November sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein, kündigt der zuständige Pfarrer Daniel Jordanov an. Denn für den Volkstrauertag sei um 10.30 Uhr ein festlicher Gottesdienst in der Kapelle geplant.

Diese sei etwas ganz Besonderes. "Nämlich die einzige, gänzlich aus Holz bestehende Kirche in Deutschland", weiß Fachmann Wilfried Merke. Er gilt als Begründer des Begriffs "Schrotholzhäuser", also Gebäuden, die nur aus Holz, aber aus keinem Nagel bestehen. In der gesamten Lausitz gebe es von ihnen noch um die 150, darunter 80 Wohnhäuser.

Zum Thema:
Das Spreyer Kirchlein existiert seit dem Jahr 1522. In sechs Jahren jährt sich also die Erbauung zum 500. Mal. Anno 1780 gab es eine Komplettrenovierung. Der markante Dachreiter ziert die Kapelle seit 1951.