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| 02:44 Uhr

Kann eine Vorsperre die Blaualge stoppen?

Bautzen hat, was Quitzdorf vielleicht helfen würde: Einen Vorstau vor der eigentlichen Talsperre (hier mit Blick auf die "Abgottbrücke" der Bundesautobahn 4).
Bautzen hat, was Quitzdorf vielleicht helfen würde: Einen Vorstau vor der eigentlichen Talsperre (hier mit Blick auf die "Abgottbrücke" der Bundesautobahn 4). FOTO: ume1
Quitzdorf am See. Zahlreiche Versuche hat es in der Vergangenheit bereits gegeben, die Wasserqualität der Talsperre Quitzdorf zu verbessern. Die massenhafte Entwicklung von Blaualgen macht alljährlich das Baden, aber auch andere Freizeitaktivitäten zu einem fragwürdigen Vergnügen. Zu den Ideen gehört auch das Anlegen einer Vorsperre. Uwe Menschner / ume1

Warum in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Zuge des Baus der Talsperre Quitzdorf keine Vorsperre errichtet wurde, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen.

Das ungefähr zur selben Zeit entstandene "Schwesterbauwerk" in Bautzen jedenfalls erhielt ein solches Vorbecken, in dem sich die Sedimente und damit auch ein Großteil der Nährstoffe, die zum "Erblühen" der Blaualge führen, absetzen können. Freilich zeigt das Beispiel Bautzen auch, dass eine Vorsperre kein Allheilmittel darstellt: Auch hier gibt es regelmäßig Probleme mit dem grünlich-schleimigen Bewuchs.

Doch immerhin: Um 20 Prozent könnte die Konzentration des hauptsächlich verantwortlichen Phosphors zurückgehen, wenn das Wasser des Schwarzen Schöps zunächst durch eine Vorsperre fließen müsste.

Das hat jedenfalls die Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) in einer entsprechenden Untersuchung herausgefunden. Der Landesbetrieb benennt auch drei mögliche Standorte: die "Stauwurzel" des Hauptzuflusses sowie die Teilbecken Reichendorf bzw. Jänkendorf.

Freilich kann so ein Bauwerk nicht von heute auf morgen errichtet werden. So befinden sich rings um die Talsperre Gebiete, die den Status von Schutzgebieten nach der europäischen FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) genießen.

Hohe Kosten

Und auch die Kosten haben es in sich: Auf mehr als fünf Millionen Euro schätzt sie die LTV. Hinzu kommen Folgekosten für die Bewirtschaftung und Wartung des Vorbeckens von circa 750 000 Euro pro Jahr.

Als Einzellösung jedenfalls wird es den Bau einer Vorsperre kaum geben: "Ihr Bau ist nur im Zusammenhang mit einem Gesamtkonzept zur Verbesserung der Wassergüte in der Talsperre Quitzdorf zu sehen", so LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Dieses könnte beispielsweise auch die Fortführung der chemischen Behandlung vorsehen - so probierte man in diesem Jahr Eisenhydroxid (landläufig als "Rost" bezeichnet) aus, nachdem sich Aluminiumsulfat als nicht ausreichend wirksam erwiesen hatte. Allerdings wird die "chemische Keule" von den Anglern skeptisch gesehen, die um die Qualität der Fische fürchten.

Gute Nachrichten gibt es jedoch auch: So lag die Stauhöhe mit Stand vom 19. Januar bei 159,41 Metern über Normalnull, was annähernd exakt dem Zielwert entspricht - ebenso wie das Stauvolumen von 16,2 Millionen Kubikmetern.

Kein Vergleich zum Herbst 2015, als letzteres auf knapp acht Millionen Kubikmeter und somit die Hälfte des Normalwertes abgesunken war. Und der diesjährige Winter verspricht auch weiterhin einen ausreichenden Zulauf von frischem Nass.

Bautzen hat, was Quitzdorf vielleicht helfen würde: Einen Vorstau vor der eigentlichen Talsperre.