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| 21:39 Uhr

IG Metall kritisiert
Scharfe Kritik an Billiglohn-Lausitz

 Gewerkschafter Jan Otto spricht Klartext: „Gute Löhne sind ein Standortfaktor.“
Gewerkschafter Jan Otto spricht Klartext: „Gute Löhne sind ein Standortfaktor.“ FOTO: dpa / Jens Trenkler
Wittichenau. Gewerkschafter beklagt: Betriebe zahlen zu schlecht. Der Fachkräftemangel ist hausgemacht. Von Kathleen Weser

Die Lausitz ist eine Billiglohn-Region, die für Arbeitskräfte immer unattraktiver wird. Das kritisiert die Industriegewerkschaft (IG) Metall Ostsachsen. Im aktuellen Tarifstreit bei Maja-Möbel in Wittichenau (Landkreis Bautzen) ist sie deshalb so angriffslustig und kampfbereit wie nie zuvor. Das bestätigt Jan Otto, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ostsachsen. Auch beim Batteriehersteller Accumotiv in Kamenz, einer hundertprozentigen Tochter der Daimler Aktiengesellschaft, werde derzeit mit harten Bandagen um mehr Geld in den Lohntüten gekämpft.

„Gute Löhne sind ein Standortfaktor“, betont Jan Otto. Die Lausitz zahle zu schlecht, der bereits viel beklagte Mangel an Fachkräften sei hausgemacht. Und das werde noch schlimmer. Der IG Metall-Bevollmächtigte erkennt zwar an, dass es den Unternehmen – entgegen allen Erwartungen – gelungen ist, in der ländlichen Region auch „Industrie jenseit der Kohle“ aufzubauen. Doch in Ostsachsen zeige sich die Absurdität dieser Strukturentwicklung in der Nachwendezeit besonders: Der industrielle Aufbau mit Jobs für Geringverdiener funktioniere nicht mehr. Auch nicht mit dem milliardenschweren Kohlekompromiss, auf den für die Lausitz nun alle hofften. Es sei kein Ansturm von freigesetzten Beschäftigten aus der Energiewirtschaft auf die Unternehmen im ländlichen Raum zwischen Dresden und Berlin zu erwarten. „Bundes- und landespolitisch hat überhaupt noch keiner begriffen, was hier wirklich ab­geht“, behauptet der Gewerkschafter.