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| 11:53 Uhr

Neue Ausstellungsexponate
Von Lessings Kinderbild bis zu den Totenkronen

 Die hier von Matthias Hanke präsentierte Fabel-Illustration aus der Zeit des Dritten Reiches gehört zu den Exponaten, die am 28. Februar vorgestellt werden.
Die hier von Matthias Hanke präsentierte Fabel-Illustration aus der Zeit des Dritten Reiches gehört zu den Exponaten, die am 28. Februar vorgestellt werden. FOTO: Uwe Menschner
Kamenz. Einmal im Jahr präsentieren die Städtischen Sammlungen Kamenz unter dem Motto „Aus- und Vorgestellt“ ihre neu erworbenen Schätze. Am 28. Februar ist es wieder soweit. Von Uwe Menschner

Wer glaubt, zum aus Kamenz stammenden Dichter Gotthold Ephraim Lessing sei schon alles gesagt und geschrieben, der liegt weit daneben. „Es tauchen immer wieder neue Zeugnisse zu Lessings Leben und Schaffen auf und verleihen der Forschung neue Impulse“, weiß die Leiterin des Kamenzer Lessing-Museums, Dr. Sylke Kaufmann. Beispielsweise ein Brief, den ein gewisser Christian Hirschfeld im Jahr 1796 schrieb und in dem er auch Bezug auf (den damals bereits seit 15 Jahren toten) Dichter und Aufklärer nimmt. Dass der Brief nicht in der Albrecht'schen Quellensammlung zu Lessing vermerkt ist, die diesbezüglich als Standardwerk gilt, macht ihn besonders interessant. „Der Brief ist uns von einem Antiquariat aus München angeboten worden“, so Sylke Kaufmann. Ein Glücksfall, denn in der Regel stehen Einrichtungen wie das Lessing-Museum auf dem Antiquitätenmarkt im Wettbewerb mit gut betuchten Privatleuten, die ihre persönlichen Sammlungen komplettieren wollen.

„Uns steht ein Etat für Ankäufe zur Verfügung, der auch durch Fördermittel aufgestockt werden kann“, erläutert die Leiterin der Städtischen Sammlungen, zu denen neben dem Lessing-Museum auch das Sakralmuseum in der Klosterkirche St. Annen, die stadtgeschichtliche Ausstellung im Malzhaus sowie das Stadtarchiv gehören. Im Falle eines Angebots zum Direktkauf sind die Kosten kalkulierbar – anders als bei Auktionen. „Man glaubt gar nicht, wie viele kunsthistorisch wertvolle Objekte beispielsweise bei Ebay angeboten werden“, sagt Sylke Kaufmann. Bei einer solchen Versteigerung weiß man freilich nie, welche Preise am Ende herauskommen.

Im Falle des Bildes „Der junge Lessing“ ist es dem Lessingmuseum gelungen, es bei einem Hamburger Auktionshaus zu erwerben. Das Bild stammt laut Sylke Kaufmanns Einschätzung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der Künstler ist unbekannt. Auffallend ist, dass der dargestellte Junge tatsächlich wie ein Kind wirkt – anders als auf den meisten bekannten einschlägigen Darstellungen. „Wir können nicht beweisen, dass es sich tatsächlich um Gotthold Ephraim Lessing handelt“, betont die Museumsleiterin, die in dem Porträt ein „interessantes Rezeptionszeugnis“ sieht.

Rezipiert wurde Lessing durchaus auch in der Zeit des dritten Reiches, wobei die Wahrnehmung höchst selektiv war. „Der Nathan beispielsweise passte gar nicht zu der damals herrschenden Ideologie“, erklärt der stellvertretende Leiter des Lessing-Museums, Matthias Hanke. Mit den Fabeln des Dichters hingegen konnten auch die Nationalsozialisten etwas anfangen und ließen dem Zeitgeist entsprechende Illustrationen anfertigen. Und ein Band mit Totenmasken aus den 1940er-Jahren stellt ein „morbides Walhalla, eine für diese Zeit typische Auseinandersetzung mit dem Tod“ dar. Das Lessing-Museum bereitet im Übrigen eine Sonderausstellung zum Thema „Lessing und das dritte Reich“ für 2020 vor.

Freilich beschränkt sich die Arbeit der Städtischen Sammlungen nicht auf den größten Sohn von Kamenz. So stellt das Sakralmuseum am 28. Februar eine Sammlung von Totenkronen vor, die sonst nicht öffentlich zu sehen ist. „Totenkronen bekamen unverheiratet Verstorbene, sie sollten das Nachholen der Hochzeit symbolisieren“, erklärt Sylke Kaufmann. Das Stadtarchiv zeigt, wie es sich am Landesdigitalisierungsprogramm beteiligt: „Es hat etwa 100 Titel aus der Thorschmidt-Möller-Sammlung digital zugänglich gemacht“, sagt die Leiterin der Städtischen Sammlungen. Die Sammlung entstand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Freiberg und kam über persönliche Beziehungen eines Kamenzer Bürgermeisters in die spätere Lessingstadt, wo sie den Grundstock für die Ratsbibliothek bildete.

Die Veranstaltung „Aus- und Vorgestellt“ findet am Donnerstag, 28. Februar, um 19 Uhr, im Röhrmeisterhaus des Lessing-Museums, Lessingplatz 1 in Kamenz, statt.