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| 08:17 Uhr

Eisenbahn-Streit in Ostsachsen
Städtebahn will wieder fahren

 Die Sächsische Städtebahn soll bald wieder auf vier Strecken fahren.
Die Sächsische Städtebahn soll bald wieder auf vier Strecken fahren. FOTO: LR / Catrin Würz
Laußnitz/Kamenz. Bahn-Unternehmen schiebt Leasingfirma Alpha Trains jetzt den schwarzen Peter zu. Von Sascha Klein

Nach der Betriebseinstellung und dem Insolvenzantrag der Städtebahn Sachsen hat Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin am Dienstag angekündigt, dass das Unternehmen in wenigen Tagen wieder den Betrieb auf den vier Strecken aufnehmen könnte – darunter auch die RB 34 von Dresden nach Kamenz, die in diesem Sommer punktuell per „Seenlandbahn“ bis Senftenberg verlängert wurde. Betroffen ist auch die Strecke von Dresden nach Königsbrück (RB 33) sowie die Verbindungen von Pirna über Neustadt nach Sebnitz (RB 71) und von Dresden über Heidenau nach Altenberg (RB 72, RB 19).

Insolvenzverwalter Dr. Stephan Laubereau habe mit allen Beteiligten sehr konstruktive Gespräche geführt, teilt Torsten Sewerin in einer Mitteilung mit. Der Freistaat würde bis zu einer Notvergabe Finanzmittel für einen Übergangsbetrieb bereitstellen. Das hatte Staatssekretär Stefan Brangs kürzlich in einem Statement des Verkehrsverbundes Oberelbe angekündigt.

Allerdings schiebt Städtebahn-Geschäftsführer Sewerin jetzt dem Unternehmen Alpha Trains, von dem die Städtebahn die 15 Dieseltriebwagen für die vier Strecken geleast hatte, den schwarzen Peter zu. Dies sei der einzige Partner, der laut Sewerin „hier momentan Probleme verursacht“. Er wirft dem Unternehmen vor, es würde „lieber eine Bürgschaft in Höhe von 1,75 Millionen Euro ziehen als die Fahrzeuge wieder rund um Dresden einzusetzen“. Die RUNDSCHAU hat am Dienstagnachmittag bei der Firma Alpha Trains in Köln um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten. Bis zum Redaktionsschluss hat das Unternehmen jedoch nicht geantwortet.

Städtebahn-Geschäftsführer Sewerin betont weiter, dass es in Deutschland keinen funktionierenden Markt für die Anmietung gebrauchter Züge gebe. Eisenbahnunternehmen wie die Städtebahn und andere seien darauf angewiesen, entweder von Privatunternehmen wie Alpha Trains oder von einer landes- oder aufgabenträgereigenen Leasinggesellschaft wie in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg Fahrzeuge zu leasen.

Und Sewerin macht weiter Druck, damit die Städtebahn zunächst weiterfahren kann, solange kein Nachfolger gefunden ist: Am 15. August stehe die nächste Gehaltszahlung für die 100 Beschäftigten der Städtebahn Sachsen an. Insolvenzausfallgeld sei nur dann von der Städtebahn Sachsen zahlbar, wenn der Betrieb fortgeführt würde und für die Lohnkosten eine Zwischenfinanzierung zur Verfügung stehe. Ansonsten würden sich die Beschäftigten anderweitig bewerben und für Nachfolger in Ostsachsen nicht mehr zur Verfügung stehen.

Derweil plant der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) weiterhin, die vier vakanten Strecken mittels einer Notvergabe wieder zu aktivieren. Wie VVO-Sprecher Christian Schlemper auf RUNDSCHAU-Nachfrage betont, hofft das Unternehmen, einen Anbieter zu finden: „Unsere Prämisse ist: Wer kann am Schnellsten wieder die Zugverbindungen anbieten.“

Die Städtebahn Sachsen hatte den Zugverkehr am 25. Juli eingestellt und dies mit mangelnder Pflege der Trassen begründet. Die Deutsche Bahn hatte das dementiert. Leasingfirma Alpha Trains hatte wegen vielfacher Schäden an den Zügen den Leasingvertrag gekündigt. Der VVO nahm nach 72 Stunden ohne Zugverkehr sein Sonderkündigungsrecht wahr und kündigte den Vertrag mit der Städtebahn.