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| 14:29 Uhr

Landesgartenschau in Sachsen
Kamenzer sehen in der Laga Chance für eine Industriebrache

 Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt.
Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt. FOTO: Uwe Menschner
Kamenz. Zwei Mal ist Kamenz bereits mit seinen Bewerbungen für die Landesgartenschau gescheitert. Das lag vor allem an einem speziellen Manko. Von Uwe Menschner

Wer mit dem Zug nach Kamenz kommt, wähnt sich fast in einem Wald. Zumindest, wenn er vor dem Aussteigen den Blick über die dem Bahnsteig gegenüberliegende Umgebung schweifen lässt. Denn dort wächst allerorten frisches Grün zwischen den Mauerresten des früheren Güterbahnhofs.
„Ein bisschen Natur in der Stadt ist ja ganz schön, aber die Urbanität sollte schon gewahrt bleiben“, findet Sandro Gebler. Der CDU-Kandidat für die Stadtratswahl ist Inhaber eines Landschafts- und Gartenbaubetriebes und hat daher ein ganz spezielles Auge für das sprießende Grün. Gemeinsam mit Torsten Petasch, der ebenfalls für den Stadrat antrat, hat er die Idee entwickelt, die Landesgartenschau 2025 in die Lessingstadt zu holen.

„Wir haben eine riesige innerstädtische Brache in Kamenz, die die Stadt niemals aus eigener Kraft sanieren kann“, erklärt dieser. Sie beginnt dort, wo die Bahnhofstraße auf einer Brücke die Gleise überquert und erstreckt sich über das Gelände des früheren Güterbahnhofs, das Bahnbetriebswerk und das Glaswerk einen ganzen Kilometer nach Norden. Ein Areal von gut 20 Hektar, geprägt von teils ruinösen, teils aber auch noch nutzbaren Industriegebäuden, von wild wachsenden Birken und Pappeln und möglicherweise auch Böden, die manches aufnehmen mussten, was da eigentlich nicht hineingehört.

„Das in Rede stehende Areal eignet sich dem ersten Anschein nach hervorragend für die Ausrichtung einer Landesgartenschau“, sagt auch Horst Bergmann. Der Geschäftsführer des Sächsischen Landesverbandes Garten- und Landschaftsbau gehört seit Beginn der Jury an, die über die Vergabe der Landesgartenschau entscheidet, und hat die Bewerbungen der Stadt Kamenz bereits zweimal abgelehnt, wie er freimütig bekennt. „Nicht, weil die Ideen nicht gut genug waren, sondern weil ich nicht den Eindruck hatte, dass die Stadtgesellschaft einmütig hinter der Bewerbung steht“, erklärt er.
Die Schauen der Jahrgänge 2002 und 2012 wollte Kamenz nutzen, um das Herrental – damals noch eine weitere innerstädtische Industriebrache – auf Vordermann zu bringen. Zuerst unterlag die Lessingstadt  Großenhain, beim zweiten Mal  Löbau – beides Städte in der näheren Umgebung, die nachhaltigen Nutzen aus der Gartenschau ziehen konnten. In Löbau bildet das Gelände der früheren Zuckerfabrik im Tal des Löbauer Wassers ein beliebtes Ausflugsziel, und in der im Zuge der Schau errichteten Messehalle finden Veranstaltungen statt, die Publikum aus einem weiten Umkreis anlocken.

„Die Bepflanzung ist nur die Fassade für das, was eine Landesgartenschau eigentlich darstellt: Einen großen Schub für die nachhaltige Stadtentwicklung“, betont Horst Bergmann. Das lässt sich der Freistaat Sachsen 3,5 Millionen Euro an direkten Zuschüssen kosten, die zur Kofinanzierung im Rahmen von Förderprogrammen eingesetzt und somit „multipliziert“ werden können. In Frankenberg, Ort der diesjährigen Landesgartenschau, gelangen auf diese Weise Investitionen in Höhe von 25 Millionen Euro, von denen die Stadt vier Millionen stemmen musste. Freilich ist auch das noch eine gewaltige Summe, die von einer vergleichsweise kleinen Kommune erst einmal aufgebracht werden muss.

Und genau hier muss abgewogen werden, „ob wir diese finanzielle Belastung leisten können“, wie Thomas Lieberwirth, Stadtrat der Linken, sagt. „Auch wenn ich als Kritiker gelte, bin ich dafür, sich mit der Idee einer Landesgartenschau in Kamenz zu beschäftigen“, betont er. „Uns muss klar sein, dass es neben den Chancen auch Risiken gibt. Wenn wir das wirklich angehen, müssen wir die Schwerpunkte in unserer Finanzplanung verschieben“, so Lieberwirth.

Ein bisschen Zeit hat Kamenz für diese Prüfung: Im dritten Quartal 2020 muss die Stadt ihre Bewerbungsunterlagen einreichen – vorausgesetzt, der Landtag verabschiedet das erforderliche Gesetz, dass die Schau 2025 überhaupt ausgerichtet wird. „Das wird von Mal zu Mal neu entschieden, bis jetzt ist es aber immer passiert“, so Jochen Heinz, der Geschäftsführer der Landesgartenschau gGmbH, die die Schauen vonseiten des Freistaates begleitet.

 Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt.
Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt. FOTO: Uwe Menschner
 Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt.
Der frühere Güterbahnhof markiert den Beginn der riesigen Brache, die sich über einen Kilometer und auf 20 Hektar nach Norden erstreckt. FOTO: Uwe Menschner