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Kamenz feiert mit Weltmeistern

Das Konzert der Weltmeister: Der Spielmannszug Oberlichtenau tritt vor dem Kamenzer Rathaus auf.
Das Konzert der Weltmeister: Der Spielmannszug Oberlichtenau tritt vor dem Kamenzer Rathaus auf. FOTO: amz1
Kamenz. Mit dem abendlichen Einzug der Kinder in die Stadt ist das Kamenzer Forstfest 2017 zu Ende gegangen. Und das mit zwei Paukenschlägen. amz1

Insgesamt nahmen rund 1400 Schüler an den traditionellen Festumzügen teil, so viele wie schon viedle Jahre nicht mehr, resümiert Oberbürgermeister Roland Dantz. Im vergangenen Jahr waren es laut Thomas Käppler, dem Referenten des Oberbürgermeisters, 1276 Teilnehmer, 2015 lediglich 1173 und in den Jahren zuvor weit weniger als 1000. Der Rekord sei nur teilweise auf den frühen Schuljahresbeginn in Sachsen zurückzuführen.

Vielmehr existiere eine enge Verbundenheit der Kamenzer zu ihrem Forstfest, die von Generation zu Generation weitergegeben werde. Als Beispiel führt das Stadtoberhaupt die 103-jährige Elfriede Westpfahl an, die in diesem Jahr beim montäglichen Festzug als Zuschauerin dabei war. Die Seniorin nahm im Jahr 1921 als Schülerin erstmals am Forstfest teil.

"Unser Forstfest schweißt zusammen. Es weckt heimatliche Gefühle. Und es gibt unserem Leben Sinn und Halt", so Roland Dantz. Tatsächlich kommen viele ehemalige Kamenzer im August in ihre Heimatstadt zurück, um das Forstfest nicht zu verpassen. So tragen sie ihre Verbundenheit mit der Lessingstadt in die Welt hinaus.

Stichwort Forst: Konkret handelt es sich um den Spittelforst im Kamenzer Südosten, in dem sich auch der große Festplatz befindet. Die Stadt gehört nach Angaben der Stadtverwaltung zu den größten kommunalen Waldbesitzern in Sachsen. Der Kommunalwald habe eine Fläche von rund 925 Hektar. Auf den Spittelforst entfallen dabei gerade mal 16 Hektar. Erst im vergangenen Frühjahr wurden hier zahlreiche neue Bäume gepflanzt, um den Wald zu verjüngen. Das Areal gilt als beliebtes Naherholungsgebiet der Kamenzer.

Das Forstfest-Finale bildet traditionsgemäß der Einzug der Kinder vom Forst in die festlich erleuchtete Innenstadt, konkret vor das Rathaus am Marktplatz. Am Bartholomäustag, dem 24. August, sammeln sich die Steppkes direkt im Forst, die etwas älteren auf dem Aldi-Parkplatz an der Uferstraße. Die Grundschüler tragen Lampions, ab der 7. Klasse dürfen Fackeln mitgeführt werden, die die Feuerwehr zur Verfügung stellt. Die Kinder laufen jeweils in ihren Klassen der drei Kamenzer Grund-, zwei Oberschulen sowie des Gymnasiums. Nach Angaben von Heike Braniek, Lehrerin an der 1. Oberschule, sind rund 90 Prozent der Schüler mit von der Partie. Vorweg geht der Träger der Klassenfahne. Unter den "Vivat-Vivat-Hoch"-Rufen, zu denen Lampions und Fackeln gen Himmel gestreckt werden, geht es über die Bautzener Straße zum Marktplatz. Mit dabei sind mehrere Musikensembles.

Das Forstfest geht einer Sage zufolge auf einen bevorstehenden Angriff der Hussiten auf die Elsterstadt zurück. Das soll bereits im Jahr 1432 gewesen sein. Die Kamenzer schickten demnach ihre Kinder weiß gekleidet ins Hussitenlager. Die Feinde waren vom Anblick gerührt und ließen die Stadt in Ruhe. Die Kinder aber zogen freudestrahlend zurück nach Kamenz. Das Forstfest geht indes auf den Direktor der Stadt- und Bürgerschule, Dr. Leuner, zurück. Gefeiert wird bereits seit dem Jahr 1845.

Zum Abschluss des diesjährigen Festes wird es sogar weltmeisterlich. Das ist neben dem Teilnehmerrekord der zweite Paukenschlag. Denn niemand Geringeres als der Spielmannszug Oberlichtenau sorgt für feierliche Unterhaltung. Kurz bevor die Kinder auf dem Marktplatz eintreffen, präsentiert das Marsch- und Drillkontingent als Paradeformation, was es so drauf hat. Und das ist eine ganze Menge. Nicht umsonst haben die Oberlichtenauer Spielleute erst Ende Juli die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in den Niederlanden erspielt. Tatsächlich verspürt so mancher Besucher beim Forstfest-Auftritt eine Gänsehaut, als die Musiker die ersten Töne anstimmen.

Dass es auch im Jahr 2018 wieder ein Kamenzer Forstfest geben wird, steht schon jetzt fest. Dann allerdings auf einem noch schöneren Marktplatz. Denn das Schmuckkästchen der Lessingstadt wird gerade neu gestaltet - planmäßig bis zum Ende des Jahres.