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Ehrung
Jury fordert mehr Interesse für Sorbisch

Gemeinsame Ehrung für die in Schleife anwesenden Teilnehmer des dritten Wettbewerbs „Die sorbische Sprache lebt“.
Gemeinsame Ehrung für die in Schleife anwesenden Teilnehmer des dritten Wettbewerbs „Die sorbische Sprache lebt“. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Schleife. Hoyerswerda, Lohsa und Crostwitz heißen die Sieger im dritten Wettbewerb „Die sorbische Sprache lebt“. Allerdings haben 28 weitere zweisprachige Kommunen nicht teilgenommen. Von Torsten Richter-Zippack

Insgesamt 42 Kommunen gehören zum sorbischen Siedlungsgebiet in Sachsen. Aber nur 14 haben sich in die dritte Auflage des Wettbewerbs „Die sorbische Sprache lebt“ eingebracht. Bei den vorangegangenen Ausscheiden war die Resonanz kaum anders.

Maria Michalk, Vorsitzende des Sorbenrates im Freistaat, bedauert die geringe Beteiligung: „Das ist natürlich schade, denn bei unserem Wettbewerb kann man nur gewinnen. Außerdem, so finde ich, muss jeder einzelne etwas dafür tun, dass die sorbische Sprache weiterlebt.“

Michalk sieht für die niedrige Resonanz mehrere Gründe. Zum einen könnten die Kommunen den Ausscheid, der Anfang Februar 2017 gestartet war, schlicht vergessen haben. Zum anderen sei es nicht ausgeschlossen, dass manche Stadt und manche Gemeinde schlicht kein Personal für die Bewerbung hätte abstellen können. Ein weiterer Faktor sei der Zeitmangel. Und nicht zuletzt, so vermutet Michalk, sei es durchaus denkbar, dass mancher den Ausscheid als „lästig“ erachte. Schließlich könne es hier und dort auch unbequem sein, sich über die Zweisprachigkeit im Heimatort Gedanken machen zu müssen.

Bereits seit Jahrzehnten kursiere in der Oberlausitz die Zahl von 40 000 sorbisch sprechenden Menschen. „Das dürften aber längst nicht mehr so viele sein“, glaubt die ehemalige Bundestagsabgeordnete und sorbische Muttersprachlerin. Doch es gebe auch Lichtblicke. So würden immer mehr Familien erkennen, welche Vorteile Mehrsprachigkeit mit sich bringe, Stichwort vereinfachte Kommunikation mit den Nachbarn in Polen und Tschechien, so Michalk.

Beim dritten Sprachenwettbewerb hat indes die Mittellausitz kräftig abgesahnt. Hoyerswerda und Lohsa tragen erste Preise nach Hause. Ebenfalls auf das oberste Treppchen stürmt Crostwitz, der wohl sorbischste Ort der Lausitz überhaupt. Gabriela Linack ist im Hoyerswerdaer Rathaus zwar eine der ganz wenigen sorbischen Muttersprachlerinnen, wie sie selbst sagt, doch werde der westslawischen Sprache große Bedeutung beigemessen. Zwei Azubis besäßen ebenfalls Sprachkenntnisse, zudem habe es für die Mitarbeiter mehrere Sprachkurse gegeben. Darüber hinaus, so Linack, gebe es anderswo kaum so viele Vereine, die sich die Pflege des sorbischen Brauchtums auf die Fahnen geschrieben haben, als in der Elsterstadt. Allein im Ortsteil Zeißig, in dem Gabriela Linack seit rund 40 Jahren lebt, existierten drei dieser Gremien. Mehr noch: „Wir pflegen bereits seit dem Jahr 2002 unseren monatlichen sorbischen Gesprächskreis“, weiß die Expertin.

Grit Pelzer ist dem Sorbischen zwar nicht mächtig, besitzt aber entsprechende familiäre Wurzeln. Die aus dem abgebaggerten Ratzen stammende Lohsaer Sorbenbeauftragte und Bibliothekarin sagt, dass ihre Gemeinde ohne Wenn und Aber hinter dem sorbischen Siedlungsgebiet stehe. Für die Teilnahme am Sprachwettbewerb habe es sogar einen Beschluss des Gemeinderates gegeben. Die Gemeinde gebe sich alle Mühe, dass in der örtlichen Mittelschule zukünftig wieder die westslawische Sprache unterrichtet werden könne. Das Angebot musste vor Jahren aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt werden.

Die 15-köpfige Jury des Ausscheides „Die sorbische Sprache lebt“ habe sich ihre Entscheidungen nicht leicht gemacht, erklärt indes Lenka Thomas vom Sorbenrat. Maria Michalk ergänzt, dass gemeinsam mit dem Schirmherren des Wettbewerbs, Landtagspräsident Matthias Rößler, vier der 14 Teilnehmerkommunen bereist wurden. „Wir haben dabei auch ganz spontan Bürger auf der Straße befragt“, erinnert sich die Politikerin. So sei ein breiter Querschnitt von Meinungen zusammengetragen worden.

Ob es indes eine vierte Auflage des Sprachenwettbewerbs geben wird, entscheide der Sorbenrat als Ausrichter. Bislang fanden die Ausscheide immer im Abstand von rund fünf Jahren statt.