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Junges Spinnerei-Projekt ringt um Akzeptanz für sein Vorhaben

Neustadt. Die alte Holzwollfabrik in Neustadt soll zu einer Bildungsstätte für ökologisches Leben und Bauen umgestaltet werden. Das planen die Mitglieder des Spinnerei-Vereins. trt1

Im Dorf an der Spree stößt das Vorhaben nicht nur auf Gegenliebe. Einmal mehr geht es um die Kohle.

Eines stellt Friederike Böttcher gleich zu Beginn ihrer Projektpräsentation bei der Einwohnerversammlung in Neustadt klar: "Wir sind definitiv keine bezahlten Umweltaktivisten. Dieses Gerücht, das im Dorf die Runde macht, stimmt einfach nicht." Allerdings verschweigt die Vertreterin des Vereins "Eine Spinnerei - vom nachhaltigen Leben" nicht, dass sich der Verein gegen die Erweiterung des nahen Tagebaus Nochten einsetze. Dafür existiere ein "bürgerschaftliches Bündnis". Und der Verein gibt eine Zeitschrift heraus, die von manchen Neustädtern als "Hetzblatt" bezeichnet wird. Daher sei die Skepsis gegenüber dem Projekt bezüglich der alten Holzwollfabrik nicht unerheblich, heißt es vonseiten derer, die das Projekt eher distanziert betrachten. Während der Einwohnerversammlung machte die Aussage die Runde, dass, wer gegen die Kohle sei, sich auch gegen Neustadt stelle. Denn im Vergleich zu benachbarten Orten arbeiteten überdurchschnittlich viele Einwohner in der Gewinnung, Verstromung und Veredlung des Bodenschatzes.

"Die Kohle ist nun mal unser wichtigster Wirtschaftsfaktor", sagt auch der Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine. Er empfiehlt den jungen Leuten, mehr auf die Neustädter zuzugehen. Das ehrgeizige Vorhaben sei durchaus eine Bereicherung für den Ort, allerdings müssten die Einheimischen mitgenommen werden, rät der Kommunalpolitiker.

Die ehemaligen Industrieanlagen befinden sich am nördlichen Ende von Neustadt, direkt an der Spree gelegen. Dort hat der Spinnerei-Verein, benannt nach der einstigen Produktionsschiene, seinen Sitz. Friederike Böttcher und weitere Mitstreiter wohnen bereits seit einigen Jahren in dem sanierungsbedürftigen Gebäude und planen jetzt eine Revitalisierung des Ensembles. "Uns schwebt mittels Seminaren und Bauworkshops ein Ausbau der alten Fabrik vor", sagt Böttcher. Zum Einsatz sollten in erster Linie recycelte und natürliche Materialien kommen. Derzeit werde an der Baugenehmigung gearbeitet. Finanziert werden solle der Umbau unter anderem durch Fördermittel aus der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) sowie durch private Unterstützer. Vorgesehen ist eine zeitnahe Teilinbetriebnahme und eine Komplettfertigstellung für die Jahre 2021/2022. Das alte Fabrikgebäude soll künftig nur für Veranstaltungen genutzt werden. Weitere Wohnungen seien nicht vorgesehen.