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| 16:50 Uhr

Foucault-Gymnasium
Junge Bildhauer stellen aus

 Auch die Elftklässler vom Leon-Foucoult-Gymnasium arbeiteten parallel zum 12. Bildhauersymposium an ihren Skulpturen. Ihre Kunstwerke wollen die Schüler nach der Ausstellung in der Schule in den heimischen Gärten ihrer Eltern aufstellen.
Auch die Elftklässler vom Leon-Foucoult-Gymnasium arbeiteten parallel zum 12. Bildhauersymposium an ihren Skulpturen. Ihre Kunstwerke wollen die Schüler nach der Ausstellung in der Schule in den heimischen Gärten ihrer Eltern aufstellen. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Die Elftklässler vom Foucault-Gymnasium stellen ab heute in den Eingangsbereichen der Schule ihre Sandstein-Skulpturen aus. Gemeißelt wurden die Plastiken beim 12. Bildhauersymposium im Rahmen der 26. Studienwoche „Lernen in Projekten“. Von Rita Seyfert

Mindestens einmal hätte Jenna (17) am liebsten Hammer und Meißel hingeworfen. Trotz anfänglicher Sehnenscheiden-Entzündung der Handgelenke hielt sie wacker durch und vollendete ihre Plastik. Wie sich bei der Verteidigung ihrer Sandstein-Skulpturen am Montag im ehemaligen Trampeltier-Gehege im Zoo Hoyerswerda herausstellt, litten Jennas Klassenkameraden ähnlich an Muskelkater.

Nichtsdestotrotz, die Jury vom Léon-Foucault-Gymnasium zeigt sich beeindruckt. Vor allem Kunstlehrerin Ines Lenke ist stolz auf ihre Elftklässler. „Ich bin absolut zufrieden“, sagt sie. Und: „Ich wäre stinksauer, wenn das nur ein ‚sehr gut’ und keine ‚Auszeichnung’ wird.“ Die Punktzahl ist bereits fürs Abitur wichtig.

Das Bildhauern ist eins von insgesamt acht Projekten, die vom 20. Juni bis 1. Juli im Rahmen der 26. Studienwoche am Léon-Foucault-Gymnasium stattfanden. Wie Projektmanager Holger Köhler berichtet, arbeiteten die Elftklässler in ihren Projektgruppen auf hohem wissenschaftlichen Niveau.

 Holger Köhler, Projektmanager der 26. Studienwoche "Lernen in Projekten" am Léon-Foucault-Gymnasium.
Holger Köhler, Projektmanager der 26. Studienwoche "Lernen in Projekten" am Léon-Foucault-Gymnasium. FOTO: LR / Rita Seyfert

Nicht nur die Bildhauer meißelten fleißig an ihren Plastiken. „Auch die anderen Elfklässler stellten in ihrer Projektzeit einiges auf die Beine“, berichtet Projekt-Leiter Köhler. So probten die Schauspieler in der Theaterwerkstatt für „Das Haus“ von Thomas Möller. Die Techniker bastelten Video-Tutorials zur Benutzung von Taschenrechnern. An DDR-Geschichte-Interessierte recherchierten zu 30 Jahre Mauerfall. Natur-Fans forschten, ob die Essenzen von Lavendel und Orange das Lernen fördern oder hemmen. Fremdsprachler entwickelten ein deutsch-französisches Kochbuch oder unterrichteten Viertklässler der Grundschulen „Am Adler“ und „Am Stadtrand“ in Englisch. Und diejenigen mit zwei rechten Händen nahmen sich der Bushaltestelle an der Wendeschleife neben dem Gymnasium an.

Einer, der letzteres Projekt als externes Jury-Mitglied technisch begutachten durfte, ist Foucault-Hausmeister Steffen Mütze: „Die Schüler mussten die Sanierung der Bushaltestelle selbständig planen und durchführen“, erklärt er. Dabei hätten sie saubere Arbeit geleistet, wie er findet. In mehreren Arbeitsschritten kratzten sie alte Farbschichten ab, trugen weiße Grundierung auf, sprühten bunte Farbe an, verschraubten eine neue Fahrplantafel, einen Mülleimer und stellten Bänke auf. Auch im Umfeld wurde aufgeräumt, Hecken geschnitten und Unkraut gejätet.

 Ausgezeichnete Arbeit! Steffen Mütze, Hausmeister am Foucault-Gymnasium, beurteilte als externes Jury-Mitglied das Projekt der Elftklässler zur Verschönerung der Bushaltesstelle.
Ausgezeichnete Arbeit! Steffen Mütze, Hausmeister am Foucault-Gymnasium, beurteilte als externes Jury-Mitglied das Projekt der Elftklässler zur Verschönerung der Bushaltesstelle. FOTO: LR / Rita Seyfert

Damit jeder über die Projekte seiner Mitschüler auf dem Laufenden ist, werden die Ergebnisse heute groß präsentiert. Auch die Plastiken der jungen Bildhauer haben längst ihren öffentlichen Platz am Haupteingang und den beiden Nebeneingängen von Haus eins und zwei gefunden. Teils mussten vier Männer anfassen, um die etwa 100-Kilo-Kolosse zu transportieren.

Besucher können die Kunstwerke noch bis zum Tag der offenen Tür im Januar 2020 bestaunen. Danach holen die jungen Künstler ihre Plastiken mit der Sackkarre ab. In den Familien wird bereits diskutiert, in welcher Ecke vom Garten die Statuen am besten zur Geltung kommen. Manche der Skulpturen könnten mit der richtigen Pflege sogar noch die kommenden Generationen erfreuen.

Doch jetzt steht erst noch die Präsentation vom Bildhauer-Projekt an. Dafür haben Francis (17) und Max (17) sogar ein kleines Video vorbereitet. Gezeigt werden soll, mit wie viel Staub, Schweiß und Pannen sie kämpften. Mehr als einmal brachen beispielsweise Nasen, Ohren oder Schnauzen ab. Dann mussten sie improvisieren und die detailreichen Konturen mit viel Muskelkraft noch tiefer aus dem Stein herausarbeiten.

Auch die fast schon tropische Hitze brachte die Schüler an ihre Grenzen. Glücklicherweise gab es ein Bassin zum Kühlen der Getränke und eine Dusche, um hin und wieder Beine, Nacken und Gesicht zu erfrischen.

Eins ist sicher, auch persönlich haben die Jugendlichen profitiert. Kunstlehrerin Ines Lenke: „Es klingt vielleicht doof, aber die Schüler sind jetzt ein bisschen erwachsener.“ Auch die Zusammenarbeit habe eine neue Qualität erreicht. So hätten die Schüler an Durchhaltevermögen gewonnen, seien kritischer, aber auch toleranter gegenüber der Arbeit ihrer Mitschüler geworden.