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| 21:01 Uhr

Streit um landwirtschaftliche Nutzflächen
Jungbauer ringt um Ackerland bei Wittichenau

 Fabian Schnabel, Jungbauer aus Wittichenau.
Fabian Schnabel, Jungbauer aus Wittichenau. FOTO: Anja Paumen
Wittichenau. Landwirtschaftliche Flächen sind begehrt. Und der Freistaat Sachsen greift gern zuerst zu. Jetzt auch bei Wittichenau. Von Anja Paumen

Fabian Schnabel ist gelernter Landwirt aus Wittichenau. Nach seiner Lehre hat er zwei Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet, dann sieben Jahre in der Landschaftspflege erst auf Montage, jetzt bei einem regionalen Unternehmen. Er hat daheim Schafe und Pferde. Seine Zukunft will er selbst gestalten. „Ich will das machen, was ich gelernt habe,“ sagt der 28-Jährige. Landwirt sein. „Ich möchte Landwirt im Nebenerwerb werden. Wenn das gut läuft, will ich das auch hauptberuflich machen.“ Aber um Landwirt zu sein, braucht man Land.

Die landwirtschaftliche Fläche in Sachsen ist stabil mit leichten Verlusten in den letzten 15 Jahren. Die Pachtpreise für Ackerland sind dagegen rasant gestiegen. Sie haben sich im gleichen Zeitraum fast verdoppelt – von rund 100 Euro auf fast 200 Euro pro Hektar. Eigenes Ackerland ist für Bauern doppelt von Vorteil. Sie sparen die Pacht und haben Planungssicherheit. Ein Pachtvertrag kann gekündigt werden.

Im Herbst 2018 sieht Fabian Schnabel die Chance für die eigene Existenz gekommen. Er kauft einen Hof in Wittichenau. Der Verkäufer bietet ihm auch die dazu gehörigen landwirtschaftlichen Flächen von 5,9 Hektar an. „So ein Angebot bekommt man ganz selten“, schwärmt er.  Das ist groß genug, um „sich langsam etwas aufzubauen. Der Kaufvertrag wird notariell beglaubigt. Was zu dem Zeitpunkt weder er noch der Verkäufer wissen ist, dass dieser Vertrag kassiert werden kann.

In Sachsen sind, wie in ganz Deutschland, Kauf und Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen ab einer Größe von 0,5 Hektar genehmigungspflichtig. Das Grundstücksverkehrsgesetz regelt, dass der Käufer der Fläche Landwirt sein muss und mit seinem Betrieb auch Geld verdient. Noch stärker mischt sich der Staat ein, wenn die zum Verkauf stehende Fläche größer als zwei Hektar ist. Dann kann das Land Sachsen, ein Vorkaufsrecht ausüben.

Jörg Jahnke vom Landratsamt Bautzen erklärt das Vorkaufsrecht: Wenn der Erstkäufer noch kein Landwirt ist und es gleichzeitig einen Interessenten gibt, der im Nebenerwerb oder Haupterwerb schon Landwirt ist, dann übt das Land Sachsen sein Vorkaufsrecht aus. „Dann tritt der Freistaat Sachsen anstelle des Erstkäufers in den Kaufvertrag ein“ und zwar zu den gleichen Bedingungen, wie dort festgeschrieben, so Jörg Jahnke. Der Verkäufer entscheidet nicht mehr darüber mit, wer sein Land bekommt. Und im Falle von Schnabel kann Jahnke den Kaufvertrag nicht genehmigen. Denn Fabian Schnabel ist als Landwirt noch nicht gewerblich tätig. Gleichzeitig gibt es einen anderen Landwirt, der Interesse hat, die Fläche zu kaufen.

Die Rechte des Freistaates Sachsen vertritt im Falle des Vorkaufsrechts die Sächsische Landsiedlung GmbH (SLS). Sie ist das gemeinnützige Siedlungsunternehmen im Freistaat gemäß Grundstücksverkehrsgesetz. Die SLS kauft das Land und vertritt so die Interessen eines geeigneten Bewerbers aus der Landwirtschaft. Der ist in dem Fall die MKH Agrar Produkte GmbH aus Wittichenau. Es ist der größte landwirtschaftliche Betrieb der Region mit einem landwirtschaftlich genutzten Flächenanteil von mehr als 2600 Hektar in der gesamten Region und einem Eigentumsanteil von 7,7 Prozent.

„Natürlich haben wir Interesse das Land zu kaufen“, bestätigt der Geschäftsführer der MKH Agrar Produkte GmbH, Tobias Kockert. Er ist auch der gegenwärtige Pächter auf der Fläche. Der Pachtvertrag läuft noch bis 2026. „Das Land ist nah an unserer Produktionsstätte. Wir wollen kurze Wege haben“, sagt er. Der konventionell wirtschaftende Betrieb produziert rund drei Millionen Liter Milch pro Jahr mit fast 600 Kühen. Zehn Prozent der Milch werde vor Ort verarbeitet, der Rest verkauft, so Kockert. Die Käserei stellt Milch, Käse und andere Milchprodukte her, die im Direktvertrieb vermarktet werden. Rund 60 Mitarbeiter sind beschäftigt. Zur MKH gehört auch die Krabat Milchwelt in Kotten.

Die MKH sei jedoch aufstockungsbedürftig, wie die Sächsische Landsiedlung GmbH (SLS) argumentiert. Der Betrieb Fabian Schnabel indes existiere noch gar nicht. Gabriele Leistner von der SLS versichert, dass auch Jungbauern ohne Land die Chance bekämen, Land zu erwerben. Sie müssten halt „ernsthafte Absichten erkennen lassen“, dass sie Landwirte im Nebenerwerb werden wollten und dazu ein „betriebswirtschaftlich nachprüfbares Konzept“ vorlegen. Schnabel legt es vor. Es wird zweimal abgelehnt. Er erhält Anwaltsschreiben im Auftrag der SLS, die erklärt, warum er die Fläche nicht kaufen kann.