Von Catrin Würz

Erstmal das Jackett abstreifen, die Hemdsärmel gelockert und sich dann auf Augenhöhe mit den Schülern begeben – sprich: vor der Schultafel die Plätze am Lehrertisch einnehmen. Michael Kretschmer und Dietmar Woidke wenden sich an diesem Dienstagmorgen mindestens genauso gespannt ihrem Gegenüber zu, wie es die 30 Gymnasiasten aus den 9. bis 12. Klassen des Léon-Foucault-Gymnasiums Hoyerswerda tun. Zum ersten Mal hat die Schule gleich zwei Ministerpräsidenten zu Gast – aus Sachsen und von der CDU der eine, aus Brandenburg und von der SPD der andere. Das gab es so noch nie. Der Anlass dieses Doppelbesuches ist ein Meinungsaustausch über nichts Geringeres als die Zukunft einer ganzen Region, über die Zukunft der Lausitz als der Heimat auch vieler junger Menschen.

Welche Wünsche, welche Erwartungen treibt die 15- bis 18-Jährigen aus dem Hoyerswerdaer Gymnasium um, wenn sie an die Lausitz im Jahr 2038 denken? Jenem Jahr also, in dem der Ausstieg aus der Kohleverstromung vollzogen sein soll. Ein energiepolitischer und wirtschaftlicher Strukturwandel von enormem Ausmaß muss bis dahin gestemmt werden, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. Für 50 000 Menschen in der gesamten Lausitz müssen neue berufliche Perspektiven geschaffen werden – und dies zugleich unter dem Vorzeichen des Klimaschutzes und der Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Warum eigentlich Kohleausstieg erst im Jahr 2038 und nicht schon 2030?, fragt Benjamin aus der 12. Klasse. Und wie wolle man dies alles mit den Menschen in der Lausitz schaffen?, will Matti aus der 10b wissen. Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärt den Schülern, dass die Größe der Aufgabe nicht darin bestehe, dass für den Klimaschutz einfach die Kohleförderung eingestellt wird. „Es geht auch um das Klima in unserer Gesellschaft und darum, dass trotzdem der Wohlstand für die Menschen in der Region gewahrt wird“, sagt er. Sachsen und Brandenburg setzen dabei gemeinsam darauf, die Autobahn- und die ICE-Anbindung der Region an die Metropolen Dresden und Berlin zu verbessern. Geplant sei eine schnelle ICE-Anbindung von Berlin über Cottbus und Weißwasser nach Görlitz. Eine große Behörde, wissenschaftliche Einrichtungen oder medizinische Institute sollen in der Lausitz angesiedelt werden. „Hier müssen die neuen Technologien entwickelt werden, mit denen wir im Klimaschutz vorankommen. Und dann hoffen wir, dass es uns weltweit viele andere Länder nachmachen. Denn Klimaschutz gelingt nur, wenn es ein globales Zusammenwirken gibt“, so Kretschmer.

Celine aus der 11. Klasse fordert, dass die Politik stärker auf die Stimme der jungen Generation hören muss. Kretschmer und Woidke haben dazu keine gegenteilige Meinung. „Ja, Ihr jungen Lausitzer seid entscheidend dafür, dass dieser Wandel gelingt. Ihr seid in 20 Jahren diejenigen, die hier hoffentlich leben werden, die hier gestalten und mitmischen müssen“, so der Brandenburger Ministerpräsident.

Sachsens MP Michael Kretschmer lud die Foucault-Gymnasiasten zur ersten Klimakonferenz sächsischer Schüler am 22. Juni in Leipzig ein. Dort werden die Veränderungen für eine klimafreundliche Zukunft weiter debattiert.