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| 17:38 Uhr

Kunstcamp in Hoyerswerda
Jürgen von Woyskis Kunst und die Fantasie junger Schülerinnen

Lea-Josephine (links) zeigt Sabine Fiedler-Mohrmann ihre Zeichnung der „Tänzerin“.
Lea-Josephine (links) zeigt Sabine Fiedler-Mohrmann ihre Zeichnung der „Tänzerin“. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Bei einem Camp der Kulturfabrik setzen sich Mädchen aus Hoyerswerda mit den Arbeiten des Künstlers auseinander. Von Katrin Demczenko

Viele Arbeiten des Künstlers und Hoyerswerdaer Ehrenbürgers Jürgen von Woyski (1929 – 2000) sind bis heute ein besonderes Element der Gestaltung der Stadt. Das Kunstcamp der Kulturfabrik (Kufa) hat diese Woche seine jungen Teilnehmer an einige Skulpturen und Keramikarbeiten des Bildhauers herangeführt, die sich im hiesigen Zoo befinden.

Fünf Schülerinnen aus Hoyerswerda sowie dem Umland und die Organisatorin des Workshops, Kufa-Mitarbeiterin Ina Züchner, erhielten eine spannende Führung von Sabine Fiedler-Mohrmann. Sie ist eine Tochter von Jürgen von Woyski, der sie mit ihrer Schwester Bettina und einem Nachbarsjungen in der Bronzeplastik „Kinderreigen“ verewigt hat. Die 58-Jährige, die in Hoyerswerda aufwuchs, hat ihrem Vater als Kind und Jugendliche oft Modell gesessen oder gestanden und nicht immer hatte sie Lust dazu.

Celina und die anderen Mädchen lernten auch Bronzeskulpturen wie „Kraniche“ oder „Baum“ und das Wandrelief „Ländliches Fest“ kennen, das 1965 in der Werkstatt der bekannten Keramikerin Hedwig Bollhagen gebrannt wurde. Vor der Plastik „Liebespaar unter dem Schirm“ entspann sich unter den zehn- bis zwölfjährigen Mädchen die Diskussion, ob die Szene wohl den Moment vor oder nach einem Kuss darstellt.

Die Aufgabe der jungen Teilnehmerinnen des Kunstcamps bestand zunächst darin, eine Arbeit nach genauem Betrachten mit dem Bleistift zu zeichnen. Danach überträgt jede ihre Skizze auf eine Styroporplatte und schafft so eine Vorlage für den Druck auf Papier. Alle selbst gedruckten Seiten werden am Schluss zu einem Büchlein gebunden, und jedes Mädchen schreibt dazu noch eine kleine Geschichte zu dem von ihm ausgewählten Kunstwerk. So beschreibt die Kunsttherapeutin Sabine Fiedler-Mohrmann aus Dresden den Ablauf des Workshops, dessen Leitung sie übernommen hat. Den Druck sponsert Bernd Anders, Mitglied der Jürgen-von-Woyski-Stiftung Hoyerswerda. Die neue Vorsitzende der Institution Claudia Niemz und ihr Team haben die Zusammenarbeit mit der Kufa gesucht, denn sie wollen den Bildhauer Jürgen von Woyski und die Bedeutung seiner Arbeiten auch der Jugend nahebringen.

Die Schülerinnen Lea-Josephine und Elina hatten die „Tänzerin“ gezeichnet, die bei der Bewegung voller Freude ihren Rock leicht anhebt. Und genau damit gab es 1956, als die Skulptur entstanden war, Ärger. „Die Bevölkerung fand den Rock zu kurz“, erzählt Sabine Fiedler-Mohrmann. Da sind die Mädchen des jetzigen Kunstcamps anderer Meinung, denn einen Minirock hatte Jürgen von Woyski ja nicht dargestellt. Elina fiel zu der Figur eine andere Assoziation ein. sie sagt, dass könne doch eine spanische Tänzerin sein. „Nur die Kastagnette in der Hand fehlt noch.“ Sabine Fiedler-Mohrmann freute sich über die Fantasie des Mädchens, denn genau das ist das Anliegen des Workshops. Die Kinder sollen die Kunstwerke ihres Vaters ganz individuell entdecken.