| 03:01 Uhr

Jens Czoßek entlockt Steinen ihr Geheimnis

Jens Czoßek (r.) bestimmt Minerale des Kamenzer Sammlers Roland Zschiedrich.
Jens Czoßek (r.) bestimmt Minerale des Kamenzer Sammlers Roland Zschiedrich. FOTO: amz1
Kamenz. Für die meisten Lausitzer dürften Steine in Wald, Feld und Flur eher unspektakulär aussehen. Tatsächlich wirken viele Minerale von außen eher langweilig. Anders sieht es aus, wenn sie durchtrennt und die Schnittflächen ordentlich poliert werden. Dann können durchaus diverse Schätze zum Vorschein kommen. amz1

Jens Czoßek kennt sich mit Steinen aller Art aus. Der junge Mann ist als Diplom-Geologe am Kamenzer Museum der Westlausitz tätig. Jetzt hat er zu einer "Gesteinssprechstunde" in die Bibliothek seiner Einrichtung eingeladen. Ausgerüstet mit Lupe, Bestimmungsbuch, Computer und einem scharfen Blick versucht Czoßek, die vielen Steine, die die zahlreichen Besucher mitgebracht haben, zu bestimmen.

Einer der jüngsten Gäste ist Fabian Funke aus Dürrhennersdorf bei Löbau. Obwohl erst zwölf Jahre alt, befasst sich der Junge schon die Hälfte seines Lebens mit den Gesteinen. "Oma hat mir immer mal etwas mitgebracht", erzählt er. Etwa von den Stränden der Ostsee. Andere Steine seien in Einrichtungen, beispielsweise im Görlitzer Naturkundemuseum, erworben worden.

Bei Jens Czoßek legt Fabian Funke indes einen Markasit und diverse Achate auf den Tisch. "Der Markasit wurde früher zum Feueranzünden genutzt", erklärt der Geologe. Und die Achate kämen in der Lausitz gar nicht so selten vor. Charakteristisch bei diesen Vulkangesteinen sei ihr streifenähnliches Muster.

Einen ganzen Beutel voller "Klamotten" präsentiert Roland Zschiedrich aus Kamenz. Der 65-Jährige bezeichnet sich selbst als "begeisterten Sammler". Unter anderem zeigt er einen Jaspis-Achat. Den habe Zschiedrich zwar unweit von Kamenz gefunden, doch stamme das Mineral ursprünglich aus dem Böhmischen. Warum? "Weil sich einst der Elbe-Lauf durch die heutige Oberlausitz erstreckte", erklärt Jens Czoßek.

Ebenfalls aus der Lausitz und ebenfalls aus dem alten Elbe-Lauf stamme ein Kieselschiefer. Der Stein in den Farben von Dynamo Dresden, nämlich schwarz und gelb, sei einst zerbrochen und später mit Quarz "verheilt", wie es Geologe Czoßek beschreibt.

Inzwischen verfüge Roland Zschiedrich in seiner Wohnung über 3000 Steine. Rund 90 Prozent davon stammten aus der Lausitz, die meisten aus Kiesgruben und von Feldern der Region.

Extra aus Senftenberg nach Kamenz angereist ist Herbert Niementz. Der ehemalige Reparaturschlosser im Tagebau hat einen größeren, ziemlich schweren Stein bei sich. "Soll Schlacke sein", hat Niementz von Jens Czoßek erfahren. Doch aus welcher Einrichtung diese stamme, sei unklar. Fest stehe nur, dass der Senftenberger das originelle Stück im Tagebau Scheibe östlich von Hoyerswerda gefunden hatte. Doch bei einer weiteren Sache muss auch Geologe Czoßek passen. Denn Herbert Niementz berichtet von einem Erlebnis in der Grube, das ihm bis heute niemand erklären konnte. "Beim Baggern bin ich auf steinharte, rund 30 Zentimeter lange Zapfen gestoßen. Ich habe versucht, diese auf den Baggerschienen zu zerklopfen, was aber nicht funktionierte. Wenig später sind diese Gebilde einfach zu Staub zerfallen."

Bei den Fundstücken einer älteren Frau weiß Jens Czoßek auf den ersten Blick, worum es sich handelt. "Das ist der Abdruck eines Seeigels", erklärt er. Diese hätten in der Kreidezeit gelebt. Es sei ein Wunder der Natur, dass selbst nach 80 bis 90 Millionen Jahren die Strukturen des Tieres noch so klar erhalten sind.

Wann die nächste Gesteinssprechstunde stattfindet, sei indes noch offen. Wer nicht solange warten möchte, könne sich aber mit seinem Fundstück an Jens Czoßek im Museum der Westlausitz wenden. Wenn es die Zeit erlaubt, werfe der Experte einen Blick auf das gute Stück.