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"Jedes Begegnen mit ihm war ein anregendes Erlebnis"

Dr. Wolfgang Wessig bei einer Lesung in Hoyerswerda.
Dr. Wolfgang Wessig bei einer Lesung in Hoyerswerda. FOTO: Christine Neudeck
Hoyerswerda/Görlitz. Am 15. Juli 2017 ist Dr. Wolfgang Wessig in Görlitz gestorben. Zwei Jahrzehnte war der einstige Chefdramaturg des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz ein beliebter Gesprächspartner des Hoyerswerdaer Kunstvereins, erinnert dessen Vorsitzender Martin Schmidt. red/dh

"Mit seiner Begeisterung für Literatur und Theater vermochte er seine treue Zuhörerschar stets zu begeistern." Er habe sich nie Theorien verfangen. "Seinen Lesungen schickte er nur kurze prägnante biografische Skizzen und wenige zeitgeschichtliche Daten voraus, dann las er wohl ausgewählte Texte des jeweiligen Autors. Ganz im Dienst der Texte wusste der erfahrene Theatermann seine Zuhörer nur an den Text zu fesseln, um im Anschluss zu freundlichem Gespräch, zu Frage und Antwort offen zu sein. Dabei verlockte er stets zu eigenem Lesen.

Mehr als 50 Gespräche am Kamin - von ihm Grenzgänge genannt - gestaltete Wolfgang Wessig und machte dabei fast eine doppelt so große Anzahl von Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts bekannt, so Martin Schmidt. Ihm habe dabei am Herzen gelegen, an Literaten aus Schlesien zu erinnern wie Gerhart Hauptmann, Johannes Wüsten, Max Herrmann-Neiße oder Otto Julius Bierbaum.

Andererseits stellte er mit Begeisterung die junge Generation und deren Werke vor, die dort aufgewachsen und mit ihren Büchern bekannt geworden sind: Olga Tokarczuk, Andrzej Stasiuk, Artur Becker, Joanna Bator vor, Jocjim Topol und Czeslaw Milosz, der Ukrainer Jurij Andruchowitsch und viele andere. Der Bogen seiner Vorträge spannte sich von Bohumil Hrabal und Amos Oz bis zu Christa Wolf, Volker Braun und Irina Liebmann. "Auf die Weise ließ er über Grenzen schauen", so Martin Schmidt. Kunst und Literatur waren für den Kulturwissenschaftler Wolfgang Wessig Brücken zum Anderen über alle Grenzen hinweg. Ein fester Gesprächs-Kreis sammelte sich um ihn. "Jedes Begegnen mit ihm war ein anregendes Erlebnis", so Martin Schmidt.