| 02:46 Uhr

Jeder Lampenschirm ist ein Einzelstück

Schauwerkstatt in der Kunstschmiede: Lampenbauerin Marion Dee restauriert alte Schätze.
Schauwerkstatt in der Kunstschmiede: Lampenbauerin Marion Dee restauriert alte Schätze. FOTO: A. Lehmann
Weißwasser. Sie ist eine der letzten Vertreter ihrer Zunft: Lampenbauerin Marion Dee. Seit sieben Jahren macht sie mit ihrer Schauwerkstatt Station in Weißwasser. Anja M. Lehmann

"Ich liebe alte Sachen", sagt Marion Dee und präsentiert einen antiken Lampenschirm. Diesmal ist die Lampenbauerin zu Gast in der Kunstschmiede Weißwasser. Seit 1989 tourt die freiberufliche Künstlerin im Wohnmobil durch das Land und restauriert in einer Schauwerkstatt alte Lampenschirme. Immer mit dabei: ihr Mann Heiko Wagner und Hündchen Lena.

Jüngst hat Marion Dee auf der Handwerkermesse Cottbus den Goldenen Specht erhalten - hier, wo vor zehn Jahren ihre Beziehung zur Lausitz begann.

"Wir haben auf einer Messe in Dresden ausgestellt", erinnert sich die Leverkusenerin. "Dort wurde man auf uns aufmerksam und so wurden wir zur Handwerkermesse eingeladen." In Cottbus knüpften sie Kontakte zur Posamenten Manufaktur Forst, von der sie noch immer Bordüren beziehen, und schließlich nach Weißwasser.

Seitdem machen sie alljährlich Station in der Lausitz. "Im Frühling sind wir hier, zu Pfingsten im Weserbergland und im Herbst in Kiel", berichtet ihr Mann und fügt hinzu: "Im vergangenen Jahr waren wir nur 85 Tage daheim." Daher ist das Paar nun auf der Suche nach einem Domizil in der Region. Das Haus in Leverkusen steht zum Verkauf. "Bei einer 90 Stundenwoche ist es mit den Besichtigungen schwierig", räumt Marion Dee ein.

Aufgewachsen in einer Schneiderwerkstatt, zwischen Mustern und Stoffen, eignete sie sich autodidaktisch alle notwendigen Fertigkeiten der Lampenrestauration und der Malerei an. "Meine Schule war der Kölner Zoo, wo ich mit Block und Bleistift unterwegs war", erklärt die Restauratorin ihr künstlerisches Talent.

Anfang der 1990er-Jahre wagte sie dann den Schritt in die Selbstständigkeit. Seither nimmt sie deutschlandweit Aufträge zur Anfertigung, Reparatur und Restauration von Schirmen entgegen. "Kleinigkeiten repariere ich vor Ort, aufwendigere Restaurationen oder Anfertigungen führe ich in meiner Werkstatt in Leverkusen aus ", sagt Marion Dee. "Etwa 400 bis 600 Lampenschirme sind das im Jahr", schätzt sie.

Darunter sind auch größere Aufträge für Innenausstatter und Hotels. "Das Lieblingsmotiv der Kunden sind Bücher", sagt die Künstlerin, die Schirme in unterschiedlichsten Stoffen fertigt. Doch sie restauriere besonders gern historische, antike Stücke. "Das ist eine Herausforderung", so Marion Dee. "Dieser Stoff hier passt, wenn ihre Wohnung etwas verspielter ist", berät sie eine Kundin und hält eine beigefarbene Stoffprobe mit einem zarten Blütenmuster gegen das Licht. Ihre Kunden haben die Qual der Wahl: Hunderte Stoffe in den unterschiedlichsten Farben und Mustern, aufwendigere Materialien und Bordüren.

"Wir können Stoffe auch selbst einfärben", sagt Heiko Wagner. Lampenfüße erwirbt das Paar auf Antik- und Trödelmärkten. In Kombination mit den Schirmen entstehen so kunstvolle Unikate. Auch Materialien aus der Natur werden verwendet. So wie bei einer Lampe, in dessen Schirm gepresste Blätter und Blüten verarbeitet sind. "Die Gräser und Blüten sammeln wir im Weserbergland", erzählt Heiko Wagner, der sich selbst als die "graue Eminenz im Hintergrund" bezeichnet und versucht, seiner Frau stets den Rücken freizuhalten.

Begehrt seien nach wie vor auch Lampen mit Jagdmotiven. Alle Verzierungen wie Auerhähne und Hirsche zeichnet Marion Dee selbst. Doch nur wenige Lampen werden von ihr signiert. Doch auch wenn ihre Arbeiten "anonym" in den Sälen großer Hotels, Burgen oder Schlösser hängen: "Ich erkenne jede Lampe, die ich gemacht habe."

Marion Dee ist auf der Lausitzer Frühlingsschau am 15. und 16. März in Senftenberg und auf dem Großen Ostermarkt in Hoyerswerda, am 29. und 30. März.