Er freue sich über das Jubiläum, wenngleich es zeige, wie schnell doch die Zeit vergeht, sagt der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) in seiner Glückwunschrede. Er dankt den Unternehmern für den Mut, den ihre Investition in einer schwierigen Zeit nach Kamenz und in die Region trug, und für die nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolge, die Kamenz seither belebt haben. Den Grundstein dafür bilde auf der einen Seite die Stärkung des städtischen Haushalts. Der Oberbürgermeister bezeichnet sie vor allem wegen des bewussten Verzichts auf die mögliche Senkung des Abgabenvolumens durch die Anwendung steuerlicher Winkelzüge als "erheblich".

Auf der anderen Seite habe die Familie Mast ohne Zögern und ohne irgendeinen Fördertopf anzuzapfen in die Sanierung des Hotels und Restaurants Goldener Hirsch und das umliegende Revier am Markt investiert. "Wir dürfen hier eine Erfolgsgeschichte feiern", betont der Oberbürgermeister mit Blick auf die Stadt und das Unternehmen. Im selben Atemzug lobt er die Weitsicht, mit der Jägermeister sich trotz aller erreichten Erfolge Raum für stetiges Wachstum bewahrt.

Im Jahr 1878 gegründet

Drei Standorte unterhält das 1878 gegründete Unternehmen in Deutschland. Die Hauptverwaltung befindet sich seit dem Jahr 1958 in Wolfenbüttel. Im Jahr 1977 wurde das Werk im nahen Linden in Betrieb genommen. 1996 kam das Abfüllwerk in Kamenz dazu. Hier arbeiten derzeit 65 Menschen. Werden das britische Camberley und die Tochtergesellschaft in New Rochelle/USA dazugezählt, beschäftigt der Spirituosenhersteller in Summe 900 Mitarbeiter. Von den Bändern gehen 88 Millionen 0,7-Liter-Flaschen in 120 Länder.

Kamenz steuerte voriges Jahr etwa 48 Millionen Flaschen zum Erfolg bei. 60 Prozent davon gingen ins Ausland, hauptsächlich in Richtung Osteuropa, Italien und Spanien.

Die Kamenzer Lager fassen 960 000 Liter des fertigen Likörs. Eingefangen sind darin die Aromen 56 verschiedener Kräuter, Blüten Wurzeln und Früchte nach einer Rezeptur von Curt Mast aus dem Jahre 1934.

Hunderte Qualitätsprüfungen

Erst nach nicht weniger als zwölf Monaten Lagerzeit und 383 Qualitätsprüfungen verlässt der Likör den Betrieb. Die Qualitätsgarantie hat sich durchgesetzt. Jägermeister sei der erfolgreichste Likör der Welt, betont Vorstandssprecher Paolo Dell`Antonio. Dazu würden auch die regionalen Partner wie Elektro Frömmelt aus Kamenz, das Bernsdorfer Glaswerk, die Deutschen Werkstätten Hellerau und viele andere ihren Teil beitragen. Der richtige Mix aus Unternehmen und Partnern aus der Politik würde den Erfolg ausmachen, so Antonio.

Landrat Michael Harig schloss den Kreis mit dem Hinweis, dass die entsprechende Infrastruktur nur finanzierbar sei, wenn die Wirtschaft den dafür notwendigen Mehrwert schaffe.

Und eben dieser Mehrwert braucht das Wachstum, das Jägermeister trotz der globalen Marktbeherrschung auch für seinen Kamenzer Betrieb im Blick behält. Das Werk wurde Ende 2014 um ein modernes Eichenholzfasslager mit 20 Fässern und einem Gesamtvolumen von 200 000 Litern erweitert. Bis 2020 ist die Installation weiterer 60 großformatiger Fässer für die Grundstoffreifung geplant.

Der derzeitig ausgesprochene Erfolg in Spanien schlage sich bis nach Kamenz nieder, erklärt Paolo Dell`Antonio die steigende Nachfrage. Er unterstreicht das Wissen der Geschäftsleitung um die nicht immer leicht zu bewältigenden Auswirkungen auf die Mitarbeiter vor Ort. Umso dankbarer sei er für deren Engagement. Immerhin 41 Kollegen seien seit den ersten Probeläufen der Anlagen Am Ochsenberg im Unternehmen.