Herr Züchner, wann waren Sie zuletzt in einem anderen Kino?

Toni Züchner: Mal nachdenken. Ja, ist schon eine Weile her, im vergangenen November war das. In Hamburg, beim letzten Cinemotion-Theaterleitertreffen. Da habe ich mir abends in der Hansestadt einen Film angeschaut. Bei der Gelegenheit auch geguckt, was die Konkurrenz so macht.

Die sicher auch nicht schläft, oder?

Züchner: Weiß Gott nicht. Wenn ich ein Kino außerhalb von Hoyerswerda besuche, verbinde ich immer Privates mit Beruflichem, man hat da als Theaterleiter einen anderen Blick aufs Kino.

Seit dem Umbau, der neuen Bestuhlung hat sich atmosphärisch einiges getan. Wirkt sich das nun auf die Besucherzahlen aus?

Züchner: Ja, das merkt man schon. Allerdings habe ich neulich wieder gestaunt. Man denkt, die Leute kommen ein paar Mal im Jahr hierher, registrieren die Veränderungen im Kino. Aber nein, es gibt etliche, die schauen nur alle zwei, drei Jahre bei uns rein.

Da müssten Sie, der ein Kulturmanagement-Studium absolviert hat, sofort aktiv werden, um diese Menschen zu einem häufigeren Kino-Besuch zu animieren, oder?

Züchner: (Lacht) Da haben Sie natürlich recht. Wir sind aber auf jeden Fall auf einem guten Weg. Der Umbau, die neue Bestuhlung, gute Filme, die anlocken, all das klappt schon. Und in diesem Jahr sieht es auch, was die Besucheranzahlen anbelangt, besser als im Vorjahr aus.

Gehört ein Kinobesuch in der heutigen Zeit noch zu den klassischen Freizeitvergnügungen?

Züchner: Auf jeden Fall. Trotz der vielen Streaming-Portale, der Serien dort, für zahlreiche Menschen ist der Besuch eines Kinos nach wie vor wie ein Ausflug in eine andere Welt. Solche Ausflüge sollte man, das sage ich natürlich nicht ganz uneigennützig, häufiger unternehmen. Ist auf jeden Fall besser als daheim zu bleiben und dort fern zu sehen.

Als gebürtiger Hoyerswerdaer können Sie einschätzen, welch kulturellen Stellenwert das Cinemotion für die hiesige Bevölkerung hat.

Züchner: Ich sage es mal so, es kommen auch etliche aus dem Umland zu uns. Was daran liegt, dass wir relativ konkurrenzlos sind. Denn die nächsten größeren Kinos befinden sich in Cottbus und Bautzen. Und die KuFa ist keine Konkurrenz für das Cinemotion. Die Filme, die dort gezeigt werden, unterscheiden sich von denen, die bei uns laufen. Also, wir nehmen uns da nicht die Besucher weg.

Ein Kino rückt oft auch in den Blickpunkt, wenn zu einer Filmpremiere, wie vor einigen Jahren beim Krabatfilm, Schauspieler bei der Premiere vorbeischauen. Gibt es in dieser Richtung bald wieder ein solches Promi-Event?

Züchner: Als der Gundermann-Film starten sollte, haben wir versucht, zur Kino-Premiere einen der Darsteller, den Regisseur zu bekommen. Aber es gab Probleme mit der Filmgesellschaft. Klappte bedauerlicherweise nicht. Aber im Herbst, wenn wir Bully Herbigs „Ballon“- Film zeigen, wird einer der beteiligten Flüchtlinge, Günther Wetzel, zu uns kommen, über seine dramatische Ballonflucht aus der damaligen DDR erzählen. Das wird bestimmt ein toller Kinoabend werden.

Sie finden so gut wie gar keine Zeit, sich an Ihrem Arbeitsplatz auch einen Film anzuschauen…

Züchner: …ist leider so, muss ja für alle erreichbar sein.

Gibt es einen Film, den Sie besonders mögen?

Züchner: Am liebsten schaue ich mir Filme von Tarantino an. Die sind klasse, finde ich jedenfalls. Da braucht es nur prägnante Dialoge und zwei tolle Schauspieler, fertig ist so ein Tarantino-Film. Auf seinen neuesten Film freue ich mich bereits, der kommt in diesem Sommer in die deutschen Kinos kommt. Natürlich ist der auch bei uns zu sehen.

Mit Toni Züchner
sprach Rainer Könen