Herr Kowark, nach Auffassung etlicher Wetterexperten werden wir in diesem Jahr in der Lausitz wieder einen sehr heißen und trockenen Sommer erleben. Wie bereiten sich die hiesigen Wehren vor?

Kowark Wir alle bei der Feuerwehr, und ich meine damit nicht nur die Hoyerswerdaer Berufsfeuerwehr, sondern die zahlreichen Kollegen der freiwilligen Wehren im Umland, sind bereits intensiv damit beschäftigt, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels, der auch unsere Region betrifft, einzustellen.

Was heißt das konkret?

Kowark Wir müssen uns auf Extremsituationen einstellen. Egal, ob es nun einen heißen oder besonders feuchten Sommer gibt oder ob es gewaltig stürmt wie zuletzt. Dazu haben wir ja bereits im vergangenen November die Waldbrandeinsätze aus dem Jahr 2018 ausgewertet, und wir werden in den kommenden Tagen und Wochen wieder einige Waldbrandübungen durchführen. Zudem stehen wir mit Förstern, Waldbesitzern und Meteorologen in Kontakt.

Dazu muss man sagen, dass viele Waldgebiete der Region auch in rutschungsgefährdeten Arealen liegen.

Kowark Das stimmt. Hier gilt es, im Falle eines Waldbrandes vorsichtig zu agieren. Aber auf solche Szenarien sind wir vorbereitet und in Abstimmung mit der LMBV. Auch gilt es jetzt zu schauen, wie es mit den Löschwasserentnahmestellen ausschaut, ob die Zufahrtswege dorthin frei befahrbar sind. Wir haben schon einiges unternommen in den vergangenen Jahren, um die Waldbrandgefahren einzudämmen. Sie sehen daran, dass wir auf die Sommerzeit bestmöglich vorbereitet sein werden.

Im vergangenen Jahr gab es in Südfrankreich, in Russland, Griechenland wieder etliche Waldgroßbrände, sogar in Schweden brannten erstmals riesige Waldflächen. Schauen Sie da genau hin, wie man im Ausland reagiert?

Kowark Natürlich. Es interessiert, wie die Kollegen in anderen Ländern mit diesen gefährlichen Situationen umgehen. Aber zuerst bleiben wir in der Region. Wir stehen im engen Austausch mit den Brandenburger Feuerwehren, und natürlich auch mit unseren polnischen und tschechischen Feuerwehr-Kollegen. Dort sind die Probleme ähnlich gelagert wie bei uns in der Lausitz.

Im vergangenen Jahr, als es in der Nähe von Potsdam zu einem sehr schwer beherrschbaren Großbrand kam, wurden sogar Hubschrauber und Löschflugzeuge eingesetzt. Sind Löschflugzeuge, perspektivisch gesehen, auch für die Lausitz ein Thema?

Kowark Auf jeden Fall. Als es Anfang der 90er-Jahre zu den verheerenden Waldbränden rings um Weißwasser kam, wurden Hubschrauber eingesetzt, die mit Wasserbehältern ausgerüstet waren. Derzeit unterstützen uns die Hubschrauber der Polizei und der Bundeswehr, wie bei den Bränden im Tagebau Reichwalde und in der Königsbrücker Heide. Bei uns wird über den Einsatz von Löschflugzeugen im Ernstfall diskutiert. Auch die Lageerkundung aus der Luft per Drohne ist ein Thema. Aber es braucht Zeit, bis die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Nun gilt es aber ebenfalls, die hier lebenden Menschen für die Brandschutzbekämpfung in diesen Zeiten des Klimawandels zu sensibilisieren. Wie gehen Sie da vor?

Kowark Diejenigen, die hier aufgewachsen sind, wissen schon, wie man sich in den heißen Sommern draußen auf dem Feld oder im Wald verhält. Doch viele junge Menschen wissen das nicht, und auch die Urlauber, die zu uns in die Lausitz kommen, muss man für diese Thematik empfänglich machen. Führen doch viele Radwanderwege durch waldbrandgefährdete Regionen. Wir arbeiten daher bei der Prävention eng mit den Gemeinden und Tourismusverbänden zusammen.

So ein Klimawandel mit all seinen Auswirkungen bereitet der Feuerwehr eine Menge Arbeit …

Kowark ... oh ja, wir müssen in diesen Zeiten ständig flexibel bleiben, um auf alle möglichen Gefahrensituationen reagieren zu können. Sie dürfen auch nicht vergessen, dass ein Großteil der Wehren aus freiwilligen Kräften besteht, die genauso intensiv und gut ausgebildet sind wie die Kollegen von der Berufsfeuerwehr. Gerade die freiwilligen Wehren sind das Rückgrat des Katastrophenschutzes. Was diese Kollegen bei den Einsätzen leisten, ist einfach beachtlich. Ihnen gebührt größte Anerkennung und Respekt. Das kann man ruhig mal erwähnen.

Sind Sie ein wenig angespannt, ob des bevorstehenden heißen Sommers in der Lausitz?

Kowark Angespannt nicht, dazu bin ich schon zu lange bei der Wehr. Ich weiß, dass die Feuerwehren in der Region bestmöglich vorbereitet sind und das alle gemeinsam die Herausforderungen der kommenden Sommermonate bewältigen werden. Dessen bin ich mir sicher.

Mit Dieter Kowark sprach
Rainer Könen