Selbst der Hoyerswerdaer Gundermann-Sammlung fehlt die zweite Auflage im Archiv. Schütt findet es schade, dass sein Buch im Internet zu Sammlerpreisen gehandelt wird. „Der Verlag sollte es lieber noch mal auflegen, damit es sich mehr Menschen leisten können“, sagt er. Einen Trost gibt es. Eine Neuauflage des Interview-Teils mit Gundermann erschien 2006 im Dietz-Verlag als kleines blaues Buch „Tankstelle für Verlierer“. Am Sonnabend kam diese Gundi-Bibel auf die KuFa-Kleinkunstbühne.

Schütt, der einst Chefredakteur bei der FDJ-Zeitung „junge welt“ war, wollte nach der Wende eher zuhören als schreiben: „Ich interessierte mich für andere Denkwelten“. So entstand „Rockpoet und Baggerfahrer“, wofür er zwischen 1995 und 1997 Gundi in Hoyerswerda und Berlin interviewte.

Auf dem Bagger 1417

Der Autor liest zunächst aus dem Vorwort der zweiten Auflage (erschienen nach Gundermanns Todestag, dem 21. Juni 1998) und gab somit auch denen, die nicht so vertraut mit dem Hoyerswerdaer Rockpoeten sind, einen kurzen Überblick über Leben und Werk des Baggerfahrers und Liedermachers. Er zitiert aus Interviews und aus Partei-Dokumenten der SED. Zeigt Gundermanns Reflexion der DDR und seine Rolle im neuen Deutschland. Man erfährt vom ersten Arbeitstag des Liedermachers im Tagebau, von seiner persönlichen Bindung an Bagger 1417 und von seiner Ankunft in Hoyerswerda.

Originalton Gundermann: „Einen größeren Kontrast zu Weimar (1955 Geburtsort Gundermanns, Anm. d. Red.) konnte es gar nicht geben. Die Männer von der Steinkohle sagten immer: ,Hier kriegt man die Sakima – die Sand-und-Kiefern-Macke.'“. Das Publikum lacht. Schütt lässt nochmals Gundi zu Wort kommen. Dem war eine kritiklose Hoyerswerda-Bewunderung, wie sie ihm mancher angesichts seiner „HoyWoy“-Hymnen zu unterstellen können wähnt, weitestgehend fremd: In einem Schulaufsatz schrieb er über Hoyerswerda, dass er täglich eine Tasse Schnaps brauche, um zu überleben – und dass sich der Abschaum der Menschheit hier träfe. . .

Buch zeigt Wandlung auf

„Rockpoet und Baggerfahrer“ zeigt neben Gundis Lebensgeschichte auch die Wandlung einer Gesellschaftsstruktur auf. „Man denkt, der Mann ist schon 100 Jahre alt – bei der Weisheit seiner Texte“, so Schütt zum Philosophen Gundermann, den er als einen sehr fordernden Menschen und als intelligenten Till Eulenspiegel charakterisiert; einen großen Erzähler, der Dinge ausgesprochen hat, die jeden Menschen beschäftigen.

Als Schütt seine erste Begegnung mit Gundermann schildert, wird es ganz heutig: „Ich kannte ihn vorher nicht persönlich. Nur aus Versammlungen der FDJ. Da ist sein Name immer im Zusammenhang mit Querelen aufgetaucht.“