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Integration unter einem Dach - Was aus einem Flüchtlingsheim wird

ARCHIV - Das renovierte Spreehotel erwartet am 14.07.2014 in Bautzen (Sachsen) die ersten Asylbewerber. Wegen sinkender Flüchtlingszahlen hat der Landkreis Bautzen das Spreehotel als reguläre Unterkunft geschlossen. Trotzdem sind anerkannte Flüchtlinge hier weiter willkommen.
ARCHIV - Das renovierte Spreehotel erwartet am 14.07.2014 in Bautzen (Sachsen) die ersten Asylbewerber. Wegen sinkender Flüchtlingszahlen hat der Landkreis Bautzen das Spreehotel als reguläre Unterkunft geschlossen. Trotzdem sind anerkannte Flüchtlinge hier weiter willkommen. FOTO: Matthias Hiekel (dpa-Zentralbild)
Bautzen. Wegen sinkender Flüchtlingszahlen hat der Landkreis Bautzen das Spreehotel als reguläre Unterkunft geschlossen. Trotzdem sind anerkannte Flüchtlinge hier weiter willkommen. Von Miriam Schönbach, dpa

Eigentlich hat Mansour Amarkhel an diesem Vormittag noch Ferien. Trotzdem steckt der 18 Jahre alte Afghane neugierig seinen Kopf durch die Seminarraumtür im Spreehotel Bautzen. Dort wartet Erik Seliger auf ihn. Der Wirtschaftspädagoge von der Ostsächsischen Dienstleistungs- und Service GmbH (ODS) bezieht einmal in der Woche ein Büro in der einstigen Asylbewerberunterkunft. Weil die Flüchtlingszahlen in Sachsen sinken, ist das Haus jetzt Anlaufstelle für anerkannte Flüchtlinge.

Seliger bittet Amarkhel an ein Flipchart. „Wir wollen herausfinden, wo Deine Stärken und Schwächen sind, um deinen Traumjob zu finden“, sagt der Arbeitsmarktmentor. Seit November sind der 27-Jährige und zwei Kollegen im Landkreis Bautzen unterwegs, um anerkannten Geflüchteten den Einstieg in den Beruf und in ein neues Leben in Deutschland zu ebnen. Dabei kümmern sie sich um Hochschulabsolventen genauso wie um Menschen, die nie eine Schule besucht haben.

Flüchtling Amarkhel soll auf drei verschiedenfarbige Karten seine Wünsche an die Zukunft und seine Fähigkeiten schreiben. „Die dritte Kategorie ist die Hölle: Das, was Du gar nicht machen möchtest“, sagt Seliger. Ganz ungezwungen kommt der Wirtschaftspädagoge - tätowierte Arme, Basecap, Vollbart - mit Amarkhel ins Gespräch. Auf den Zettel mit den Fähigkeiten schreibt der junge Flüchtling gleich: Kommunikation.

Leise kommt Peter-Kilian Rausch in den Raum. Bis Mitte Juli war er Asylheimbetreiber, nun ist er Quartiermanager für rund 50 Flüchtlinge. Das Haus soll Anerkannten temporären Wohnraum geben, da Ein-Raum-Wohnungen knapp sind. Wer Rausch kennt, weiß, dass es mehr als nur ein „Wohnheim“ sein soll. „Wir wollen Integration unter einem Dach und eine umfassende soziale Betreuung anbieten. Mit Hilfe unserer Kooperationspartner können wir die Wege kürzer machen und effizienter arbeiten“, sagt er. Auch Mitarbeiter des DPFA-Bildungszentrums, die Sprach- und Integrationskurse anbieten, kommen ins Haus.

Amarkhels Zettel füllen sich. Anders als viele andere weiß er, wohin sein Weg gehen könnte. Eine Ausbildung zum Hotelkaufmann möchte er machen. Um die 130 Teilnehmer haben die Arbeitsmarktmentoren schon beraten. 80 Prozent konnten sie in passende Bildungsmaßnahmen vermitteln, 5 Prozent arbeiten bereits. Beim Ausfüllen der Formularflut helfen sieben Mitarbeiter - vom Sozialarbeiter über den Dolmetscher bis zum Hausmeister. Die Kosten für das Integrationszentrum teilen sich Land, Kreis und die Stadt Bautzen. Die Förderung ist vorerst allerdings nur bis Jahresende zugesagt.

Für Amarkhel zeichnet sich schon ein Weg ab. Um seine Lehre zu beginnen, muss er einen weiteren Sprachkurs machen. Nebenbei wird er im Spreehotel als Dolmetscher arbeiten. Ein Praktikum in einem Hotel versucht Rausch derzeit zu vermitteln.

Der Quartiermanager will die Flüchtlinge jedoch nicht nur fit für den Arbeitsmarkt machen. „Mitte August gibt es den ersten Workshop für Mülltrennung. Heizen und Lüften wird ein Thema sein“, sagt er. Die Hilfesuchenden werden auch beim Umzug in die eigenen vier Wände unterstützt.

Auch nach dem Auszug bleiben die Mitarbeiter des Integrationszentrums Ansprechpartner. „Unsere Arbeit nimmt den Asylbewerberheimen den Druck“, sagt Rausch. Gemeinsam mit der Diakonie denkt er jetzt darüber nach, in einer Etage behinderte Geflüchtete unterzubringen.