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| 16:03 Uhr

Hoyerswerda
Integra setzt auf weiteres Standbein

Madeleine Spindler verpackt in den Hallen im Hoyerswerdaer Gewerbegebiet Kühnicht Shii-Take-Pilze. Integra-Geschäftsführer Robert Rys schaut ihr über die Schulter.
Madeleine Spindler verpackt in den Hallen im Hoyerswerdaer Gewerbegebiet Kühnicht Shii-Take-Pilze. Integra-Geschäftsführer Robert Rys schaut ihr über die Schulter. FOTO: Sascha Klein / LR
Hoyerswerda. Der Pilzproduzent aus Hoyerswerda will die Zusammenarbeit mit einigen Industriezweigen verstärken und schwarze Zahlen schreiben. Von Sascha Klein

Tür auf und rein in die Hallen von Pilzproduzent Integra im Hoyerswerdaer Gewerbegebiet Kühnicht. Geschäftsführer Robert Rys (49) steht gerade an der Kasse des kleinen Hofladens und bedient einen Kunden. Auch der Chef packt an – an diesem Tag wegen anderer offizieller Termine im Anzug. Das sei natürlich nicht immer so, sagt Rys, gibt dem Kunden sein Wechselgeld in die Hand und drückt ihm noch einen Flyer mit Shii-Take-Rezepten in die Hand.

Wenige Meter weiter: Rys’ Büro ist funktional eingerichtet, kein Schnick-schnack. Die Wände: weiß gestrichene Mauer. Dies ist die Schaltzentrale des Unternehmens, das wie keines aus dem Gebilde der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda heraussticht. Es ist das einzige im Verbund, das Lebensmittel produziert. Für Rys ist das jedoch kein Widerspruch: „Man muss es differenziert sehen“, sagt Rys, der den Start der Shii-Take-Produktion vor mehr als zehn Jahren mit forciert hat. „Wir haben eine politische und eine unternehmerische Aufgabe“, sagt Rys. Denn: Integra ist ein Unternehmen, das sechs Menschen mit Behinderungen einen Job bietet. Diese gelte es zu sichern. Insgesamt beschäftigt die Integra Rys zufolge derzeit zwölf Mitarbeiter. Im Jahr 2015 hatte der Sächsische Rechnungshof beanstandet, er sehe den öffentlichen Zweck nicht, weshalb der Pilzproduzent Teil eines städtischen Wirtschaftsbetriebs ist. Folgen hatte dies jedoch nicht. Der Rechnungshof sieht das Prüfverfahren auf RUNDSCHAU-Nachfrage als abgeschlossen an. Robert Rys geht davon aus, dass Integra auch in den kommenden Jahren kommunales Unternehmen bleibt. Eine Entscheidung dazu soll es bis zum Jahresende geben, sagt er.

Die Pilzherstellung in den Kühnichter Hallen läuft seit Herbst 2004. Geschäftsführer bis zum Jahr 2012 war Dieter Mücke. Dies war eines der Vorzeigeprojekte der einstigen Entwicklungsgesellschaft Scheibe, einer Wirtschaftsfördergesellschaft von Stadt Hoyerswerda und Gemeinde Spreetal. Rys war Mitte der 2000er-Jahre deren Geschäftsführer. Nach einem Verkauf Integras im Jahr 2012 geriet das Unternehmen in Schieflage, musste 2013 Insolvenz anmelden. Hoyerswerdas Städtische Wirtschaftsbetriebe (SWH) reagierten und retteten den Betrieb. Seit Oktober 2013 heißt die Firma Integra Hoyerswerda GmbH – mit Robert Rys als Geschäftsführer.

Inzwischen produziert Integra jährlich zwischen 50 und 60 Tonnen essbare Pilze – Bio-Shii-Take, Bio-Kräuterseitlinge und Bio-Buchenpilze. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es laut Rys 28 Tonnen. Die Hoyerswerdaer sind „Bioland“-zertifiziert. Zu den Großabnehmern gehören Globus in Ostdeutschland, Edeka, Rewe Österreich, Kaufland und das Bio-Großhandels-Haus Dennree. Auch etliche Gastronomen in der Region beziehen Pilze aus Hoyerswerda.

Die Bilanz des Unternehmens ist jedoch nach wie vor negativ. Das heißt: Die SWH-Gruppe muss das jeweilige Defizit ausgleichen. Wie Rys betont, hat Integra im Jahr 2017 rund 600 000 Euro Umsatz gemacht. Durch ein Problem mit einem Pilzsubstrat-Lieferanten sind dem Unternehmen mehrere zehntausend Euro durch die Lappen gegangen. Im Jahr 2016 lag der Umsatz bei rund 700 000 Euro. Ziel sei ein Umsatzvolumen von 720 000 bis 750 000 Euro, sagt Rys. Die Speisepilz-Produktion sieht der Geschäftsführer als ausgereizt hat. Wenn Integra deutlich mehr produzieren will, bedeutete das eine Großinvestition. Dies schließt Rys jedoch aus.

Um mittelfristig auf eine schwarze Null in der Jahresbilanz zu kommen, will sich Integra Hoyerswerda ein weiteres Standbein erschließen – am besten mehrere. In einem gemeinsamen Projekt mit der Technischen Universität Dresden hat die Integra Hoyerswerda Pilze hergestellt, aus denen Pigmente für die biologisch-ökologische Herstellung von Farben gewonnen werden. Aus dem Grünspanbecherling lassen sich Pigmente von grün bis blau extrahieren. Das Hoyerswerdaer Unternehmen hat laut Rys ein spezielles Verfahren dafür aufgesetzt, das es sich jetzt patentieren lassen möchte. „Wir wollen das Unternehmen mittelfristig auf breitere Füße stellen“, sagt Rys. Denn klar ist, dass allein die Speisepilzproduktion das Unternehmen nicht in die Gewinnzone führen wird. Noch ist allerdings völlig offen, was der Markt an Pilzen für die Farbherstellung benötigt. Integra ist dabei noch am Anfang. Weitere Einsatzmöglichkeiten für Rückstände aus Pilzsubstraten sieht der Integra-Geschäftsführer in der Landwirtschaft und Abwasserwirtschaft.

Priorität hat bislang noch die Produktion von Speisepilzen. Die Hauptsaison neigt sich dem Ende zu. Im Herbst, Winter und Frühling ist Saison für Pilze. Doch im ersten Quartal 2018 hat Integra sein Plansoll längst erfüllt: 22 Tonnen Shii-Take, Kräuterseitling und Buchenpilze sind in den Kühnichter Hallen gewachsen und geerntet worden.