ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:24 Uhr

Bürgermeister-Interview
Industriepark hat oberste Priorität

Trotz finanzieller Schräglage der Gemeinde Spreetal hat der mittlerweile ehrenamtliche Bürgermeister Manfred Heine (63) im vergangenen Jahr wichtige Projekte für die Kommune realisieren können.
Trotz finanzieller Schräglage der Gemeinde Spreetal hat der mittlerweile ehrenamtliche Bürgermeister Manfred Heine (63) im vergangenen Jahr wichtige Projekte für die Kommune realisieren können. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Spreetals Bürgermeister Manfred Heine kämpft für Ansiedlungen und Seenland-Entwicklung. Von Anja Hummel

Die RUNDSCHAU setzt heute die Interview-Reihe mit den Verwaltungschefs der Region fort. Sie skizzieren, was sie 2017 erreicht haben und welche Projekte jetzt wichtig werden. Heute, zum Abschluss der Gesprächsreihe: Spreetals Bürgermeister Manfred Heine.

Herr Bürgermeister, was haben Sie gemeinsam mit Ihrer Verwaltung und dem Gemeinderat in diesem Jahr für Ihre Bürger erreicht?

Manfred Heine: Das zurückliegende Jahr war für uns als Gemeinde sehr kritisch. Wir mussten offene Steuern zurückzahlen und dafür einen Kredit aufnehmen. Damit hingen wir finanziell komplett in den Seilen. Aber weil wir schon in den Vorjahren gewusst haben, dass uns das ereilt, konnten wir einige Projekte umsetzen. Das war einmal die äußere Erschließung des Spreetaler Sees mit Abwasser, Trinkwasser, Parkflächen und Elektroenergie. Nun kann die innere Erschließung beginnen. Dann ist in Burgneudorf der zweite Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt fertiggestellt worden. Nicht zu vergessen ist der Industriestandort Schwarze Pumpe, wo wir Infrastrukturmaßnahmen weitergeführt haben: Straßenausbau, Abbrucharbeiten und  Vorbereitungen für nächste Ansiedlungen.

Was hat Sie im Jahr 2017 persönlich besonders beschäftigt?

Heine: Natürlich die Frage, wie wir die finanzielle Situation der Kommune entsprechend gelöst bekommen und wie die Zukunft aussieht. Leag war der größte Steuerzahler. Das Ausbleiben der Steuern ist ein riesiges Problem. Andererseits haben wir auch andere Unternehmen im Industriestandort, in der Gemeinde. Durch die Steuereinnahmen hoffen wir, den Haushalt entsprechend ausgleichen zu können. Auch die Entwicklung unserer Seen hat mich sehr beschäftigt. Wir sind auf der sächsischen Seite schon sehr aktiv, aber wir haben eine Vielzahl von Seen, bei denen wir touristisch einfach weiter sein könnten. Wir sind es aber nicht, das ist ärgerlich. Natürlich haben wir mit dem Masterplan Scheibesee eine Voraussetzung geschaffen, um ein Stück Systematik in die Entwicklung zu bringen. Bloß so richtig gefällt es mir nicht, wie es momentan läuft. Ob Hoyerswerda, Lohsa oder wir, jeder macht seine eigene Sache. Ich bin der Auffassung, dass der sächsische Zweckverband Lausitzer Seenland derjenige sein sollte, der die Entwicklung an sich zieht und umsetzt. Auf der brandenburgischen Seite geht es ja auch. Uns daran ein Beispiel zu nehmen, das schaffen wir nicht.

Welche Projekte stehen für das Jahr 2018 ganz oben auf Ihrer Agenda?

Heine: Natürlich gilt es die Weiterentwicklung am Spreetaler See voranzutreiben. Wir wollen die Flächen zum Bootsanleger ausbauen. In der Gemeinde möchten wir die Kuhbrücke in Zerre/Spreewitz komplett neu bauen. Ganz oben steht jedoch die Ansiedlungsproblematik am Industriepark Schwarze Pumpe. Wir wollen das Gründerzentrum mit Start-Up-Unternehmen pushen. Und es sind mehrere Ansiedlungen geplant, die momentan aussichtsreich verhandelt werden. Wir werden sicherlich bald das ein oder andere verkünden können. Das ist nicht bloß für die Gemeinde wichtig. Schwarze Pumpe ist in der ganzen Lausitz einer der größten Industrieparks. Wir müssen uns Gedanken machen, was nach der Kohle kommt. Und wir haben uns entschieden, unsere komplette Kraft in den Standort zu stecken. Dort sind mittlerweile 4300 Arbeitnehmer beschäftigt, wir wollen dieses Jahr die 5000 reißen. Das ist schon eine schöne Herausforderung.

Die Region steht vor einem Strukturwandel. Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit er gelingt?

Heine: Wir haben die Lausitzrunde gegründet, in der brandenburgische und sächsische Bürgermeister zusammenkommen, um gemeinsam zum Abgesang der Kohle Gewehr bei Fuß zu stehen. Wir sind der Auffassung, dass wir die besten Voraussetzungen haben, die Speichertechnologie bei uns als Wirtschaftszweig zu entwickeln. Wir haben alle Netze, alle Leitungen, ein großes Drehkreuz an Medientrassen. Wir haben die BTU Cottbus, Hochschulen in Freiberg und Zittau.

Außerdem sind wir momentan dran, die See-Thermie zu thematisieren. In der Schweiz und in Schweden werden Städte komplett mit der Wärme von Seen beheizt. Wir haben sehr viele Seen, vielleicht ist das auch für uns eine Möglichkeit. Aber für die Region muss erst einmal ein Leitbild erarbeitet werden. Das ist ein riesiger Weg, den wir vor uns haben.

Wenn Sie für Ihre Gemeinde einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich für Spreetal wünschen?

Heine: Erst einmal, dass wir aus der finanziellen Schräglage herauskommen. Und ich würde sehr gerne dem Land, dem Ministerpräsidenten, aufzeigen wollen, dass es hinsichtlich des Bestandes von Kommunen nicht bloß einen Weg geben kann, der dort heißt: die Einwohnerzahl. Das geht auf die Misére zurück, dass Spreetal jetzt nur noch einen ehrenamtlichen Bürgermeister hat. Wir haben weniger als 2000 Einwohner und alles wird daran gemessen. Aber welche Kommune hat denn so ein Industriegebiet wie wir? Dazu kommt die Entwicklung des Seenlandes, wir haben 110 Quadratmeter Wasser. Insgesamt ist es eine spannende Situation, in der sich die Gemeinde derzeit befindet, in jeglicher Hinsicht. Das macht letztendlich auch meinen Job so spannend.

Mit Manfred Heine sprach
Anja Hummel