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| 18:07 Uhr

Hoyerswerda
In Nachbarschaft mit dem Wolf

Man muss sich mit den Wölfen arrangieren, findet auch der Bröthener Jürgen Köhler.
Man muss sich mit den Wölfen arrangieren, findet auch der Bröthener Jürgen Köhler. FOTO: Rainer Könen
Bröthen/Michalken . Auch zwischen Bröthen und Schwarzkollm kann man gelegentlich auf Wölfe treffen. Von Rainer Könen

Was tun, wenn man ihm plötzlich im Wald begegnet? Experten raten, die Ruhe zu bewahren, sich bemerkbar zu machen und vor allem – nicht hektisch zu werden. Ein Freitag, gegen 13 Uhr, im Bröthener Teichgebiet, unweit der Bahntrasse. Stille. Plötzlich sind Schritte zu hören, das Laub raschelt. Dann ist er da, ein riesiger, ausgewachsener Wolf. Knapp zehn Meter ist er entfernt. Herzrasen. Die Augen in seinem massigen grau-weißen Kopf schauen durchdringend,  ein Ruck, binnen Sekunden ist er im Dickicht verschwunden.

Eine Wolfsbegegnung, wie sie zwischen Bröthen und Schwarzkollm gelegentlich vorkommt. Meist sind es Jäger, die ihn sehen. Auch in diesem Gebiet halten sich seit mehreren Jahren Wölfe auf. Wie gehen Bröthens Bewohner mit der Tatsache um, dass Wölfe in ihrer Nähe leben? Eine junge Frau, die man auf der Hauptstraße trifft, hat davon schon gehört. Spricht davon, dass sie bei Waldspaziergängen in der Umgebung besonders aufmerksam ist. Aber Angst habe sie keine, so die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Weil „Wölfe in der Region immer ein heikles Thema sind“, wie sie findet.

Einer, der kein Problem damit hat, ist Jürgen Köhler. Seiner Frau Michaela gehört die Landbäckerei. Er erzählt, dass er von einem hiesigen Schafzüchter drei Lämmer geschenkt bekam. Die seien, als er sie abholen wollte, „aus dem Gehege ausgebüxt“. Tage später habe man sie gefunden, respektive das, was die Wölfe von ihnen übrig gelassen haben. Fellreste, Knochen. Aufgefunden im Steinbruch unweit des Bröthener Teichgebietes. Vor zwei Jahren war das gewesen.
Für Ortsvorsteher Lothar Kujasch ist die ständige Anwesenheit der Wölfe etwas, woran man sich im Ort mittlerweile gewöhnt hat. Obwohl mit diesen Tieren latent immer „irgendein“ Ärger verbunden sei, wie man von manchen Einwohnern erfährt. Denn schließlich brauchen die Tiere Nahrung. Kujasch weiß von Viehhaltern in Schwarzkollm, deren Tiere in den zurückliegenden Jahren gelegentlich von Wölfen attackiert wurden.

Scheu ist der Isegrim nicht mehr. So kamen im vergangenen Herbst in einem Wald bei Hoyerswerda zwei Jungwölfe Jägern recht nahe. Bis auf fünf Meter näherten sich diese, schlichen um die Jäger herum, bevor sie verschwanden. In Deutschland leben (Stand Oktober 2017) in Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt viele Wölfe. Aber auch in anderen Bundesländern werden immer wieder Wölfe gesichtet. Derzeit sind bundesweit 60 Wolfsrudel, 13 Wolfspaare und einige Einzelwölfe registriert. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus acht Tieren.

Im Rietschener Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ werden Wolfsbegegnungen akribisch festgehalten. Ungewöhnlich sind die nicht mehr, wie Sophie Liehn beschreibt. Die Mitarbeiterin des Kontaktbüros weist darauf hin, dass sich im Gebiet zwischen Bröthen und Schwarzkollm Wölfe ständig aufhalten. Muss man sich vor Wölfen fürchten? Von gesunden Wölfen gehe in der Regel keine Gefahr aus. In den meisten Fällen würden die Tiere den Menschen aus dem Weg gehen, erfährt man im Wolfsbüro.

Auch wenn man sich in Bröthen mit der Anwesenheit der Wölfe arrangiert hat, Ortsvorsteher Lothar Kujasch betrachtet  deren Anwesenheit mit zwiespältigen Gefühlen. Er findet, dass Revierförster diese Tiere  vergrämen sollten. Es müsse doch nicht so weit kommen, bis „ein Wolf  mal einen Menschen angreift“.