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In der Stadt der Berg- und Poesiearbeiter

Die Schüler lauschten unter anderem auch den Klängen der Oud, einer arabischen Laute. Thabet Azzawi spielte ein Stück auf ihr.
Die Schüler lauschten unter anderem auch den Klängen der Oud, einer arabischen Laute. Thabet Azzawi spielte ein Stück auf ihr. FOTO: Sascha Klein
Hoyerswerda. Wie bringt man Schülerinnen und Schülern Literatur näher? Diese Frage haben Autoren und Sänger am Freitag im Hoyerswerdaer Johanneum beim Tag der Poesie und des freien Wortes zu beantworten versucht. Der Kunstverein Hoyerswerda mit Martin Schmidt und das PEN-Zentrum Deutschland mit Benedikt Dyrlich haben gemeinsam mit 75 Zehnt- und Elftklässlern ein zweistündiges Projekt gestartet. Sascha Klein

Im Mittelpunkt stand das Werk des sorbischen Dichters Jurij Chezka (1917 - 1944).

Herr Schmidt, Sie feiern den Tag der Poesie und des freien Wortes. Was ist das Ziel dieser Aktion?
Das Ziel ist, die nächste Generation an Literatur heranzuführen. Es ist wichtig, dass sich vor allem junge Leute auch mit sorbischer Kultur auseinandersetzen. Die Aktion ging von Benedikt Dyrlich aus.

Was geben Sie der Jugend mit auf den Weg?
Die Jugendlichen sollen wissen, dass sie in einer kulturvollen Gegend aufwachsen, und sollten dies später auch weitergeben. Sie dürfen ruhig stolz sein auf die Region, aus der sie stammen.

Welchen Wert hat in der Lausitz vor allem die Zweisprachigkeit?
Die Zweisprachigkeit ist ganz wichtig. Das ist ein Schatz, den niemand sonst in Deutschland hat - bis auf die Friesen vielleicht. Das ist unsere Verantwortung, dass wir der Jugend jetzt zeigen, welchen Wert Literatur und Kultur haben.

Zum Thema:
Jurij Chezka ist am 22. Juli 1917 in Horka bei Crostwitz geboren. Chezka gilt als Mitbegründer der sorbischen Moderne in den 1930er-Jahren. Nach der Volksschule bekam Chezka ein Stipendium für das Erzbischöfliche Gymnasium in Prag, wo er von 1929 bis 1937 lernte. Nach dem Abitur 1937 studierte er an der Karls-Universität Prag. 1939 wurde er von der Wehrmacht eingezogen. Im Herbst 1944 verschwand er im heutigen Serbien spurlos. Er hinterlässt ein Hauptwerk mit 54 Gedichten in sorbisch, zwei in tschechisch.