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In der Lausitz gibt es "Goldstaub"

Jürgen Tiede hat zum Buch eine eigene Ausstellung kreiert. Die ist bis zum Advent im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus zu sehen.
Jürgen Tiede hat zum Buch eine eigene Ausstellung kreiert. Die ist bis zum Advent im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus zu sehen. FOTO: amz1
Lohsa. Der Hoyerswerdaer Autor Jürgen Tiede hat in Lohsa sein neues Buch vorgestellt. Die farbenprächtigen Illustrationen werden jetzt ausgestellt. amz1

Was ist das Besondere an Sagen? In ihnen steckt immer ein Körnchen Wahrheit. Hier und dort lassen sich längst vergangene Begebenheiten bis heute nachverfolgen. Beispiel: die Sage vom Teufelsstein am Teufelsberg. Beide gibt es tatsächlich - am Nordrand von Kamenz. Am Weg zwischen den Dörfern Biehla und Zschornau, mitten im Wald auf dem Gipfel, befindet sich ein gewaltiges Felsstück. Nur ein paar Meter weiter fällt der Berg steil ab: Der einstige Steinbruch dient heute als Badesee.

Der 77-jährige Hoyerswerdaer Autor Jürgen Tiede hat das Naturphänomen zum Anlass genommen, um ein Märchen für Erwachsene zu verfassen. "Goldstaub - Wie Gottlieb versuchte, schlauer als der Teufel zu sein" lautet der Titel. Der Sage nach soll der Teufel einst versucht haben, einen riesigen Felsbrocken auf das nicht weit entfernte Kloster St. Marienstern zu schleudern. Doch beim zwölften Schlag der Kamenzer Kirche erlahmte sein Arm und der Stein fiel auf eine Erhebung, die später als Teufelsberg benannt wurde.

Jürgen Tiede wiederum schickt den Lausitzer Handwerker Gottlieb, der seine Seele dem Teufel verschrieben hat, zu eben dieser Stelle. Nach dem Berühren des Steins klebt Goldstaub an Gottliebs Händen. Doch letztendlich bringt ihm der Pakt mit dem Bösen kein Glück.

"Ich befasse mich schon lange mit dem Teufel", berichtet Jürgen Tiede während seiner Buchpräsentation und Ausstellungseröffnung im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus. Allerdings gehe es dem gebürtigen Dresdner dabei weniger um die entsprechende Figur aus dem Alten Testament, sondern um den "Volksteufel". Warum fasziniert das Böse die Menschen so? Weswegen besitzt der Teufel so viele verschiedene Gesichter? Und wieso verfallen ihm viele Menschen? Auf diese und ähnliche Fragen versucht der Autor Antworten zu finden. Darüber hinaus sei von großem Interesse, ob die Religionen den ewigen Sünder Mensch jemals glücklich machen können.

Jürgen Tiede ist gelernter Lokomotivschlosser, der lange Jahre im Lausitzer Braunkohlenrevier tätig war. Im Jahr 1976 begann er ein Studium der Kulturwissenschaften. Nach der Wende war er als freier Autor aktiv. Heute sehe er die Braunkohlenförderung mit anderen Augen. "Wir haben Energieüberschüsse im Land. Und dennoch werden Dörfer abgebaggert", so Jürgen Tiede.

Auf die Lohsaer hinterlässt die Buchlesung jedenfalls einen nachdenklichen Eindruck. Kein Wunder, bleibt im "Goldstaub"-Buch am Ende die Frage unbeantwortet, ob Gottfried nun in den Himmel oder in die Hölle kommt. "Er sollte zurück ins wahre Leben finden", lautet die diplomatische Antwort aus dem Publikum.

Neben dem Buch kann ab sofort im Zejler-Smoler-Haus auch die entsprechende Ausstellung bewundert werden. Noch bis Ende November werden im Obergeschoss die Buchillustrationen und das Märchen in Kurzform präsentiert. Die farbenfrohen Bilder hat Jürgen Tiede selbst gezeichnet. Manche der Motive wirken urkomisch. Denn obwohl sein Märchen in der Reformationszeit vor einem halben Jahrtausend spielt, findet sich der Teufel unter anderem auf dem Mond wieder, wo er sogar die Überreste eines Mondmobils, das von der Apollo-Mission stammen soll, für sich zu nutzen weiß. Also am besten mal montags oder donnerstags im Zejler-Smoler-Haus vorbeischauen und in eine Welt abtauchen, die eine elegante Brücke vom ausgehenden Mittelalter in die Jetztzeit schlägt. Und zeigt, dass in der Lausitz durchaus "teuflischer Goldstaub" zu finden ist.