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Lauta Dorf
In der kleinen Kirche bleibt viel Arbeit

Baubesprechung am Dienstagmorgen in der Kirche in Lauta Dorf: Bauingenieurin Kerstin Berthold, Siegfried Kusche von der Tischlerei Staroste, GKR-Vorsitzende Sigrid Roeser, Lothar Krautz und Pfarrer Norbert Krüger (v.l.) sind vor Ort.
Baubesprechung am Dienstagmorgen in der Kirche in Lauta Dorf: Bauingenieurin Kerstin Berthold, Siegfried Kusche von der Tischlerei Staroste, GKR-Vorsitzende Sigrid Roeser, Lothar Krautz und Pfarrer Norbert Krüger (v.l.) sind vor Ort. FOTO: Sascha Klein / LR
Lauta Dorf. In Lauta Dorf geht die Sanierung der Dachkonstruktion der Laurentiuskirche ins Finale. Vor der Gemeinde stehen jedoch schon die nächsten Aufgaben. Wie lange die Kirche Baustelle bleibt, ist noch nicht abzusehen. Von Sascha Klein

Es ist kalt in der Laurentiuskirche – wie immer im Winter. Wer das Gotteshaus durch die alte Holztür betritt, fühlt sich eher in einem Holzlager als in einer Kirche. Überall stehen teils Jahrhunderte alte Bretter. Es sind die Teile der Decke, die mit Zahlen versehen mitten im Kirchenschiff stehen. Bauingenieurin Kerstin Berthold aus Lauta schlängelt sich durch Richtung Taufbecken. Sie kennt die Planungen aus dem Effeff und leitet den Bau.

Dienstag, neun Uhr, Zeit für die Baubesprechung. Es gibt Fortschritte zu berichten. Draußen bringen Mitarbeiter einer Firma den Blitzschutz an. Am Nachmittag sollen sie damit fertig sein. Dann könnte das älteste Gebäude Lautas in den kommenden Tagen zumindest von außen sein bekanntes Gesicht wiederbekommen. Wenn der Blitzschutz angebracht ist, kann das Gerüst an der Außenfassade wieder abgebaut werden. In den vergangenen Monaten ist jedoch der Blick auf die eingerüstete Kirche schon fast Normalität geworden. Wie für Norbert Krüger und Sigrid Roeser, den Pfarrer und die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Sie stehen mit in der Kirche und lassen sich auf den aktuellen Stand bringen.

Die Laurentiuskirche wird gerade saniert. Der Glockenturm (r.) ist eines der nächsten Projekte.
Die Laurentiuskirche wird gerade saniert. Der Glockenturm (r.) ist eines der nächsten Projekte. FOTO: Sascha Klein / LR

Die große Herausforderung zu Beginn des Jahres hatte geheißen: Tragende Balken des Daches sind teils morsch oder kaputt. Eine Sanierung ist unumgänglich. Also hat der Gemeindekirchenrat viele Fördertöpfe anzuzapfen versucht. Insgesamt betragen die Baukosten nach aktuellen Schätzungen rund 210 000 Euro. Allein 100 000 Euro kommen aus dem Leader-Projekt und etwa 70 000 Euro aus kirchlicher Förderung. Allein 40 000 Euro muss die kleine Gemeinde selbst aufbringen. Dafür hat sie in diesem Jahr vieles auf die Beine gestellt und immer wieder um Spenden geworben: Benefizkonzerte mit Organist Matthias Eisenberg, mit dem Senftenberger Chor „Gospel & Friends­“, mit dem Lautaer Chor „musica viva“, ein Kirchenfest. Auch die Lausitzer Hangfichten und die Geierswalder Jagdhornbläser haben für die Kirche gespielt – und viele Menschen aus Lauta und Umgebung haben gespendet. „Wir haben bis heute mehr als 36 100 Euro an Spenden erhalten“, sagt GKR-Vorsitzende Sigrid Roeser, eine Summe, mit der in Lauta Dorf niemand gerechnet hatte. Das jüngste Projekt ist ein Kalender für 2018 zum Thema Kirchensanierung, eine Gemeinschaftsaktion von Heimatklub und Kirchengemeinde.

Während des Baus haben sich allerdings schon die nächsten Schäden an der Kirche gezeigt, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und deren Holzkonstruktion im Inneren aus den Jahren um 1670 datiert. Die Sanierung der maroden Balken ist etwa um ein Drittel umfangreicher geworden als zuvor gedacht.

Die Laurentiuskirche wird gerade saniert. Deshalb gelangen Gäste derzeit nicht aufs Kirchengelände.
Die Laurentiuskirche wird gerade saniert. Deshalb gelangen Gäste derzeit nicht aufs Kirchengelände. FOTO: Sascha Klein / LR

Zudem hat sich gezeigt: Die Fenster sind marode. „Sie müssen alle erneuert werden. Eine Reparatur kostet etwa 20 000 Euro“, sagt die GKR-Vorsitzende. Auch dafür will die Kirchengemeinde Fördermittelquellen suchen. Einen mittleren vierstelligen Betrag muss die Gemeinde jedoch in jedem Fall mittragen. Die Hoffnung ist: Wenn alles perfekt läuft, könnten schon im kommenden Jahr neue Fenster eingebaut werden. Sicher ist das jedoch noch lange nicht. Ebenso  ist offen, ob die Kirchengemeinde überhaupt noch so viele Eigenmittel zur Verfügung hat. Kassensturz für die laufende Sanierung ist spätestens im April 2018. Dann liegen alle Rechnungen vor.

Ein weiteres Sorgenkind steht vor der Kirche: der Glockenturm. Daran erklingen mehr als 500 Jahre alte Glocken. Die Glocke der Laurentiuskirche ist zudem Wappen der Stadt Lauta und damit unteilbar mit der Stadtgeschichte verbunden.

Eigentlich hatte der Gemeindekirchenrat vor mehr als einem Jahr die Sanierung der Glockenanlage und des Turms anschieben wollen, bis die maroden Dachbalken dazwischengekommen sind. Im kommenden Jahr will die Kirchengemeinde einen Holzsachverständigen bemühen, der bestimmen soll, wie sanierungsbedürftig der Glockenturm ist.

Nun steht erst einmal Weihnachten vor der Tür. An einen Gottesdienst in der Laurentiuskirche ist aufgrund der Bauarbeiten nicht zu denken. Doch Not macht erfinderisch: Am Heiligen Abend ist eine Andacht direkt vor dem Pfarrhaus, unter der großen Eiche, geplant.